„Sofern die geopolitische Großwetterlage sich nicht verschlechtert, sollten wir 2026 einen deutlichen Anstieg an M&A Transaktionen sehen. Dies ist durch mehrere Faktoren bedingt: Die Banken haben ihre Schatullen wieder geöffnet, so dass Fremdkapital verfügbar ist. Das liegt auch daran, dass immer mehr Debt Fonds im DACH-Markt aktiv sind, um ihre Gelder zu investieren. Das belebt deutlich den Wettbewerb auf der Fremdkapitalseite.
Zum anderen sitzen viele Private Equity Funds auf Beteiligungen, die schon längst hätten verkauft werden müssen, aber aufgrund der vergleichsweise ‚sauren Zeit‘ der vergangenen Jahre nicht verkauft worden sind. Der Verkaufsdruck steigt damit immer weiter.
Gleichzeitig haben wir nach wie vor viele Private Equity Funds, die jede Menge ‚dry powder‘ haben, das ebenfalls investiert werden muss, um Rendite zu erwirtschaften. Der Druck, einen Deal zu machen, steigt damit im Markt auf Verkäufer und Käuferseite gleichermaßen. Das sollte dazu führen, dass sich die Kaufpreisvorstellungen von Verkäufer- und Käuferseite angleichen – ein Punkt, an dem in der Vergangenheit zu viele Deals gescheitert sind.
Weiteren Druck dürfte der Markt dadurch bekommen, dass sich Strategen einem schwierigen Geschäftsumfeld ausgesetzt sehen. Dies führt dazu, dass diese sich immer mehr von nicht relevanten Geschäftsfeldern trennen und diese über M&A-Aktivitäten verkaufen. Damit dürften weitere interessante Assets in den Markt kommen.
Der gesamte Tech-Bereich ist weiterhin bei Investoren von großem Interesse, und zwar einfach deshalb, weil hier die größten Wachstumsraten zu erwarten sind. Es würde mich auch nicht überraschen, wenn wir 2026 verstärkt Investments in infrastrukturnahe Investments sehen werden. Das Thema Datencenter steht hier sicherlich ganz weit vorne – getrieben durch den exponentiell steigenden Datenverbrauch von KI-Anwendungen.
Eine der großen Herausforderungen für Investoren wird sicherlich sein, bereits bei Erwerb eines Unternehmens abschätzen zu können, inwieweit das Geschäftsmodell dieses Unternehmens in der Zukunft durch KI-Anwendungen positiv oder negativ beeinträchtigt wird. Angesichts des rasanten Fortschreitens von KI-Anwendungen, lässt sich das leider nicht wirklich voraussagen. Wer hätte zum Beispiel vor zehn Jahren gedacht, dass Übersetzungen heute zu 90 Prozent mit KI gemacht werden?“
Dr. Markus Käpplinger ist Partner der international aktiven Kanzlei Goodwin. In Deutschland ist die Kanzlei mit einem Büro in München vertreten, wo sich die Anwälte auf Private Equity und Finanzierungen spezialisiert haben.










