Mit Trump wird es nicht langweilig. Am Wochenende leitete das Justizministerium eine strafrechtliche Untersuchung gegen die US-Notenbank (Fed) wegen der Renovierung des Hauptsitzes der Zentralbank ein. Fed-Chef Powell sieht darin einen Vorwand, um weiteren Druck auf die Fed auszuüben, da Präsident Trump nach wie vor mit der Geldpolitik unzufrieden ist und die Unabhängigkeit der Zentralbank bedroht. Die Edelmetallmärkte stimmen seiner Einschätzung zu.
Die Gold- und Silberpreise sind am Montagmorgen um 1,5 % bzw. 5 % gestiegen. Zwar ist auch der US-Dollar schwächer, doch scheint die Reaktion der Edelmetallmärkte etwas übertrieben, insbesondere bei Silber. Dies deutet darauf hin, dass die Nachrichten die optimistische Stimmung an den Märkten weiter anheizen. Dennoch sehen wir die zunehmende Einmischung in die Fed und die Bedenken hinsichtlich ihrer Unabhängigkeit als einen der wichtigsten bullischen Faktoren für die Edelmetallmärkte im Jahr 2026.
Fed-Chef Powell wird im Mai zurücktreten, so dass die künftige Unabhängigkeit der Fed davon abhängen wird, ob sein Nachfolger unabhängig agieren oder sich eng an die Regierung anpassen wird. Anhaltende Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit der Fed und des Status des US-Dollars als Weltreservewährung könnten mehr Anleger auf der Suche nach sicheren Häfen auf die Gold- und Silbermärkte locken und die Preise noch weiter in die Höhe treiben. Der Silbermarkt ist viel kleiner als der Goldmarkt und sensibler gegenüber Bewegungen der US-Zinsen und des US-Dollars – er dürfte deshalb stärker auf solche Bedenken reagieren, wie bereits heute zu beobachten ist.
Dennoch glauben wir nach den Marktbewegungen der letzten Wochen, dass die Outperformance von Silber gegenüber Gold übertrieben ist und die Stimmung zu euphorisch geworden ist. Wir halten daher an unserer neutralen Einschätzung für Silber und der damit verbundenen Empfehlung fest, auf das Gold-Silber-Preisverhältnis zu setzen. Gleichzeitig bekräftigen wir unsere konstruktive Einschätzung für Gold, auch wenn die Preise aus kurzfristiger Sicht ebenfalls überzogen erscheinen. Aus längerfristiger Perspektive bleiben unterstützende Faktoren wie solide Käufe der Zentralbanken und die steigende Verschuldung der Staaten bestehen.
Autor Carsten Menke ist Head Next Generation Research bei Julius Bär.















