Ein neuer Robo-Advisor-Vergleich des Deutschen Instituts für Service-Qualität (DISQ) stellt der Branche ein gutes Zeugnis aus. Das Hamburger Marktforschungsinstitut erstellte die Studie im Auftrag des Senders ntv. Zwischen Juni und August 2026 testeten die Experten zwölf Plattformen für automatisierte Geldanlage: sieben von Banken, fünf von Fintechs. Im Schnitt erreichen die Banken-Anbieter 85,3 von 100 Punkten. Die Fintechs kommen auf 84,3 Punkte und liegen damit nur knapp dahinter. Elf der zwölf Anbieter erhalten dabei insgesamt das Qualitätsurteil „sehr gut“.
Robo-Advisor-Vergleich: Stärken bei Information und Einstieg
Die Detailwerte bestätigen das positive Gesamtbild. Im Teilbereich Information und Einstieg erzielen die Anbieter branchenweit durchschnittlich 86,3 Punkte – der höchste Wert aller Testkategorien. Die Tester loben vor allem die umfangreichen Websites, auf denen sich Produktdetails und Funktionsweise leicht finden lassen. Auch beim Nutzungserlebnis fällt das Urteil überwiegend positiv aus: Die Testpersonen empfinden die Plattformen als kompetent, serviceorientiert und vertrauenswürdig. Damit überzeugen die Anbieter sowohl beim Einstieg als auch bei der laufenden Nutzung.
Bedarfsanalyse und Kontaktwege mit Luft nach oben
Kleinere Defizite zeigen sich hingegen bei der individuellen Bedarfsanalyse. Gerade bei komplexeren finanziellen Situationen hätten die Anbieter nach Einschätzung der Tester ausführlicher nachfragen können. Hinzu kommt: Wer zusätzlichen Beratungsbedarf hat, findet bei vielen Plattformen nur eingeschränkte Kontaktmöglichkeiten vor.
DISQ-Geschäftsführerin Bianca Möller sieht hier ungenutztes Potenzial: „In nur einem Drittel der Fälle stellen Anbieter von Robo-Advisors eine Möglichkeit zur direkten Nachrichtenübermittlung zur Verfügung. Verbesserungen im Service können die Kundenbindung deutlich steigern“, sagt Möller. Auch ein Rückrufservice fehlt bei vielen Anbietern. Das ist ein Manko, denn erklärungsbedürftige Finanzprodukte lösen häufig persönliche Nachfragen aus.
Die besten Robo-Advisors der Banken im Test
Unter den Banken-Angeboten setzt sich Cominvest von Comdirect an die Spitze. Die Plattform führt sowohl beim Internetauftritt als auch bei Information und Einstieg mit deutlichem Abstand.
| Rang | Anbieter | Bank | Qualitätsurteil | Stärke im Test |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Cominvest | Comdirect | sehr gut | Bester Internetauftritt, Spitzenwert bei Information und Einstieg |
| 2 | Bevestor | Deka Bank | sehr gut | Kundenfreundlicher Ablauf, umfassende Kontaktinformationen |
| 3 | Visualvest | Union Investment Service Bank | sehr gut | Intuitive Website, nachvollziehbarer Einstiegsprozess |
Dahinter folgen Bevestor von der Deka Bank und Visualvest von der Union Investment Service Bank. Bevestor überzeugt dabei vor allem durch einen kundenfreundlichen Ablauf und gut aufbereitete Kontaktinformationen außerhalb von Impressum und AGB. Visualvest punktet hingegen mit einer intuitiven Website und einem durchgehend nachvollziehbaren Einstiegsprozess. Ebenfalls im Test: Fintego von der FNZ Bank, GLS Invest Digital von der GLS Bank, Quirion von der Quirin Privatbank und Solidvest von DJE Kapital.
Diese Robo-Advisors von Fintechs schneiden am besten ab
Bei den Fintechs liegt Growney vorn. Der Anbieter verfügt laut DISQ über den besten Internetauftritt unter den Fintech-Plattformen, inklusive ausführlicher Kontaktangaben und Rückrufservice. Auch der Einstiegsprozess hinterlässt bei den Testpersonen einen seriösen und vertrauenerweckenden Eindruck.
| Rang | Anbieter | Qualitätsurteil | Stärke im Test |
|---|---|---|---|
| 1 | Growney | sehr gut | Bester Internetauftritt, Rückrufservice vorhanden |
| 2 | Ginmon | sehr gut | Spitzenwert bei Information und Einstieg |
| 3 | Evergreen | sehr gut | Schnellstes und komfortabelstes Nutzungserlebnis |
Auf Rang zwei folgt Ginmon mit dem besten Wert im Bereich Information und Einstieg – die übersichtliche und kundenfreundliche Website fällt hier positiv auf. Evergreen komplettiert das Spitzentrio dank des schnellsten und komfortabelsten Nutzungserlebnisses unter den Fintechs. Oskar und Whitebox nahmen ebenfalls am Test teil.
So hat DISQ die Robo-Advisor-Anbieter getestet
Für den Robo-Advisor-Vergleich führte das Institut von Juni bis August 2026 insgesamt 156 Servicekontakte durch, pro Anbieter 13. Dazu gehörten je eine Analyse des Internetauftritts, drei Tests zur Information und zum Einstiegsprozess sowie neun Tests zur Produktnutzung. Geschulte Testpersonen nahmen die Rolle realer Kundinnen und Kunden ein. Anschließend bewerteten sie die Erfahrung nach standardisierten Kriterien – eine klassische Mystery-Test-Methodik.
Was der Robo-Advisor-Vergleich für Berater und Anleger bedeutet
Für die Beratungspraxis liefert der Test zwei Signale. Erstens: Digitale Anbieter haben bei Einstieg und Nutzungserlebnis spürbar aufgeholt und punkten inzwischen mit professionellen Abläufen. Zweitens: Bei komplexeren Fällen bleibt die persönliche Beratung relevant. Die automatisierte Bedarfsanalyse stößt dort an Grenzen, wo individuelle Lebenssituationen eine differenzierte Risikoeinschätzung verlangen – ein Punkt, der sich zum Beispiel auch zeigt, wenn Berater Kunden beim Wechsel zum Altersvorsorgedepot unterstützen und diese dabei auf persönliche Begleitung angewiesen sind.













