EXKLUSIV

Private Debt für Privatanleger: So sieht das neue Fondssegment aus

Foto: magele-picture - stock.adobe.com / Gerhard Ledwinka
Symbolbild

Private Debt war lange institutionellen Investoren vorbehalten. Mit der ELTIF-Reform öffnet sich die Anlageklasse nun auch für Privatanleger. Inzwischen sind eine Reihe von Fonds für den Publikumsvertrieb auf dem Markt. Doch in der Zielbranche knirscht es teilweise.

Nicht wenige der vielen neuen ELTIF-Anbieter betonen, dass mit dem Vehikel die betreffende Asset-Klasse nun erstmals auch für Privatanleger zugänglich sei. Doch in den meisten Fällen stimmt das nicht: Der größte Teil der bislang zugelassenen ELTIFs investiert in Segmenten, die Privatanlegern auch zuvor durchaus schon zur Verfügung standen – über alternative Investmentfonds (AIFs). Dazu zählen neben Immobilien zum Beispiel Private Equity, erneuerbare Energien und grundsätzlich auch Infrastruktur. 


Das könnte Sie auch interessieren:

Nur eine Asset-Klasse war bis zur ELTIF-Reform Anfang 2024 für Privatanleger tatsächlich tabu: Private Debt, also Investitionen in Fonds, die (ohne eine Banklizenz zu besitzen) Kredite an Unternehmen vergeben. Diese Art der Kapitalanlage war als einziges der heutigen ELTIF-Segmente für Publikums-AIFs nicht erlaubt und professionellen Investoren vorbehalten. Anders als Private Equity, also Eigenkapitalbeteiligungen an Unternehmen, erhalten Private-Debt-Fonds grundsätzlich feste Zins- und Tilgungszahlungen von den Unternehmen. Im Gegenzug ist eine Beteiligung am Unternehmenserfolg regelmäßig nicht vorgesehen, auch nicht an der Wertentwicklung. Private-Debt-Fonds sind Gläubiger, keine Eigentümer.

Weiterer Unterschied zu Private Equity: Durch die Zinszahlungen haben Private-Debt-Fonds – so jedenfalls der übliche Plan – laufende Einnahmen und können regelmäßige Ausschüttungen leisten. So stellt etwa der Publikumsfonds Ares European Strategic Income ELTIF Fund von Ares Management nach Angaben auf der Website des Vertriebs Liqid nach Kosten und Gebühren eine Zielrendite von sieben bis neun Prozent pro Jahr in Aussicht, davon jährlich fünf bis sieben Prozent als Ausschüttung. 

Über Funktionsweise der Zielfonds wenig öffentlich

Seit 2010 hat demnach die durchschnittliche Rendite von Private Debt 9,3 Prozent pro Jahr betragen – wohl bezogen auf den institutionellen Sektor. Dabei war der maximale Wertrückgang 80 Prozent geringer als bei Aktien. „In schwächeren Marktphasen ist Private Debt deutlich weniger stark gefallen als Aktien und hat sich schneller wieder erholt. So kann Private Debt ein Aktien- und Anleiheportfolio stabilisieren“, heißt es von Liqid.

Über die genaue Funktionsweise und Ausrichtung der einzelnen Zielfonds in diesem Segment ist öffentlich indes wenig bekannt. Das hat damit zu tun, dass es sich bis Anfang 2024 um ein rein institutionelles Geschäft handelte, in dem die Akteure generell sehr zurückhaltend in Bezug auf öffentliche Informationen sind. Vermutlich spielt auch eine Rolle, dass Private-Debt-Fonds nicht selten wenig schmeichelhaft auch als „Schattenbanken“ bezeichnet und misstrauisch beäugt werden, was die Öffentlichkeitsarbeit wahrscheinlich ebenfalls nicht unbedingt beflügelt. Mit den Publikumsfonds tritt das Segment nun aus der Dunkelheit heraus, ein wenig jedenfalls.

Das könnte auch die Finanzaufsicht BaFin beruhigen. Sie sieht die Private-Debt-Fonds offenbar auch wegen der geringen Transparenz zunehmend kritisch, zumal aus der Branche zuletzt eine Reihe negativer Entwicklungen in die Schlagzeilen geraten sind. Sorgen hat die Behörde offenkundig weniger in Bezug auf die Privatanlegerfonds, sondern mehr auf die systemischen Risiken sowie für Versicherer und Banken. 

BaFin will „sehr genau hinschauen“

„Private-Debt-Fonds verwalten derzeit weltweit ein Vermögen von ungefähr 2,5 Billionen Euro“, schreibt die Behörde im Januar 2026 in einem Risikobericht – eine gewaltige Summe. Im Vergleich zum globalen Finanzsystem sei der Markt zwar noch klein, verzeichne aber ein starkes Wachstum und die Vernetzung zwischen Private-Debt-Fonds und der traditionellen Finanzbranche nehme zu. „Das kann bei Zahlungsausfällen zu Ansteckungsgefahren im gesamten Finanzsystem führen“, warnt die Finanzaufsicht und verweist auf die Insolvenz von Frist Brands im Oktober 2025. Drohende Verluste aus Private-Debt-Fonds führten demnach bei einigen US-Regionalbanken zu deutlichen Kursverlusten, die sich auch auf europäische Bankentitel ausweiteten. 

„Die Verflechtungen zwischen traditioneller Finanzbranche und Private-Debt-Fonds sind vielfältig. Wir Aufseher, und hier insbesondere die EZB, müssen sehr genau hinschauen“, warnte BaFin-Präsident Mark Branson laut Redemanuskript in seinem Eingangsstatement zur Jahrespressekonferenz der Behörde Ende Januar 2026.

Trotz der Vorbehalte wurden laut Datenbank der EU-Wertpapieraufsicht ESMA bisher schon 14 Private-Debt-ELTIFs für Privatanleger zugelassen, die den Vertrieb der Anteile auch in Deutschland angekündigt haben. Nicht alle haben die Planung bislang offenbar umgesetzt. So sind fünf der Fonds in der ESMA-Tabelle als „not yet marketed“ gekennzeichnet und selbst ChatGPT findet dazu, nachdem die KI nicht weniger als 15 Minuten und 42 Sekunden „nachgedacht“ und augenscheinlich das gesamte weltweite Netz nach öffentlich verfügbaren Informationen durchforstet hat, keine weiteren Angaben, etwa zur Mindestanlage. Bleiben neun Fonds, die – zumindest grundsätzlich – im Vertrieb sind (siehe Tabelle nächste Seite).

Nächste Seite: Einige Fonds gestartet, andere auf Sparflamme

Lesen Sie hier, wie es weitergeht.

1 2Startseite
Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen