Fidelity bringt eigenes Altersvorsorgedepot für Privatanleger und Berater

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Montage aus Beratungsgespräch, Smartphone-App und Vertragsmappe symbolisiert drei Vertriebswege eines Altersvorsorgedepots.
Bild: KI-generiert
Direktvertrieb, Finanzberater und Vermittlerpools: Fidelity setzt beim neuen Produkt auf drei parallele Kanäle.

Fidelity International startet zum 1. Januar 2027 sein Altersvorsorgedepot - wählbar direkt, über Finanzberater oder Vermittlerpools. Wie sich der Anbieter im neuen, kostengedeckelten Fördermarkt gegenüber Scalable, Deka und der Telekom positioniert, zeigt der Überblick.

Fidelity International hat den Starttermin für sein neues Altersvorsorgedepot bekanntgegeben. Ab dem 1. Januar 2027 bietet das Unternehmen die Varianten VorsorgeDepot und VorsorgeDepot Plus an, wie die Börsen-Zeitung berichtet. Nach Angaben von fundresearch.de können Privatanleger das Produkt direkt abschließen, während unabhängige Finanzberater und Vermittlerpools es parallel anbieten.

Den Markt dafür gibt es erst seit Mai 2026. Damals trat das Altersvorsorgereformgesetz in Kraft und legte sowohl die Kostenobergrenzen als auch die neuen Förderregeln für das Altersvorsorgedepot fest.

Drei Wege zum neuen Altersvorsorgedepot

Fidelity vertreibt sein Altersvorsorgedepot über drei parallele Kanäle. Sparer schließen das Produkt entweder direkt ab oder wenden sich an einen unabhängigen Finanzberater. Zudem binden Vermittlerpools das Angebot in ihre eigenen Plattformen ein.

Kosten des Fidelity-Altersvorsorgedepots im Marktvergleich

Für die Standardvariante nennt Fidelity eine Depotgebühr von einem Euro monatlich, also zwölf Euro jährlich. Dazu kommen Produktkosten von rund 0,35 Prozent jährlich. Im vierten Quartal bringt der Anbieter dafür zwei eigene ETFs auf den Markt. Der erste ist ein weltweit anlegender Aktien-ETF der Risikoklasse vier mit dem Namen Fidelity All Country Equity Research Enhanced. Der zweite ist ein defensiver Anleihen-ETF der Risikoklasse zwei mit dem Namen Fidelity Euro Ultra Short Duration Bond. Die Börsen-Zeitung beziffert die Produktkosten des Standardprodukts auf 35 bis 75 Basispunkte jährlich zuzüglich zwölf Euro Depotentgelt. Umgerechnet entsprechen die 0,35 Prozent 35 Basispunkten und markieren damit die untere Grenze dieser Spanne.

MerkmalAusprägungHerkunft
Marktstart Fidelity-Altersvorsorgedepot1. Januar 2027Börsen-Zeitung
Depotgebührein Euro pro Monat (zwölf Euro pro Jahr)Fidelity International
Produktkostenrund 0,35 Prozent pro JahrFidelity International
Gesetzlicher Kostendeckel (Standardprodukt)maximal 1,0 Prozent pro JahrDeutsche Rentenversicherung
Grundzulage50 Cent für jeden eingezahlten Euro, gedeckelt auf maximal 540 Euro im JahrDeutsche Rentenversicherung

Gesetzlicher Rahmen für das Altersvorsorgedepot

Der Bundestag beschloss das Altersvorsorgereformgesetz am 27. März 2026, der Bundesrat billigte es am 8. Mai 2026. Ende Mai trat die Reform in Kraft. Sie begrenzt die Kosten des staatlichen Standardprodukts auf maximal 1,0 Prozent pro Jahr und bezieht künftig auch Selbstständige in die Förderung ein. Das Gesetz schreibt ab dem 65. Lebensjahr zeitlich begrenzte Auszahlpläne vor, die sich über 20 Jahre bis zum 85. Lebensjahr erstrecken. Anders als bei der Riester-Rente entfallen dabei sowohl die Garantie- als auch die Verrentungspflicht, wie die Deutsche Rentenversicherung mitteilt.


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Wettbewerb um das Altersvorsorgedepot wächst

Fidelity ist nicht der erste Anbieter in diesem Markt. Die Börsen-Zeitung ordnet den Start als Positionierung nach Wettbewerbern wie Scalable und Deka ein. Auch die Deutsche Telekom bereitet laut einem Bericht von Börse Online über ihre Tochtergesellschaft Telekom Finance ein eigenes Angebot für Mitarbeiter vor. Es soll unter dem Namen Magenta Finance laufen und mit rund 0,06 Prozent zuzüglich Fondskosten kalkulieren. Eine offizielle Stellungnahme des Konzerns dazu liegt laut dem Bericht nicht vor. Laut einem Bericht von extraETF geht Franklin Templeton davon aus, dass sich im ersten Jahr zwischen 6,5 und 8 Millionen Depots abschließen lassen - eine Einschätzung des Asset Managers selbst. Auch Arbeitgeber können sich laut extraETF einbringen, etwa durch erleichterten Zugang über Informationsveranstaltungen und Plattformen, durch bezuschusste Beiträge oder durch eigene kuratierte Angebote. Rechtlich bleibt es dabei ein privater Vertrag zwischen Arbeitnehmer und Anbieter, der die betriebliche Altersvorsorge nicht ersetzt.

Frühstart-Rente ergänzt das Altersvorsorgedepot

Parallel zum Altersvorsorgedepot bereitet die Bundesregierung mit der Frühstart-Rente ein zweites Instrument vor. Demnach soll der Bund ab dem sechsten Lebensjahr bis zur Volljährigkeit monatlich zehn Euro je Kind einem Altersvorsorgedepot gutschreiben. Am 12. August 2026 verabschiedete das Bundeskabinett den entsprechenden Gesetzentwurf, den der Bundestag am 25. September 2026 erstmals beriet, bevor er an den Finanzausschuss weitergeleitet wurde. In Summe ergeben sich auf diese Weise über den Zwölfjahreszeitraum 1.440 Euro staatlicher Zuschuss pro Kind; Eltern können darüber hinaus jährlich bis zu 6.840 Euro zusätzlich einzahlen. Für 2027 plant der Bund dafür 198 Millionen Euro ein, bis 2030 steigt der Betrag auf 411 Millionen Euro. Nach Einschätzung von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil könnte bis zum Renteneintritt ein verzinstes Endkapital von rund 53.000 Euro zusammenkommen - eine politische Schätzung, keine verlässliche Größe.

Internationale Vorbilder für das Altersvorsorgedepot

Fidelity begründet sein Engagement auch mit internationalen Vorbildern. Das Unternehmen verweist in eigenen Pressematerialien auf das britische ISA-Modell mit steuerfreien Einzahlungen bis 20.000 Pfund jährlich. Zudem nennt es das schwedische ISK-Konto, das nach Fidelitys Angaben rund 41 Prozent der Bevölkerung nutzen. Die dort gehaltenen Vermögenswerte entsprechen laut Fidelity etwa einem Drittel des Bruttoinlandsprodukts. Diese Zahlen stammen aus den Unterlagen des Anbieters.

Christof Quiring, der bei Fidelity International den Bereich betriebliche Vorsorgelösungen leitet, sagt: „Diese Reform ist ein echter Durchbruch nach Jahren des Stillstands in der Rentenpolitik.“ Zugleich fordert er: „Finanzbildung muss jetzt Priorität haben.“ Fidelity ist seit 1992 in Deutschland aktiv und beschäftigt mehr als 450 Mitarbeiter. Zum Dezember 2025 verwaltete das Unternehmen eigenen Angaben zufolge Kundenvermögen von rund 77,1 Milliarden Euro, wovon 36,5 Milliarden Euro auf das Fondsvolumen entfielen.

Im Laufe des Jahres 2027 will Fidelity zudem ein offenes Altersvorsorgedepot nachreichen, bei dem Kunden oder ihre Berater die Fondsauswahl selbst übernehmen.

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