Hormus-Blockade verteuert Düngerrohstoffe und erhöht Inflationsrisiken

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Düngemittel könnten infolge der Hormus-Blockade knapp werden.

Die Blockade der Straße von Hormus trifft nicht nur Öl und Gas. Auch wichtige Rohstoffe für Dünger, Chemie und Transport verteuern sich deutlich. Das könnte sich mit Verzögerung bis in die Supermärkte auswirken.

Der Konflikt mit dem Iran und die weitgehende Blockade der Straße von Hormus stören zunehmend den Handel mit zentralen Rohstoffen. Neben Öl und Gas geraten vor allem Urea und Schwefel unter Druck. Beide Stoffe sind wichtige Vorprodukte für Düngemittel, chemische Erzeugnisse und weitere Industrien.

Die Region hat für diese Märkte große Bedeutung. Der Iran sowie Golfstaaten wie Saudi-Arabien, Qatar und Oman zählen zu den wichtigsten Produzenten. Normalerweise laufen rund 35 Prozent des weltweiten Seetransports von Urea und 45 bis 50 Prozent des Schwefelhandels durch die Meerenge.

„Die Blockade der Straße von Hormus trifft nicht nur den Energiemarkt, sondern auch zentrale Rohstoffe für die globale Landwirtschaft“, sagt Jens Klatt, Marktanalyst beim Online-Broker XTB. „Wenn Lieferketten für Urea und Schwefel unterbrochen werden, steigen die Preise schnell, was sich zwangsläufig direkt auf die Kosten der Lebensmittelproduktion auswirken wird.“


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Preisauftrieb bei Düngerrohstoffen

Seit Januar und Februar 2026 haben sich wichtige Düngemittelrohstoffe deutlich verteuert. Urea stieg von rund 470 Dollar je Tonne auf bis zu 700 Dollar. Das entspricht einem Plus von 25 bis 50 Prozent. Schwefel verteuerte sich um 15 bis 30 Prozent, in China teils auf Rekordniveau.

Die Folgen reichen über den Agrarsektor hinaus. Urea wird vor allem für Stickstoffdünger und AdBlue benötigt. Schwefel und Schwefelsäure sind wichtige Bestandteile von Phosphatdüngern, Batterien und chemischen Vorprodukten.

„Die Märkte unterschätzen derzeit, wie stark dieser Konflikt in die reale Wirtschaft hineinwirkt“, sagt Klatt. „Düngemittel sind ein zentraler Kostenfaktor der Landwirtschaft. Wenn diese Preise steigen, folgt die Nahrungsmittelinflation meist nur mit einigen Monaten Verzögerung.“

Landwirtschaft vor höheren Kosten

Besonders stark trifft die Entwicklung die Landwirtschaft. Urea und schwefelbasierte Phosphate machen nach Angaben von XTB rund 30 bis 50 Prozent der Produktionskosten für Getreide aus. Steigende Düngerpreise können dazu führen, dass Landwirte weniger düngen oder ihre Anbauplanung anpassen.

„Viele Farmer könnten gezwungen sein, weniger zu düngen oder auf günstigere Kulturen umzusteigen“, erklärt Klatt. „Das könnte die Erträge bei wichtigen Grundnahrungsmitteln wie Weizen oder Mais um etwa zwei bis fünf Prozent senken“.

Die Lage ist auch deshalb heikel, weil rund 50 Prozent des Stickstoffdüngers im Frühjahr ausgebracht werden. In den USA und in Europa könnten Landwirte daher verstärkt auf Kulturen wie Sojabohnen ausweichen, die weniger Stickstoff benötigen. Von höheren Preisen profitieren zwar Hersteller wie Yara, Nutrien, CF Industries oder Mosaic. Auf der anderen Seite steigen die Belastungen für landwirtschaftliche Betriebe, etwa in den USA, Indien und Brasilien.

Folgen für Chemie, Transport und Lebensmittel

Auch Industrie und Transport bekommen den Kostendruck zu spüren. Urea ist ein zentraler Bestandteil von AdBlue für die Abgasreinigung von Dieselmotoren. Nach Angaben von XTB sind die Preise für Diesel Exhaust Fluid bereits um rund 25 Prozent gestiegen. In der Chemie verteuern sich damit auch Prozesse, in denen Schwefelsäure, Ammoniak, Methanol oder PVC eine Rolle spielen. Betroffen sind unter anderem BASF und Dow sowie Unternehmen aus der Halbleiterindustrie.

Hinzu kommen Belastungen für Batteriehersteller, weil Schwefelsäure für Blei-Säure-Batterien benötigt wird. In Kosmetik- und Pflegeprodukten spielt Urea ebenfalls eine Rolle, dort dürfte der Preiseffekt allerdings begrenzt bleiben. „Die Lieferkettenstörungen reichen weit über die Landwirtschaft hinaus“, sagt Klatt. „Von der Chemieindustrie über Batterien bis hin zur Diesel-Abgasreinigung gibt es zahlreiche Industrien, die indirekt betroffen sind.“

Hält der Konflikt an, könnten die Folgen in sechs bis 12 Monaten auch bei Verbrauchern ankommen. „Sollte der Konflikt länger andauern, könnten wir in sechs bis zwölf Monaten eine neue Welle steigender Lebensmittelpreise sehen“, sagt Klatt. „Global wären Preissteigerungen von 10 bis 30 Prozent denkbar. Das ist vor allem abhängig davon, wie lange die Lieferketten gestört bleiben.“ Zudem warnt der Analyst vor sinkenden Erträgen bei Weizen und Mais. „Ein Rückgang der Erträge um zwei bis fünf Prozent klingt zunächst moderat“, so Klatt. Der Marktexperte warnt: „Auf globaler Ebene kann das jedoch enorme Folgen haben und potenziell 120 bis 250 Millionen Menschen zusätzlich in Ernährungsunsicherheit bringen, besonders in Teilen Afrikas und Asiens.“

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