Eigentlich sollte Gold in Krisenzeiten glänzen. Doch seit Ausbruch des Iran-Konflikts Ende Februar ist der Preis des vermeintlich sicheren Hafens deutlich gefallen – ein bemerkenswerter Bruch mit dem üblichen Krisenmuster. Was dahintersteckt und warum er beim Edelmetall dennoch optimistisch ist, erläutert Roger Rüegg, Head of Multi-Asset bei Swisscanto/ZKB.
Seit Ausbruch des Konflikts im Iran konnte der Goldpreis seinen Status als „sicherer Hafen“ nicht aufrechterhalten und sich nicht auf seinen Höchstständen behaupten. Stattdessen hat das gelbe Edelmetall seit Anfang März etwa 15 Prozent an Wert verloren. Aus unserer Sicht lassen sich die Hauptursachen für diesen Kursrückgang auf drei wesentliche Faktoren zurückführen:
- Starker US-Dollar: Der anhaltende Anstieg des US-Dollars belastet den Goldpreis erheblich. Da Gold in US-Dollar gehandelt wird, wird es für Investoren außerhalb der USA teurer, was die Nachfrage entsprechend dämpft.
- Inflationssorgen und Zinsentwicklung: Die gestiegenen Rohölpreise und die Zerstörung der Förderinfrastruktur in Nahost haben Inflationsängste verstärkt. Erwartungen an Zinssenkungen der Notenbanken wurden wieder zurückgenommen, und die Renditen am längeren Ende der Zinskurve sind gestiegen. Da Gold keine Zinsen oder Ausschüttungen bietet, verliert es im Vergleich zu zinsbringenden Anlagen an Attraktivität.
- Gewinnmitnahmen: Nach zwei außergewöhnlich starken Jahren für Gold spielen auch Gewinnmitnahmen eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der aktuellen Kursentwicklung.
Kurzfristig könnten die Gewinnmitnahmen den Goldpreis weiter belasten, bis ein stabiler Boden gefunden ist. Mittel- und langfristig bleiben wir jedoch optimistisch. Insbesondere der anhaltende Trend zur De-Dollarisierung, die steigenden Staatsschulden sowie die fortgesetzten Goldkäufe durch Zentralbanken sprechen für eine positive Entwicklung des Edelmetalls in der Zukunft.














