GDV warnt vor Wettbewerbsverlust im globalen Versicherungsmarkt

Jörg Asmussen, GDV, Hauptgeschäftsführer
Foto: GDV
Jörg Asmussen: "Allein in Deutschland legen Versicherer jährlich 200 bis 300 Milliarden Euro jährlich neu an - über 70 Prozent davon in der Eurozone."

Vor dem EU-Gipfel wächst der Druck auf die Politik: Die Versicherungsbranche fordert weniger Bürokratie und klarere Regeln. Eine aktuelle Stellungnahme des GDV zeigt, warum es dabei um mehr als nur Brancheninteressen geht.

Vor dem Treffen des Europäischen Rates am 19. und 20. März rückt die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Finanzsektors in den Fokus. Die deutsche Versicherungswirtschaft mahnt eine spürbare Entlastung bei regulatorischen Vorgaben an. „Unsere Versicherer sind Weltspitze und eine starke Säule im globalen Finanzsystem – das müssen wir bewahren“, mahnt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Tatsächlich zählt der Versicherungssektor zu den Bereichen, in denen Europa international weiterhin eine führende Rolle einnimmt. „Wir haben in Europa ansässige Versicherer und Rückversicherer, die global führend sind. Die EU muss jetzt die richtigen Weichen stellen, um die Unternehmen im globalen Wettbewerb zu stärken“, so Asmussen. Beim Gipfel in Brüssel wollen die Staats- und Regierungschefs unter anderem über die Stärkung des Binnenmarkts beraten.


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Ein zentrales Anliegen der Branche ist die Vereinfachung bestehender Regelwerke. Im Vorfeld des Treffens haben die Finanzminister der sechs größten EU-Volkswirtschaften ein umfassendes Maßnahmenpaket für den Finanzsektor angeregt.

Forderung nach einheitlichem Regelwerk

Konkret geht es um einen sogenannten Financial-Services-Omnibus, der bestehende Vorschriften bündeln und vereinfachen soll. „Ein Omnibus für den Finanzsektor ist überfällig. Die EU-Kommission hat mit dem Digital-Omnibus bereits gezeigt, dass Vereinfachung möglich ist“, sagt Asmussen. Ein solches Paket könnte dazu beitragen, überlappende Regelungen zu reduzieren und den Rechtsrahmen übersichtlicher zu gestalten.

Die Bedeutung der Versicherer für die europäische Wirtschaft geht dabei weit über den reinen Risikoschutz hinaus. Als institutionelle Investoren spielen sie eine zentrale Rolle bei der Finanzierung der Realwirtschaft.

Versicherer als Kapitalgeber der Wirtschaft

„Allein in Deutschland treten Versicherer im Durchschnitt für Schäden in Höhe von rund 130.000 Euro pro Minute ein und legen jährlich 200 bis 300 Milliarden Euro neu an – über 70 Prozent davon in der Eurozone“, sagt Asmussen. Damit tragen sie dazu bei, Risiken abzufedern und Kapital gezielt in Wachstum und Beschäftigung zu lenken.

Um diese Rolle langfristig zu sichern, sieht der GDV vor allem Anpassungsbedarf bei der Regulierung. Berichtspflichten und administrative Anforderungen unter Solvency II sollten reduziert werden. Gleichzeitig fordert der Verband, Überschneidungen zwischen verschiedenen Regelwerken, etwa in den Bereichen Digitalisierung und Cybersicherheit, abzubauen.

Auch kleinere und mittlere Versicherer sollten stärker berücksichtigt werden. „One size fits all passt nicht zu einer wettbewerbsorientierten Regulierung. Außerdem sollten die europäischen Aufsichtsbehörden gesetzlich verpflichtet werden, auch die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzsektors zu berücksichtigen“, so Asmussen.


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