Immer mehr Verbraucher nutzen KI-Suchmaschinen, wenn sie sich über Versicherungen informieren. Besonders bei der Suche nach einer neuen Kfz-Versicherung greifen viele zunächst auf digitale Helfer zurück. Laut einer Untersuchung von Sirius Campus nutzt bereits jeder vierte Kunde aus der Generation Z entsprechende Anwendungen.
Unter den unter 30-Jährigen haben 26 Prozent eine KI-Suchmaschine bei der Suche nach einer neuen Kfz-Versicherung eingesetzt. Das entspricht einer Verdoppelung innerhalb eines Jahres. 2024 lag der Anteil noch bei 13 Prozent. In der älteren Bevölkerung nutzt bislang rund jeder Zwanzigste solche Anwendungen.
Die Nutzer fragen die Systeme nicht nur nach günstigen Tarifen. Häufig geht es auch um Qualitätsunterschiede zwischen Versicherern oder um die Bedeutung einzelner Leistungsbausteine. Einige lassen sich sogar Vergleichstabellen für ihr Fahrzeug erstellen und verzichten dabei auf klassische Vergleichsportale.
Die Nutzung von KI führt teilweise direkt zum Vertragsabschluss. 16 Prozent der Anwender finden über die Suche unmittelbar eine passende Kfz-Versicherung. Weitere 23 Prozent fühlen sich nach der Recherche ausreichend informiert, um einen Direktabschluss vorzunehmen.
Ein Fünftel der Nutzer nutzt KI jedoch vor allem zur Vorbereitung auf ein Beratungsgespräch mit einem Vermittler. „Nutzer von KI-Suchmaschinen bringen ihrem ‚digitalen Buddy‘ ein erschreckend hohes Vertrauen entgegen. Aber sie nehmen auch Grenzen bei der KI-Nutzung wahr und suchen dann den Kontakt zu ihrem bestehenden oder zu einem neuen Vermittler“, sagt Dr. Oliver Gaedeke, Gründer und Geschäftsführer der Sirius Campus.
KI-affine Kunden geben in den Dialogen mit den Systemen häufig sehr detaillierte Informationen an, etwa zu Wohnort, Fahrzeug oder persönlichen Anforderungen. Besonders geschätzt werden die übersichtliche Aufbereitung der Ergebnisse, die klare Rangfolge der Vorschläge und die Möglichkeit, im Dialog weitere Details zu klären.
KI nennt große Marken – aber auch spezialisierte Anbieter
In den untersuchten Suchvorgängen empfehlen KI-Systeme häufig bekannte Versicherungsmarken. In 18 Suchen wurde zehnmal ein Produkt der Allianz genannt, sechsmal Hanse-Merkur und fünfmal Barmenia. Viermal erschien ein Angebot der DEVK sowie dreimal von HUK-COBURG und Signal Iduna.
Daneben tauchen auch kleinere oder spezialisierte Anbieter in den Vorschlägen auf, darunter Adam Riese, Agila, Ammerländer, Hannoversche, LKH, Verti oder Waldenburger. Das Ranking innerhalb der Ergebnisliste spielt für Nutzer eine Rolle, ist aber nicht allein entscheidend. In vertiefenden Dialogen erscheinen teilweise weitere Tarife, die anschließend stärker beachtet werden.
Die vertiefte Recherche führt laut Untersuchung häufig dazu, dass Kunden direkt Kontakt zu Versicherern aufnehmen. „Versicherern und auch Vermittlern sollten ihre Kontaktformulare und Landingpages für eine Terminvereinbarung optimieren, um von der zunehmenden KI-Nutzung zu profitieren“, sagt Gaedeke.
Vermittler wollen KI selbst stärker einsetzen
Auch im Vertrieb wächst das Interesse an KI-Anwendungen. Vertreter aus den 22 größten Ausschließlichkeitsorganisationen zeigen sich laut Untersuchung grundsätzlich offen für entsprechende Werkzeuge. Besonders jüngere Vermittler möchten KI vor allem in der Kundenkommunikation einsetzen, etwa für Briefe, Mailings oder Serviceprozesse.
Einige Versicherer stellen bereits Wissensdatenbanken zu Tarifdetails oder Schulungsangebote bereit. Dennoch zeigen sich viele Vertreter mit der bisherigen Unterstützung durch ihre Gesellschaften unzufrieden. „Versicherer sollten mit einem ganzheitlichen Blick vom Kunden bei der ersten KI-Nutzung bis hin zum Vermittler- oder Direktabschluss ihre KI-Strategien entwickeln. Punktuelle Aktivitäten werden eindeutig zu kurz greifen“, sagt Gaedeke.
Die Ergebnisse basieren unter anderem auf 2.000 Interviews mit Kfz-Versicherungsnehmern, 1.369 telefonischen Vertreterinterviews sowie 15 Beobachtungen von KI-affinen Kunden bei der Nutzung von KI-Suchmaschinen.













