Die Bundesärztekammer warnt eindringlich vor medizinischen Diagnostikangeboten in Drogeriemärkten. Gesundheitschecks, die ohne ärztliche Begleitung durchgeführt werden, stellten aus Sicht der Ärzteschaft ein erhebliches Risiko für Patientinnen und Patienten dar. Messungen im Einzelhandel könnten weder eine fundierte Diagnose ersetzen noch eine verantwortungsvolle medizinische Entscheidung ermöglichen.
„Medizinische Diagnostik lässt sich nicht im Vorbeigehen erledigen. Messungen in Drogerien vermitteln den Eindruck von Sicherheit, liefern aber lediglich isolierte Momentaufnahmen ohne medizinischen Kontext. Das kann Menschen unnötig verunsichern – oder sie im Gegenteil in falscher Sicherheit wiegen und notwendige Behandlungen gefährlich verzögern“, betont der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt.
Er weist darauf hin, dass ärztliche Diagnostik weit über das Ablesen einzelner Werte hinausgeht. Zu einer verantwortungsvollen Beurteilung gehörten eine ausführliche Anamnese, körperliche Untersuchungen sowie gegebenenfalls differenzialdiagnostische Überlegungen und therapeutische Entscheidungen. Nur Ärztinnen und Ärzte könnten Befunde in ihrem Gesamtzusammenhang einordnen und medizinisch verantwortbare Schlüsse ziehen.
Diagnostik erfordert medizinische Verantwortung
Damit diese fachliche Verantwortung nicht unterlaufen werde, sieht Reinhardt den Gesetzgeber in der Pflicht. „Damit diese fachliche Verantwortung nicht unterlaufen wird, ist der Gesetzgeber dringend gefordert, klare Grenzen zu ziehen und solche Angebote konsequent zu regulieren und – wo erforderlich – vollständig zu untersagen“, so Reinhardt.
Besonders kritisch bewertet die Bundesärztekammer Angebote wie Hautuntersuchungen, sogenannte Augenscreenings mithilfe künstlicher Intelligenz oder Blutdiagnostik in Drogerien. Diese Leistungen erforderten umfassende Fachkenntnisse und eine ärztliche Einordnung der Ergebnisse. Gerade bei Blutuntersuchungen könnten präanalytische Fehler bei der Entnahme, eine falsche Lagerung oder ein verzögerter Probentransport die Laborwerte erheblich verfälschen.
Hinzu komme nach Angaben der Bundesärztekammer, dass Drogeriemärkte weder personell noch räumlich auf medizinische Notfälle vorbereitet seien. Kreislaufkollapse oder akute Komplikationen könnten dort nicht angemessen versorgt werden. „Wer diagnostische Leistungen anbietet, trägt Verantwortung – und diese lässt sich in einem Ladengeschäft ohne medizinische Infrastruktur schlicht nicht erfüllen.“
Arztpraxen bieten geschützten Rahmen
Arztpraxen stellten dagegen einen geschützten Rahmen für medizinische Beratung und Behandlung dar. Dort würden gesundheitliche Fragen kompetent, vertraulich und mit dem notwendigen Einfühlungsvermögen behandelt. Zudem sorgten berufsrechtliche Vorgaben dafür, dass Diagnostik und Therapie mit der erforderlichen Sorgfalt erfolgten, so Reinhardt.
Die Bundesärztekammer macht damit deutlich, dass medizinische Diagnostik aus ihrer Sicht untrennbar mit ärztlicher Verantwortung verbunden ist und nicht in den Einzelhandel verlagert werden sollte.














