Präsident Donald Trumps Entscheidung, Kevin Warsh als nächsten Vorsitzenden der US-Notenbank Federal Reserve zu nominieren, ist mehr als nur ein routinemäßiger Führungswechsel. Es ist ein entscheidender Moment für die US-Geldpolitik und ein direkter Test dafür, wie widerstandsfähig die Unabhängigkeit der Fed in einer zunehmend politisierten Wirtschaftswelt bleibt.
Warsh, 55, ist kein Außenseiter. Als ehemaliger Fed-Gouverneur (2006 bis 2011) und jüngstes Mitglied in der Geschichte der Institution kehrt er mit tiefem institutionellem Wissen und der Expertise aus der globalen Finanzkrise von 2008 zurück. Seine Nominierung krönt eine ungewöhnlich öffentliche und langwierige Suche unter der Leitung von US-Finanzminister Scott Bessent – ein Zeichen dafür, wie folgenschwer diese Ernennung für das Weiße Haus und die Märkte ist.
Doch obwohl Warsh weithin als überaus qualifiziert gilt, ist seine Rückkehr von Kontroversen umgeben. Trump hat Monate damit verbracht, den scheidenden Vorsitzenden Jerome Powell öffentlich dafür zu kritisieren, die Zinsen nicht aggressiv genug gesenkt zu haben. Diese verbalen Angriffe gipfelten in einer strafrechtlichen Untersuchung gegen Powell und die Fed.
Vor diesem Hintergrund wirft Warshs Nominierung eine zentrale Frage auf: Wird die fiskalische Strategie der Fed von wirtschaftlichen Fundamentaldaten oder von politischem Druck geleitet?
Vom Falken zum scheinbaren Konvertiten
Historisch gesehen war Warsh einer der profiliertesten „Inflationsfalken“ – ein Verfechter einer restriktiven Geldpolitik – der Fed. Während und nach der globalen Finanzkrise sprach er sich gegen extrem niedrige Zinsen aus und warnte wiederholt vor Inflationsrisiken, die jedoch nie voll eintraten. Diese Erfolgsbilanz machte ihn einst zu einer unwahrscheinlichen Wahl für einen Präsidenten, der offen Zinssätze von nur einem Prozent fordert.
Doch Warshs jüngste Rhetorik erzählt eine andere Geschichte. Im vergangenen Jahr unterstützte er öffentlich niedrigere Zinsen und kritisierte die Bilanzpolitik der Fed. Er argumentierte, dass ein Abbau von Vermögenswerten dazu beitragen könnte, die Finanzierungsbedingungen zu lockern – eine Ansicht, die sich nahtlos mit Trumps Präferenzen deckt, auch wenn ihre wirtschaftliche Logik umstritten ist.
Dieser Wandel hat einige Ökonomen verunsichert, da Warsh seine gesamte Karriere lang ein geldpolitischer Falke war. Dies lässt vermuten, dass seine neu entdeckte Taubenhaftigkeit („Dovishness“) eher politischer Natur sein könnte. Obwohl Warsh ein fähiger und glaubwürdiger Anwärter ist, wird sein Erfolg davon abhängen, wie energisch er die Unabhängigkeit der Fed verteidigt.
Unabhängigkeit unter Druck
Die politische Optik ist schwer zu ignorieren. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren warnte bereits, dass Warsh möglicherweise den „Loyalitätstest bestanden“ habe, um Trumps Unterstützung zu sichern. Sie forderte den Senat auf, die Bestätigung zu verschieben, bis die rechtlichen Schritte gegen Powell und Fed-Gouverneurin Lisa Cook eingestellt werden. Sogar der republikanische Senator Thom Tillis hat Widerstand signalisiert, solange diese Fragen nicht geklärt sind, was darauf hindeutet, dass der Bestätigungsprozess kontrovers und schleppend verlaufen könnte.
Warshs enge persönliche Verbindungen zu Trumps innerem Kreis – einschließlich seines Schwiegervaters Ronald Lauder, einem langjährigen Trump-Verbündeten – erschweren die Wahrnehmung zusätzlich, auch wenn sie die politischen Ergebnisse nicht zwangsläufig bestimmen.
Dennoch könnten seine langjährigen Falken-Instinkte letztlich als Schutzplanke gegen offene politische Einflussnahme dienen. Diese hawkische Grundhaltung weckt die Hoffnung, dass er nicht einfach zu einem Sprachrohr für die Forderungen des Weißen Hauses wird.
Selbst wenn Warsh geneigt wäre, die Zinsen drastisch zu senken, wäre seine Macht begrenzt. Der Fed-Vorsitzende hat nur eine Stimme in einem 19-köpfigen Gremium, das bereits zwischen Inflationsfalken und wachstumsorientierten Tauben gespalten ist. Auch die Märkte erzwingen Disziplin: Aggressive, politisch motivierte Zinssenkungen könnten Ausverkäufe bei Anleihen auslösen, die langfristigen Renditen in die Höhe treiben und genau den Stimulus untergraben, den Trump anstrebt. In diesem Sinne könnte Warsh eine Institution erben, die ihn ebenso sehr einschränkt, wie sie ihn ermächtigt.
Eine Amtszeit unter weltweiter Beobachtung
Bei Warshs Nominierung geht es weniger um seinen Lebenslauf, den kaum jemand bestreitet. Sie spiegelt ein Weißes Haus wider, das entschlossen ist, mehr Einfluss auf eine der letzten unabhängigen Säulen der US-Wirtschaftsführung auszuüben und eine Zentralbank, die einer beispiellosen politischen Prüfung unterzogen wird. Falls er bestätigt wird, muss Warsh das Vertrauen wiederherstellen, dass die Geldpolitik von Daten und Disziplin getrieben wird – und nicht vom Druck aus dem Weißen Haus. Wie er diese Herausforderung meistert, könnte nicht nur die Glaubwürdigkeit der Fed, sondern auch die Richtung der US-Märkte in den kommenden Jahren bestimmen.














