Deutsche glauben wieder etwas mehr an die Rente – trotz düsterer Prognosen

Michael Heuser
Foto: Diva
Michael Heuser, wissenschaftlicher Leiter des Diva

Das Vertrauen der Deutschen in die gesetzliche Rente steigt leicht. Doch die Diskrepanz zwischen Optimismus und Sorge um Altersarmut bleibt groß.

Nach mehreren Jahren negativer Werte zeigt der Altersvorsorge-Index (DIVAX-AV) des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (Diva) erstmals wieder ein positives Signal. Der Indexwert kletterte von minus 2,3 auf plus 1,2 Punkte. Grundlage sind die Antworten von rund 2.000 Befragten, die im Oktober vom Meinungsforschungsinstitut Insa-Consulere im Auftrag des Diva erhoben wurden.

Wissenschaftlicher Direktor Professor Michael Heuser zeigt sich über das Ergebnis erstaunt: „Es ist eigentlich fast schon egal, ob der Beitragssatz oder der Bundeszuschuss steigt. Denn beides muss gleichermaßen von den Erwerbstätigen und von den Unternehmen bezahlt werden. Die Rechnung wird also hoch.“ Angesichts der demografischen Entwicklung und der bevorstehenden Belastungen für das Rentensystem hätte Heuser eher mit einem Rückgang des Index gerechnet.

Der leichte Vertrauenszuwachs könnte laut Heuser mit den jüngsten Regierungsmaßnahmen zusammenhängen. Das Festhalten am aktuellen Rentenniveau, der Erhalt der abschlagsfreien Rente und der Ausbau der Mütterrente seien für viele Bürger positive Signale. „Das wird goutiert“, so Heuser.


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Gleichzeitig warnt er davor, diese Stimmung als Zeichen langfristiger Stabilität zu deuten. Ab 2031 werde ein deutlicher Anstieg des Beitragssatzes oder des Steuerzuschusses unvermeidbar sein. Die Bevölkerung, so Heuser, neige dazu, kurzfristige Entlastungen höher zu gewichten als langfristige Risiken.

Trotz der leicht gestiegenen Zuversicht bleibt die Angst vor Altersarmut auf hohem Niveau. Laut Diva-Umfrage befürchten 66 Prozent der Männer und 79 Prozent der Frauen, im Alter finanziell nicht ausreichend abgesichert zu sein. „Es scheint so, als würde die Bevölkerung beim Thema Rente den Kopf in den Sand stecken“, sagt Heuser. Einerseits werde die Gefahr klar erkannt, andererseits die Politik des „Weiter so“ befürwortet.

Auch bei konkreten Reformvorschlägen zeigt sich ein Widerspruch: Nur 15,9 Prozent der Befragten sprechen sich für eine Absenkung des Rentenniveaus aus, 11,4 Prozent für ein höheres Renteneintrittsalter und 18,1 Prozent für die Abschaffung der abschlagsfreien Rente. Rund 80 Prozent befürworten hingegen eine Erhöhung des Bundeszuschusses – also eine stärkere Finanzierung der Rente über Steuermittel.

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