Doppelt so teuer: Wie Zusatzleistungen Kfz-Tarife unnötig verteuern

Auto, Dienstwagen, Steuern sparen, Kfz, Kfz-Versicherung, Symbolbild
Foto: Smarterpix/[email protected]
Warum Autoversicherungen unnötig teuer sind

Wer bei der Kfz-Versicherung zusätzliche Komfortleistungen wählt, zahlt oft deutlich mehr als nötig. Modellrechnungen von Verivox zeigen: Einzelne Extras treiben den Beitrag spürbar nach oben, manche Tarife kosten sogar doppelt so viel. Dabei ist der tatsächliche Nutzen häufig begrenzt – vor allem beim späteren Versicherungswechsel.

Wer seine Kfz-Versicherung mit Zusatzbausteinen aufrüstet, muss mit deutlichen Mehrkosten rechnen. Das zeigen Modellrechnungen des Vergleichsportals Verivox auf Basis eines 45-jährigen Golf-Fahrers aus Berlin. Besonders teuer werden Leistungen, die auf den ersten Blick Sicherheit oder Komfort versprechen, langfristig aber nur eingeschränkt Vorteile bieten.

Ein typisches Beispiel ist der Rabattschutz. Er sorgt dafür, dass die Schadenfreiheitsklasse nach einem selbst verschuldeten Unfall erhalten bleibt. Versicherer lassen sich diesen Schutz jedoch teuer bezahlen. Für die Haftpflichtversicherung verlangen sie im Schnitt 18 Prozent mehr, was im Modellfall 307 Euro entspricht. In einzelnen Tarifen steigt der Beitrag sogar um bis zu 30 Prozent.

Noch höher fällt der Aufschlag aus, wenn der Rabattschutz zusätzlich für die Vollkaskoversicherung vereinbart wird. Dann erhöht sich der Beitrag durchschnittlich um 22 Prozent oder 377 Euro. Damit bleibt zwar auch die Einstufung nach Schäden am eigenen Fahrzeug erhalten, der Preisvorteil relativiert sich jedoch schnell.


Das könnte Sie auch interessieren:

Rabattschutz bindet an den Versicherer

Neben den Kosten hat der Rabattschutz einen weiteren Haken. „Versicherungsnehmer behalten die höhere Schadensfreiheitsklasse nur solange sie bei ihrem aktuellen Versicherer bleiben“, sagt Aljoscha Ziller, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH. „Der Unfall wird dennoch vermerkt, die höhere Schadenfreiheitsklasse bei einem Wechsel meist nicht mit übernommen und der Vorteil durch den Rabattretter verpufft.“

Noch stärker ins Gewicht fällt eine andere Zusatzleistung: die sogenannte Direktregulierung. Dabei übernimmt der Versicherer nach einem Unfall die Schadensabwicklung sofort und vollständig, ohne zu prüfen, ob der Versicherte möglicherweise selbst haftet. Tarife mit dieser Leistung sind im Schnitt 109 Prozent teurer als die günstigsten Angebote ohne Direktregulierung. Für den Modellfahrer bedeutet das einen Aufpreis von 939 Euro im Jahr.

Der vermeintliche Komfort ist aus Sicht von Verivox kaum gerechtfertigt. „Viel wichtiger und noch dazu auch schon in günstigen Tarifen zu haben sind Leistungen bei grob fahrlässigem Handeln des Autofahrers“, sagt Ziller. Dann komme der Versicherer etwa auch nach einer Rotlichtfahrt oder bei der Nutzung des Handys am Steuer für den Schaden auf.

Eigenschäden und automatische Tarifupdates als Kostentreiber

Auch die Absicherung von Schäden am eigenen Besitz verteuert die Versicherung spürbar. Beschädigt ein Fahrer beim Rangieren etwa das Garagentor oder einen Zweitwagen, greift die Haftpflichtversicherung in der Regel nicht. Tarife mit sogenannter Eigenschadendeckung kosten im Schnitt 22 Prozent mehr, was im Modellfall 191 Euro entspricht. Zudem gelten bei manchen Versicherern Einschränkungen, etwa wenn Schäden auf dem eigenen Grundstück entstehen.

Ein weiterer Preistreiber sind Tarife, die sich automatisch an neue Versicherungsbedingungen anpassen. Sie versprechen, Leistungsverbesserungen ohne Tarifwechsel zu übernehmen. Im Durchschnitt kosten solche Angebote jedoch 33 Prozent mehr oder 281 Euro zusätzlich. Vergleichbare Effekte lassen sich auch durch einen regelmäßigen Versicherungswechsel erzielen – oft zu deutlich niedrigeren Beiträgen.

„Nach zwei Jahren mit flächendeckenden Prämiensteigerungen setzen Versicherer günstige Prämien wieder zur Neukundengewinnung ein“, sagt Ziller. Laut Verivox kosten günstige Tarife den Modellfahrer 49 Prozent weniger als Angebote aus dem mittleren Preissegment.

Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen