Edelmetalle 2026: Konsolidierung statt Trendbruch?

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Gold und Silber sollten für Investoren attraktiv bleiben.

Nach einer historischen Rally folgte im Januar eine heftige Korrektur bei Gold und Silber. Trotz zweistelliger Verluste binnen zwei Tagen sehen Marktstrategen den strukturellen Aufwärtstrend bei Gold weiter intakt. Silber bleibt chancenreich, aber deutlich volatiler.

Gold und Silber haben Ende Januar 2026 eine der schärfsten Korrekturphasen der vergangenen Jahrzehnte erlebt. Silber stieg zuvor in einer parabolischen Bewegung bis auf 121 US-Dollar je Feinunze, Gold näherte sich 5.600 US-Dollar. Innerhalb von zwei Tagen verlor Gold 21 Prozent, Silber brach um 41 Prozent ein – jeweils die stärksten Rückgänge seit Jahrzehnten.

Trotz dieser Dynamik notieren beide Edelmetalle weiterhin deutlich über ihren Niveaus aus 2025. Für Violeta Todorova, Senior Research Analyst bei Leverage Shares & Income Shares, spricht vieles dafür, dass es sich um eine technische Bereinigung und nicht um das Ende des Bullenmarktes handelt.

Auslöser der Korrektur sei weniger ein fundamentaler Bruch gewesen als vielmehr eine überdehnte Marktpositionierung. Gehebelte Futures-Positionen, hohe Optionsaktivität und Momentum-Strategien hätten die Aufwärtsbewegung verstärkt. Mit steigender Volatilität erhöhten sich die Margin-Anforderungen an der Terminbörse CME, was zu erzwungenen Positionsreduzierungen führte.


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Gold profitiert weiter von Realzinsen und Zentralbankkäufen

Institutionelle Investoren waren laut Futures-Daten nicht die Haupttreiber der vorangegangenen Rally. Der Rückgang sei daher primär eine Bereinigung spekulativer Engagements gewesen. Parallel stabilisierte sich der US-Dollar, wodurch ein wichtiger Rückenwind für Edelmetalle temporär nachließ.

Fundamental bleibt das Umfeld für Gold aus Sicht von Todorova konstruktiv. Sinkende Realzinsen, hohe fiskalische Defizite in Industrieländern, geopolitische Spannungen und die strukturell hohe globale Verschuldung stützen die Nachfrage. Erwartete Zinssenkungen der Federal Reserve sowie ETF-Zuflüsse verstärken diese Argumentation.

Ein Risiko bestehe in einer möglichen Abschwächung der Zentralbankkäufe. Allerdings halten viele Schwellenländer im internationalen Vergleich weiterhin relativ niedrige Goldquoten. Technisch gilt der Bereich um 4.800 US-Dollar als zentrale Unterstützung. Ein nachhaltiger Ausbruch über 5.100 US-Dollar könnte perspektivisch einen Anstieg in Richtung 6.000 US-Dollar ermöglichen.

Silber bleibt konjunktur- und spekulationsanfälliger

Silber weist eine doppelte Rolle auf: Es fungiert sowohl als monetäres Edelmetall als auch als Industriemetall. Rund die Hälfte der globalen Nachfrage entfällt auf industrielle Anwendungen. Dazu zählen Photovoltaik, KI-Rechenzentren, Elektrofahrzeuge sowie Anwendungen in Verteidigung und Luftfahrt.

Gleichzeitig reagieren Angebot und Recycling bei hohen Preisen sensibel. Steigende Schrottzuflüsse, verstärkte Münz- und Schmuckverkäufe sowie die Reaktivierung von Beständen können Preisspitzen dämpfen. In China ist nach dem Volatilitätsschub die spekulative Aktivität zurückgegangen, das Open Interest an der Shanghai Futures Exchange sank.

Vor diesem Hintergrund erscheint für Silber eine breitere Handelsspanne wahrscheinlich. Konservative Schätzungen sehen Kurse um 70 US-Dollar, bei erneuten spekulativen Zuflüssen wären auch wieder höhere Niveaus denkbar. Langfristig könnten Preise bei Angebotsanpassungen in Richtung 60 US-Dollar tendieren.

Zweites Halbjahr im Fokus

Unter der Annahme gradueller Zinssenkungen könnte Gold in einer Bandbreite von 4.800 bis 5.800 US-Dollar handeln, mit Potenzial in Richtung 6.000 US-Dollar bei anhaltenden Kapitalzuflüssen. Für Silber wird eine volatilere Spanne zwischen 65 und 90 US-Dollar erwartet. Erst ein nachhaltiger Ausbruch über 90 US-Dollar würde den Weg für neue Rekordstände ebnen.

Die parabolische Phase der Edelmetallrally dürfte damit vorerst beendet sein. Die strukturellen Treiber bleiben jedoch bestehen, sodass die aktuelle Marktphase eher als Konsolidierung innerhalb eines intakten Aufwärtstrends interpretiert wird.

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