Nachhaltige Kapitalanlagen werden längst nicht mehr primär als moralische oder reputationsgetriebene Entscheidung verstanden. Investoren nutzen diese vielmehr als strategischem Ansatz zur Schaffung langfristiger Werte und zum Management wesentlicher, systemischer Risiken. Dieser Perspektivwechsel markiert einen entscheidenden Trend in der institutionellen Kapitalanlage und verdeutlicht, warum nachhaltige Kapitalanlagen trotz Gegenwinds unverzichtbar bleiben.
Die Risikolandschaft verändert sich spürbar
Trotz politischem und regulatorischen Gegenwind halten viele institutionelle Anleger an den Grundsätzen nachhaltiger Anlagestrategien fest. Der Grund dafür ist weniger ideologischer Natur, sondern vielmehr ökonomisch motiviert. Investoren sehen sich mit steigenden regulatorischen Anforderungen, wachsendem CO₂-Bepreisungsdruck und hohen Erwartungen seitens ihrer Anleger konfrontiert. Gleichzeitig nehmen Häufigkeit und Intensität extremer Wetterereignisse zu – ebenso wie deren finanzielle Auswirkungen. In einigen Regionen gelten bestimmte Risiken inzwischen als kaum noch versicherbar. Physische Klimarisiken rücken damit zunehmend in den Mittelpunkt der Investitionsagenda.
Hinzu kommen naturbezogene Abhängigkeiten, die lange unterschätzt wurden: Mehr als 55 Prozent aller Unternehmen sind in ihrem Geschäftsmodell unmittelbar oder mittelbar von funktionierenden Ökosystemen abhängig. Der Verlust biologischer Vielfalt ist daher nicht nur ein ökologisches Problem, sondern ein handfestes wirtschaftliches Risiko. Ein einfaches Gedankenexperiment verdeutlicht dies: Was würde geschehen, wenn sauberes Trinkwasser plötzlich nicht mehr verlässlich zur Verfügung stünde?
Auch geopolitische Spannungen verschärfen sich durch Ressourcenknappheit und wachsende Ungleichheit. Die daraus entstehenden Risiken – von Lieferkettenunterbrechungen bis zu sozialen Instabilitäten – wirken sich direkt auf Märkte und Portfolios aus. All diese Entwicklungen zeigen: Nachhaltiges Investieren ist kein kurzfristiger Trend, sondern eine Antwort auf strukturelle Veränderungen im globalen Risikoumfeld. Gerade in Zeiten politischer Gegenbewegungen und regulatorischer Debatten sollte es daher weiterhin ganz oben auf der Agenda stehen – nicht aus Idealismus, sondern aus klarem wirtschaftlichem Eigeninteresse.
Autorin Hadewych Kuiper ist Managing Director bei Triodos Investment Management.












