Neue Funktionen: ImmoScout24 will Wohnungs-„Graumarkt“ sichtbar machen

Foto: KI-generiert (ChatGPT)
KI-generiertes Symbolbild

Der Wohnungsmarkt in deutschen Städten bleibt angespannt, während viele Wohnungen außerhalb offizieller Angebote vergeben werden. ImmoScout24 will das ändern und unsichtbare Angebote sichtbar machen. Drei neue Funktionen bilden den Auftakt. Allerdings: Für Außenstehende gibt es unter Umständen einen Haken.

Der Wohnungsmarkt in vielen deutschen Metropolen bleibt stark angespannt. Während die Nachfrage hoch ist und bezahlbarer Wohnraum fehlt, werden zahlreiche Wohnungen ohne öffentliche Ausschreibung weitergegeben. Solche informellen Vergaben erschweren für viele Wohnungssuchende den Zugang zum Markt.


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Mit der Initiative „fair:dient“ will die Plattform ImmoScout24 mehr Transparenz schaffen und bislang unsichtbare Angebote sichtbar machen. Zum Start führt die Plattform drei neue Funktionen ein: ein Mieter-Netzwerk, Wartelisten für Miet- und Kaufinteressierte sowie die Kennzeichnung „Bald verfügbar“ für noch nicht veröffentlichte Angebote.

„Seit über 25 Jahren begleiten wir Millionen Menschen auf dem Weg in ihr neues Zuhause“, sagt Daniel Hendel, Geschäftsführer von ImmoScout24. „Doch gerade jetzt entscheidet nicht selten Vitamin B statt eines fairen Zugangs. Damit muss Schluss sein: Wohnungen dürfen nicht im Graumarkt verschwinden – sie müssen für alle sichtbar sein. Dafür kämpfen wir schon heute – mit über 4,9 Millionen Chancen auf ein neues Zuhause.“ Vitamin B steht für persönliche Beziehungen.

Mieter-Netzwerk soll Wohnungswechsel sichtbar machen

Ein zentrales Element der Initiative ist das neue Mieter-Netzwerk. Die Idee dahinter: Wer eine neue Wohnung sucht, hinterlässt häufig eine frei werdende Wohnung. Dieses entstehende Angebot soll künftig früher sichtbar werden.

Mieterinnen und Mieter können ihre aktuelle Wohnung kostenlos im Netzwerk einstellen, wenn sie einen Umzug planen. Im Gegenzug erhalten sie Zugang zu anderen Wohnungen im Netzwerk. Ziel ist es, Wohnraum sichtbar zu machen, der bislang häufig informell weitergegeben wird.

Auch Eigentümerinnen und Eigentümer erhalten dadurch früher Einblick in mögliche Interessenten. Die Entscheidung über die Neuvermietung bleibt jedoch weiterhin vollständig bei ihnen.

Wartelisten machen Nachfrage frühzeitig sichtbar

Eine weitere Funktion sind Wartelisten für Mietinteressierte. Nutzerinnen und Nutzer können Suchkriterien wie Stadtteil, Budget oder Wohnungsgröße hinterlegen oder sich gezielt für einzelne Immobilien vormerken lassen.

Damit wird Nachfrage bereits sichtbar, bevor ein Objekt offiziell inseriert wird. Vermieterinnen und Vermieter erhalten bei einer anstehenden Neuvermietung einen Überblick über vorhandenes Interesse und können potenzielle Kontakte frühzeitig erkennen.

Auch für Kaufinteressierte soll es eine Wartelistenfunktion geben. Über die Kartenansicht können Nutzerinnen und Nutzer ihr Interesse an bestimmten Immobilien hinterlegen. Eigentümer erhalten dadurch zusätzliche Orientierung, wenn sie einen Verkauf prüfen. Wie sie mit diesem Interesse umgehen, bleibt ihre Entscheidung.

Kennzeichnung „Bald verfügbar“ zeigt kommende Angebote

Mit der Kennzeichnung „Bald verfügbar“ macht ImmoScout24 künftig auch Angebote sichtbar, die sich noch im Veröffentlichungsprozess befinden. Objekte erscheinen damit bereits in einer frühen Phase der Vorbereitung. Suchende erhalten dadurch einen Hinweis darauf, dass ein Angebot bald auf den Markt kommen könnte. Anbieter wiederum können frühzeitig erkennen, wie groß das Interesse potenzieller Mieterinnen, Mieter oder Käufer sein könnte.

Die Initiative zielt dabei nicht auf die grundlegende Wohnraumknappheit ab, die vor allem durch Neubau und politische Rahmenbedingungen beeinflusst wird. Sie setzt an dem Punkt an, an dem digitale Plattformen Einfluss nehmen können: bei der Sichtbarkeit von Angebot, der Transparenz von Nachfrage und beim Zugang zu Wohnungen. Weitere Maßnahmen sollen folgen.

„Der Graumarkt ist der blinde Fleck im Wohnungsmarkt. Genau den wollen wir ausleuchten. Als Marktführer nehmen wir diese Verantwortung an – mit Lösungen, die den offenen Wohnungsmarkt stärken”, so Hendel.

Allerdings: Für Wohnungssuchende, die sich nicht mit ihren Daten und Wünschen für die neuen Funktionen bei ImmoScout24 anmelden, könnte die Suche noch schwieriger werden als bisher, wenn auch Wohnungen schon auf diesem Weg vergeben werden, die bislang öffentlich – auch über andere Plattformen – angeboten werden.

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