Iran-Konflikt: Zeichen für Verhandlungen – bleibt der Ölpreisschock kurz?

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Analyse des Iran-Konflikts: Szenarien für Energiepreise, wirtschaftliche Folgen und Risiken für Märkte.

Der Iran-Konflikt dauert länger als erwartet, doch erste Signale deuten auf Verhandlungen hin. Während sich die militärische Lage zuspitzt, bleiben die Energiemärkte unter Druck. Entscheidend ist nun, ob der Konflikt bald seinen Höhepunkt erreicht.

Im Irankrieg verschiebt sich die Dynamik in Richtung Verhandlungen und Positionskämpfe – High Noon könnte also nahe sein. Allerdings hat sich der militärische Konflikt als langwieriger erwiesen als erwartet, und die regionalen wirtschaftlichen Auswirkungen sind entsprechend deutlicher zu spüren. Das Basisszenario bleibt ein kurzlebiger und sehr starker Energiepreisanstieg, sagt Norbert Rücker, Head Economics and Next Generation Research bei Julius Bär:

Der Iran-Krieg ist in der fünften Woche, und die Nervosität nimmt wieder zu. Verhandlungen und mögliche Abkommen rücken in den Fokus. Gleichwohl wachsen die Sorgen um eine weitere Eskalation, da die US-Regierung ihre militärischen Mittel aufstockt und sich die Huthi-Rebellen in den Konflikt einschalten. 


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Rückblickend gibt es verschiedene Überraschungen: Der militärische Konflikt dauert bereits länger an als ursprünglich erwartet. Einige asiatische Länder haben sich als anfälliger als erwartet erwiesen und hatten schon früh mit Treibstoffengpässen zu kämpfen. Bislang kam es kaum zu nennenswerten Schäden an der Energieinfrastruktur, und nur zu sehr wenigen Angriffen auf Schiffe. Alternative Versorgungswege wurden rasch ausgebaut, insbesondere die saudischen Exporte über das Rote Meer. Der Handel durch die Straße von Hormus nimmt schrittweise zu, da immer mehr asiatische Käufer bereit sind, mit dem Iran zu verhandeln, um ihre Schiffe zu schützen.

Die These bleibt vorerst gültig: Der Iran-Konflikt folgt sehr wahrscheinlich dem üblichen geopolitischen Muster und verursacht einen kurzlebigen, aber sehr intensiven Energiepreisanstieg. Allerdings hat sich der militärische Konflikt als langwieriger erwiesen, und die wirtschaftlichen Folgen sind regional stärker ausgeprägt. 

Dennoch stehen wir möglicherweise kurz vor dem Höhepunkt des Konflikts. Bemühungen, sich eine gute Verhandlungsposition zu sichern, könnten dabei in naher Zukunft zu weiterer Eskalation und Nervosität führen. Die US-Regierung ist sich der Belastung durch die Ölpreise und der politischen Gegenreaktion bewusst, könnte aber bereit sein, die Grenzen dieser Zwänge auszureizen. 

Eine länger anhaltende Eskalation – und ein länger andauernder Energiepreisschock – würde eine Kombination aus schwerwiegenden Schäden an der Energieinfrastruktur, Handelsbeschränkungen außerhalb der Golfregion oder größerem politischem Chaos erfordern, einschließlich eines Regimewechsels im Iran oder von Spaltungen unter den Golfstaaten, was zu länger anhaltenden Störungen des Handels und der Energieversorgung führen würde. 

Wir aktualisieren unsere Szenarien wie folgt:

  • Schnell und intensiv, Wahrscheinlichkeit über 70 %: Energiepreisspitzen im März und April, die die bisher beobachteten Höchststände erreichen oder knapp übersteigen, mit einer Entspannung vor dem Sommer. Versorgungsengpässe beginnen sich im April zu entspannen. Geringe, aber anhaltende wirtschaftliche Schäden, regional ausgeprägt in Asien, sowie eine restriktive Haltung der Zentralbanken.
  • Anhaltend und chaotisch, Wahrscheinlichkeit bis zu 25 %: Die Energiepreise steigen über die bisher beobachteten Höchststände hinaus und geben im weiteren Verlauf des Jahres langsam nach. Weltweit anhaltende wirtschaftliche Auswirkungen, eine restriktive Geldpolitik der Zentralbanken und eine ausgeprägtere Risikoaversion an den Finanzmärkten.
  • Ölkrise, Wahrscheinlichkeit unter 5 %: Um eine Rezession und einen Neustart an den Finanzmärkten auszulösen, müssten die Ölpreise mehrere Monate lang über 175 US-Dollar steigen.

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