Nachhaltige Geldanlagen haben es in der Beratungspraxis weiter schwer. Das zeigt eine gemeinsame Umfrage von AfW Bundesverband Finanzdienstleistung, Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) und Universität Kassel unter 257 Beraterinnen und Beratern. Die Ergebnisse wurden im Rahmen eines Online-Pressegesprächs vorgestellt, an dem FNG-Geschäftsführerin Verena Menne, AfW-Vorstand Norman Wirth, Prof. Dr. Klein (Universität Kassel) und Katharina Beck, finanzpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, teilnahmen.
Nach Einschätzung der Befragten ist das Interesse der Kundinnen und Kunden gering oder sehr gering. Jeweils 32 Prozent ordnen die Nachfrage in diese beiden Kategorien ein. Als zentrales Hindernis nennen 81 Prozent der Beraterinnen und Berater die regulatorischen Anforderungen, die sie für nicht angemessen halten. „Ein ernüchterndes Ergebnis“, ordnete Menne die Zahlen ein. „Aus der Perspektive eines Nachhaltigkeitsverbandes mussten wir hier einmal schlucken.“
Hinzu kommt ein aus Sicht der Vermittler schwaches Wissensniveau auf Kundenseite. Knapp 70 Prozent gehen davon aus, dass ihre Kundinnen und Kunden kein, sehr geringes oder eher geringes Wissen über nachhaltige Produkte haben.
Wenn Kundinnen und Kunden sich für nachhaltige Geldanlagen interessieren, stehen nach Angaben der Befragten vor allem persönliche Werte und der gewünschte Einfluss der Anlage im Vordergrund. Besonders gefragt sind nachhaltige Investmentfonds und ETFs.
Bei den Ausschlusskriterien dominieren klassische Negativmerkmale. Am häufigsten nennen die Beraterinnen und Berater Waffen, Kinderarbeit und Korruption. In der Produktauswahl spielen Siegel und Ratings eine wichtige Rolle. Ergänzt werden sie durch qualitative Einschätzungen der Beraterinnen und Berater im Gespräch.
Mit Blick auf die künftige Entwicklung sehen viele Befragte in der Regulierung nicht nur ein Hemmnis, sondern auch einen möglichen Hebel. Viele haben sich bereits mit dem Entwurf der EU-Kommission zur Überarbeitung der Offenlegungsverordnung SFDR befasst. Vor allem die vorgeschlagenen Produktkategorien „Nachhaltigkeit“ und „ESG Grundlagen“ bewerten sie als klar und nachvollziehbar. Aus Sicht der Befragten könnte das das Verständnis der Kundinnen und Kunden verbessern und damit auch die Nachfrage nach nachhaltigen Geldanlagen erhöhen.
Grünen-Politikerin Beck plädierte dafür, die Ergebnisse der Umfrage „relativ entspannt“ zu sehen und nicht zu dramatisieren. „Ein großes Hemmnis war bisher offenbar die vielfältige und inkonsistente Regulatorik. Wenn die Erwartung ist, dass diese nun klarer wird und zu mehr Verständnis im Markt führt, ist das eine gute Situation.“
Doch zeitgleich mit dem nachlassenden Interesse an ESG-Themen feiert eine klimakritische Partei wie die rechtsextreme AfD einen Wahlerfolg nach dem nächsten. Wie ordnet Beck diese Entwicklung ein? „Es ist die Aufgabe von uns allen, aus diesem Kulturkampf wieder etwas vernünftiges und zukunftsgerichtetes zu machen und so den Zuspruch für die AfD zu reduzieren“, sagte sie. Deren Positionen seien extrem wirtschaftsfremd, denn die größten Risiken für die Weltwirtschaft seien nun einmal der Klimawandel und der Verlust von Biodiversität. Es sei wirtschaftlich unvernünftig, das Thema Nachhaltigkeit zu ignorieren – auch weil die Finanzstabilität davon abhänge. „Nicht zu handeln ist unfassbar teuer“, so Beck.














