Der globale Baukonjunktur-Index des internationalen Verbands für Immobilienfachleute RICS ist im vierten Quartal 2025 leicht gesunken. Der Construction Sentiment Index liegt demnach bei plus sieben nach plus zwölf im Vorquartal, bleibt damit aber im positiven Bereich. Für die kommenden zwölf Monate rechnen die Befragten mit steigender Arbeitsauslastung, vor allem im Infrastruktursektor. Die Erwartungen an die Baukosteninflation fallen im Vergleich zu den Vorjahren moderat aus.
Regional zeigt sich eine zunehmende Divergenz. In der Region Naher Osten und Afrika verharrt der Index bei plus 29 und signalisiert weiterhin solides Wachstum. Nord- und Südamerika legen auf plus 25 zu, nach plus 20 im dritten Quartal. Europa verliert leicht an Dynamik und kommt auf plus 14 nach zuvor plus 18. In der Region Asien-Pazifik fällt der Index dagegen mit minus 14 wieder in den negativen Bereich.
Auf Länderebene führt Spanien bei der aktuellen Arbeitsauslastung mit einem Nettosaldo von plus 73 Prozent. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate mit plus 58, Indien mit plus 43, Deutschland mit plus 41 und Saudi-Arabien mit plus 30 melden robuste Werte. Deutlich negativ bleiben China mit minus 59 und Hongkong mit minus 38. Frankreich rutscht mit minus 27 ebenfalls klar ins Minus.
Infrastruktur stützt den globalen Ausblick
In rund 70 Prozent der erfassten Länder liegt die Arbeitsauslastung im Infrastrukturbereich über der im privaten Wohn- und Gewerbebau. Ausnahmen bilden Südafrika, Malaysia und die Niederlande. Infrastrukturinvestitionen erweisen sich damit erneut als stabilisierender Faktor.
Auch bei den Zwölfmonatserwartungen bleibt die Infrastruktur vorn. Global rechnen netto plus 35 Prozent der Befragten mit steigender Auslastung, nach plus 38 Prozent im Vorquartal. Im privaten Wohnungsbau sinkt der Wert deutlich auf plus 14 Prozent nach zuvor plus 32 Prozent. In der Region Amerika ist die Stimmung am positivsten, während Europa mit plus 31 Prozent weitgehend stabil bleibt. In Deutschland geht der Nettosaldo von plus 44 Prozent auf plus 38 Prozent zurück.
Im privaten Gewerbebau fällt das Bild verhaltener aus. Weltweit liegt der Nettosaldo bei plus zehn Prozent nach plus 27 Prozent im dritten Quartal. In Deutschland bleiben die Erwartungen mit plus 41 Prozent positiv, sinken jedoch deutlich von zuvor plus 73 Prozent.
Europa: Deutschland stabil, Frankreich deutlich schwächer
In Europa setzt sich die Erholung fort, wenn auch mit unterschiedlichem Tempo. Der Construction Sentiment Index liegt bei plus 14. Spanien erreicht mit plus 60 den höchsten Wert in Europa. Deutschland verbessert sich leicht von plus 32 auf plus 34. Italien und Irland kommen jeweils auf plus 18. Großbritannien liegt mit plus zwei im neutralen Bereich. Frankreich fällt von plus elf auf minus 22 und markiert damit das Schlusslicht.
Auf gesamteuropäischer Ebene steigen die aktuellen Auslastungen im privaten Wohnungsbau von plus elf Prozent auf plus 17 Prozent und im Gewerbebau von plus drei Prozent auf plus acht Prozent. Der Infrastrukturbereich gibt von plus 21 Prozent auf plus elf Prozent nach, bleibt aber im Expansionsbereich. In Deutschland klettert der Wohnungsbau von null Prozent auf plus 54 Prozent, der Gewerbebau von plus 30 Prozent auf plus 35 Prozent, während die Infrastruktur mit plus 33 Prozent stabil bleibt.
In Europa Fachkräftemangel als größtes Hemmnis
Als zentrale Hemmnisse nennen 61 Prozent der Befragten weltweit finanzielle Restriktionen. 58 Prozent sehen intensiven Wettbewerb als Belastung, 50 Prozent verweisen auf unzureichende Nachfrage. Materialkosten spielen für 58 Prozent weiterhin eine Rolle, Fachkräftemangel für 50 Prozent.
In Europa steht der Fachkräftemangel mit 55 Prozent an erster Stelle, gefolgt von finanziellen Restriktionen mit 54 Prozent. In Deutschland nennen 53 Prozent der Befragten fehlende Fachkräfte als größtes Hemmnis, 50 Prozent verweisen auf Finanzierungsthemen.
Susanne Eickermann-Riepe, Senior Vice President der RICS weltweit, fasst zusammen: „Die Ergebnisse in Europa zeigen, dass sich die Erholung der Bautätigkeit fortsetzt, wenngleich das Tempo je nach Region unterschiedlich ausfällt. Auf gesamteuropäischer Ebene ist der Construction Index leicht gesunken, aber Deutschland behält die Dynamik bei. Gegenüber dem dritten Quartal 2025 haben sich die Erwartungen in allen Sektoren abgeschwächt, bleiben aber positiv. Trendgeber ist weiterhin der Sektor Infrastruktur. Spanien und Deutschland zeigen weiterhin den ausgewogensten Ausblick über alle Sektoren.”















