„Indien ist Schlüsselland für den Klimaschutz“

Indien-Flagge neben Windrad
Foto: PantherMedia/Sehenswerk
Indien hat allein aufgrund seiner großen Bevölkerungszahl eine enorme Bedeutung beim Klimaschutz.

Für Philipp Mettler, Manager des Swisscanto Equity Fund Sustainable Emerging Markets, kommt auf Indien eine ganz besondere Rolle zu, wenn es um den Kampf gegen den Klimawandel geht.

„Die Erderwärmung bis 2050 auf unter 1,5 Grad Celsius zu halten, erfordert billionenschwere Investitionen in nachhaltige Technologien. Dabei spielt insbesondere das Schwellenland Indien eine zentrale Rolle. Denn Indien fährt auf der Überholspur. Kürzlich hat es China als bevölkerungsreichstes Land der Welt abgelöst. Mit hoher Schlagzahl wächst auch die Konjunktur im Subkontinent. Der Internationale Währungsfonds erwartet, dass die indische Wirtschaft in den kommenden Jahren mindestens sechs BIP-Prozentpunkte pro Jahr zulegt und damit das weltweit kräftigste Wachstum verzeichnen wird. Damit dieser Staat in den nächsten 20 bis 30 Jahren ähnlich schnell unterwegs wie China in den vergangenen zehn Jahren. Investoren bezeichnen Indien deshalb als ‚the next big thing‘.

Diese Wachstumsprognosen haben aber eine Kehrseite: der ansteigende CO2-Ausstoß. Angenommen Indien wird während der nächsten 20 bis 30 Jahre gleich viel CO2 pro Kopf ausstoßen wie China heute, dann steigt Indien zum weltweit größten CO2-Emittenten auf. Die globalen CO2-Emissionen würden sich gegenüber heute um mehr als neun Gigatonnen (GT) oder um über 25 Prozent erhöhen. Unter diesen Prämissen rückt das globale Ziel der Klimaneutralität, auch Netto-Null genannt, in weite Ferne. Netto-Null bedeutet: Dieselbe Menge an emittierten Treibhausgasen über Reduktionsmaßnahmen wieder zu absorbieren.

Folgerichtig verlangt ein seriöser Klimaschutz, dass starkes Wirtschaftswachstum in Schwellenländern wie Indien vom Verbrauch fossiler Energieträger entkoppelt wird. Für etablierte Industrieländer oder für China galt dies nicht. Chinas Wirtschaftswachstum war der wesentliche Treiber, weshalb der gesamte globale CO2-Ausstoß seit 2000 massiv zugenommen hat, während die Treibhausgasemissionen in den Industrieländern seit 2008 rückläufig sind.

Gerade Indien ist im besonderen Maße vom Klimawandel betroffen. Zunehmende Hitzewellen und vermehrter Starkregen machen vor allem der Landbevölkerung zu schaffen. Nicht zuletzt deswegen verpflichtete sich das Land im Pariser Klimaabkommen, bis 2030 die CO2-Emissionen pro Dollar Bruttoinlandprodukt gegenüber 2005 um 45 Prozent zu senken. Die Klimaneutralität soll 2070 erreicht sein.

Die Internationale Energieagentur (IEA) errechnete, wieviel in die Energiewende bis 2030 investiert werden muss, damit global die Klimaneutralität bis 2050 erreichbar ist. Die IEA zeigt auch, in welche Technologien und wieviel in den einzelnen Ländern zu investieren ist. Weltweit müssen demnach die jährlichen Investitionen in grüne Technologien von USD 1,7 auf USD 4,5 Billionen steigen. Für China und Indien gelten gemäß der IEA folgende Punkte:

  • China muss viel mehr in Clean Energy investieren als Indien. Dies deswegen, weil die Volkswirtschaft und die CO2-Emissionen aktuell deutlich größer sind.
  • Indien muss Investitionen in emissionsarmen Strom, in Netze & Speicher und in Energieeffizienz über die nächsten zehn Jahre massiv ausbauen. Jeder dieser drei Bereiche muss zu Beginn der nächsten Dekade mit mindestens USD 100 Milliarden pro Jahr alimentiert werden.
  • Für China betragen die Investitionen in diese Bereiche sogar mehr als USD 250 Milliarden pro Jahr.
  • Deutlich zulegen müssen in China Investitionen in Netze & Speicher. Der Wettbewerb ist in diesem Bereich geringer als etwa im Markt für erneuerbare Energien. Das macht Netze & Speicher attraktiv für Investoren.

Das Fazit lautet: Stark wachsenden Schwellenländern wie Indien darf wegen der Chancengerechtigkeit das Recht auf wirtschaftliche Prosperität nicht verwehrt werden. Das Wachstum muss aber, um im Zielkorridor von Netto-Null zu bleiben, mit sauberen Technologien erfolgen. Das eröffnet Anlagechancen in Schwellenländern und in entsprechende Technologiesektoren. Dabei verlangen Investitionen in Schwellenland-Unternehmen stets eine fundierte firmenspezifische Analyse und erfolgen idealerweise unter Berücksichtigung nachhaltiger Kriterien, um auch beim Investieren die Nachhaltigkeit in den Emerging Markets zu fördern.“

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