Langfristige Trends statt Schlagzeilen: Wo Investoren Chancen sehen

Der aktuelle Bullenmarkt in den USA ist der zweitlängste seit mehr als einem Jahrhundert. Verlagert sich der Fokus der Anleger nun jedoch auf die Schwellenländer? Hierzu wurden Sir Sebastian Wood, Chairman von Schroders China, Tom Wilson, Head of Emerging Market Equities, und Abbas Barkhordar, Fondsmanager, um ihre Meinung gebeten. Sie lieferten unterschiedliche Perspektiven.

Zu den Aussichten Chinas und den Beziehungen des Landes zu den USA sagte Sir Sebastian Wood: „In einer turbulenten geopolitischen Phase ist es ein gewisser Trost, dass die Spannungen zwischen den USA und China relativ gering sind. Sowohl China als auch die USA streben ein umfassendes Wirtschaftsabkommen an, um das Wachstum zu fördern. Es gibt Anzeichen dafür, dass wir einen optisch erfolgreichen Gipfel erleben werden.“

Zur Performance der Schwellenländer im Jahr 2025 und mit Blick auf 2026 meinte Abbas: „Im vergangenen Jahr haben die Schwellenländer eine deutlich überdurchschnittliche Performance erzielt, was vor allem auf die Gesamtausgaben für KI zurückzuführen ist.“

Er fügte hinzu: „Bei KI werden viele Ausgaben in den USA getätigt, doch ein Großteil der Produktion findet dann in Schwellenländern statt – insbesondere in Taiwan und Südkorea. Mit Blick auf das Jahr 2026 erwarten wir, dass sich diese Outperformance auf andere Sektoren ausweiten wird.“

Tom Wilson stimmte zu, dass sich bis 2026 in einer Reihe von Sektoren und Ländern Chancen ergeben würden. „Wir sehen eine Vielzahl von Chancen außerhalb der Technologie- und KI-Branche“, sagte er. „Chinesische Industrieunternehmen sind sehr wettbewerbsfähig, und wir finden Unternehmen, die über viel Spielraum für Wachstum ihres Exportmarktanteils verfügen.“ Er verwies auch auf Chancen in Lateinamerika, darunter Brasilien und Peru. In Indien zieht das Wachstum zwar an, „die Bewertungen bleiben jedoch relativ hoch“.

Diversifizierungsmöglichkeiten innerhalb von Aktien 

Neben geopolitischen Risiken sind konzentrierte Märkte ein weiteres Risiko für Anleger. Daher ist die Frage, wie das Aktienengagement diversifiziert werden kann, für viele Anleger ein wichtiger Aspekt. 

„Value-Aktien bieten Ihnen Diversifizierung in zweierlei Hinsicht“, so Simon Adler, Head of Value Equities. Er erklärte: „Erstens bieten sie eine Möglichkeit, weiterhin in Aktien investiert zu bleiben, wenn die Aktienmärkte insgesamt teurer erscheinen. Zweitens gibt es die Diversifizierung innerhalb des Value-Segments. Früher wurden unter Value-Aktien vor allem Banken, Ölgesellschaften und Bergbauunternehmen verstanden, aber das ist heute nicht mehr der Fall. Es handelt sich um ein sehr vielfältiges Spektrum an Anlagemöglichkeiten, das sogar Technologieunternehmen umfasst, wenn auch solche aus der ‚Old Economy‘ wie beispielsweise Druckerhersteller.“

Eine passive Wertanlage bringt möglicherweise nicht die Diversifizierung, die Anleger anstreben. „Das Risiko einer passiven Anlage besteht darin, dass man am Ende dennoch eine unbeabsichtigte Konzentration auf einen bestimmten Sektor hat“, so Adler. „Außerdem handelt es sich bei einigen Aktien um sogenannte ‚Value Traps‘, die aus gutem Grund günstig sind.“

Für Growth-Investoren, die bereit sind, sich mit möglichen Fehleinschätzungen des Marktkonsenses auseinanderzusetzen, gibt es nach wie vor Chancen. Charles Somers, Portfoliomanager Global Equities, erläuterte: „Unser Prozess im Global Equities Team konzentriert sich darauf, unerwartetes Wachstum oder sogenannte ‚Wachstumslücken‘ zu identifizieren. Das bedeutet, dass wir nach Bereichen suchen, in denen die Konsensprognosen für die Gewinne unter unserer Einschätzung des langfristigen Potenzials eines Unternehmens liegen. 

Er führte weiter aus: „Wir finden solche Beispiele in vielen Branchen. Die europäischen Banken sind ein gutes Beispiel aus den letzten Jahren. Wir haben festgestellt, dass der Markt nicht richtig antizipiert hat, wie sich steigende Zinsen positiv auf die Gewinnaussichten der Banken auswirken würden. Das Gesamtportfolio eines Anlegers kann sowohl Value-Aktien als auch Growth-Aktien enthalten. Sie ergänzen sich sehr gut und funktionieren in verschiedenen Phasen des Konjunkturzyklus.“

Private Equity: Verbesserter Zugang für Investoren 

Eine weitere Option für Investoren ist Private Equity. „Es gibt drei Faktoren, die das Interesse an Private Equity steigern“, so James Lowe, Business Development Director UK, Private Markets. „Dies sind die Investitionsargumente für Private Equity, politische Maßnahmen, die neue Produkte und einen verbesserten Zugang fördern, sowie das wachsende Bewusstsein der Kunden für das Potenzial der Anlageklasse.“

In Bezug auf die Investitionsargumente für Private Equity hob Paul Lamacraft, Senior Investment Director, Private Equity, die positive Dynamik seit Ende 2025 hervor. „Zu Beginn des Jahres 2025 war zwar eine Abschwächung der Aktivitäten in Bezug auf Transaktionen, Exits und Ausschüttungen zu beobachten. Im dritten Quartal nahmen die Aktivitäten jedoch wieder zu und gewinnen auch zu Beginn des Jahres 2026 weiter an Fahrt. 

„Niedrigere Zinsen könnten sich positiv auf den Large-Cap-Teil des Marktes auswirken, wir hingegen bevorzugen weiterhin das Small- und Mid-Cap-Segment. Dabei geht es weniger um eine hohe Verschuldung als vielmehr um Investitionen in das Unternehmen und dessen Wachstum. Bei Small- und Mid-Cap-Unternehmen gibt es mehr Hebel, die man betätigen kann, um das Geschäft zu verbessern, die Rentabilität zu steigern und damit attraktive und konstante Renditen zu erzielen.“

Fixed Income: Wachsam bleiben angesichts der sich wandelnden Lage 

Lesen Sie hier, wie es weitergeht.

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