Die R+V Versicherung hat im Geschäftsjahr 2025 ein deutlich verbessertes Ergebnis erzielt und ihre Marktposition weiter ausgebaut. Trotz geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten wuchs das Unternehmen in allen Sparten und erreichte ein Konzernergebnis auf Rekordniveau.
„Trotz geopolitischer Spannungen, globaler Krisen und volatiler Märkte, die auch die deutsche Wirtschaft belasten, haben wir starke Ergebnisse erzielt. Wir sind in allen Sparten gewachsen und verzeichnen ein Konzernergebnis in Rekordhöhe“, fasst Norbert Rollinger, Vorstandsvorsitzender der R+V Versicherung, die Ergebnisse auf der Bilanzpressekonferenz zusammen. Die Unternehmensstrategie Next Level habe erste messbare Erfolge geliefert und sowohl Ertragskraft als auch Risikotragfähigkeit gestärkt.
Das Konzernergebnis vor Steuern nach IFRS stieg auf 2,2 Milliarden Euro und lag damit mehr als 70 Prozent über dem Vorjahreswert von 1,3 Milliarden Euro. Treiber war vor allem ein deutlich verbessertes versicherungstechnisches Ergebnis von 2,6 Milliarden Euro nach 1,4 Milliarden Euro im Jahr zuvor.
Niedrigere Schäden und stabile Kapitalanlagen
Ein wesentlicher Faktor für die Ergebnisentwicklung war das im Vergleich zum Vorjahr geringere Schadenaufkommen. Die Schadenleistungen in der Schaden- und Unfallversicherung beliefen sich auf 5,2 Milliarden Euro und lagen damit 4,3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Besonders deutlich sanken die Aufwendungen für Elementarschäden auf 150 Millionen Euro nach 442 Millionen Euro im Jahr 2024.
„Ein ungewöhnlich niedriges Schadenaufkommen sowie eine erfolgreiche Profitabilisierung einzelner Geschäftsfelder waren hierfür ursächlich“, erläutert Dragica Mischler, Vorständin für Finanzen und Risikomanagement. Das Kapitalanlageergebnis ohne fondsgebundene Lebensversicherung erreichte 2,2 Milliarden Euro, blieb jedoch unter dem Vorjahreswert von 2,7 Milliarden Euro. Belastend wirkte insbesondere die Abwertung des US-Dollars, die die positive Entwicklung an den Aktienmärkten teilweise kompensierte.
Auch die Kapitalausstattung wurde gestärkt. So stieg die Solvabilitätsquote im Konzern von 168 auf 204 Prozent. Gleichzeitig wurden Schwankungsrückstellungen in Höhe von 556 Millionen Euro aufgebaut.
Wachstum in allen Geschäftsfeldern
Die Beitragseinnahmen der R+V erhöhten sich 2025 um 8,7 Prozent auf 22,8 Milliarden Euro. Das inländische Erstversicherungsgeschäft wuchs um 9,3 Prozent auf 17,5 Milliarden Euro. Besonders dynamisch entwickelte sich dabei die Lebens- und Pensionsversicherung mit einem Plus von 12,1 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro.
Die Schaden- und Unfallversicherung erzielte ein Umsatzplus von 6,7 Prozent auf acht Milliarden Euro. „Das ist das Ergebnis einer sehr bewussten Steuerung. So haben wir in der Kraftfahrtversicherung einen minimalen Marktanteilsrückgang von 0,3 Prozentpunkten auf 8,4 Prozent in Kauf genommen. Das Ziel war, die Combined Ratio auf ein nachhaltig auskömmliches Niveau von 96 Prozent zu verbessern“, sagte der R+V-Chef. Erfreulich entwickelte sich zudem erneut die Gesundheitsversicherung. Hier verzeichneten die Beiträge einen Anstieg um 7,6 Prozent von 949 Millionen Euro auf erstmals über eine Milliarde Euro.
Auch die R+V Re bleibt auf Kurs. Der gebuchte Bruttobeitrag lag 2025 stabil bei 3,4 Milliarden Euro. Für weiteres Wachstum der R+V sorgte im zurückliegenden Jahr wieder die italienische Tochter Assimoco mit einem Zuwachs von 22,1 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro.
Dynamischer Start ins Jahr 2026 und strategische Weichenstellungen
Im 1. Quartal 2026 knüpfte die R+V an das erfolgreiche Vorjahr an und erzielte in der inländischen Erstversicherung ein Plus von 5,6 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro. Laut Rollinger trugen alle Segmente dazu bei: Die Beiträge in der Schaden- und Unfallversicherung stiegen um 5,1 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro, die Lebens- und Pensionsversicherung wuchs um 5,1 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro, und die Krankenversicherung erreichte 314 Millionen Euro und damit ein Plus von 12,7 Prozent.
Parallel treibt das Unternehmen seine strategische Neuausrichtung voran. Mit der Strategie NextLevel bündelt die R+V unter anderem Finanz- und Risikofunktionen sowie Operations und IT. Ziel ist eine effizientere Steuerung und die stärkere Nutzung digitaler Technologien. Ein Effizienzprogramm führte 2025 zu Einsparungen von rund 100 Millionen Euro, die in strategische Initiativen reinvestiert werden.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Automatisierung von Prozessen und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz, etwa in der Beratung, im Underwriting und in der Betrugserkennung. In diesem Bereich konnten bereits Einsparungen in zweistelliger Millionenhöhe erzielt werden.
Auch im Vertrieb setzt die R+V verstärkt auf Integration innerhalb der genossenschaftlichen Finanzgruppe. Der Ausbau der Omnikanalplattform soll die Zusammenarbeit mit den Banken weiter vertiefen und die Kundenansprache effizienter gestalten.
Kritik am Vorsorgedepot
Von der Politik erhofft sich die R+V im laufenden Jahr Rückenwind. Grundsätzlich unterstützt sie das geplante Vorsorgedepot, das mehr Menschen eine einfache staatlich geförderte private Altersvorsorge ermöglichen soll.
„Mit den neuesten Plänen tut die Bundesregierung den Bürgerinnen und Bürgern allerdings keinen Gefallen. Aufgabe des Staates ist es, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Dass er außerdem nun selbst auch als Akteur und damit als Konkurrent zu privaten Anbietern am Markt auftreten will, ist ein klarer Angriff auf die Marktwirtschaft und verzerrt den Wettbewerb. Wichtig ist, dass der individuelle Bedarf nach einer zusätzlichen privaten Altersversorgung berücksichtigt wird. Das Ziel, kostengünstige und transparente Angebote zu schaffen, begrüßen wir ausdrücklich. Allerdings fordern wir faire Wettbewerbsbedingungen“, sagte Rollinger. Dazu gehöre, dass beim geplanten Standardprodukt für Versicherer dieselben Anforderungen an die Beratung gelten wie bei allen anderen Anbietern.
Bei der Frühstartrente steht die R+V in den Startlöchern, bedauert aber die Beschränkung auf einen Jahrgang. „Das ist eine vertane Chance für einen großen Wurf, der noch viel mehr jungen Menschen den Einstieg in eine ergänzende Altersvorsorge ermöglicht hätte“, unterstrich Rollinger.
Neben der privaten ist auch die betriebliche Altersvorsorge ein wichtiger Eckpfeiler unseres Rentensystems, um die gesetzliche Rente zu ergänzen. „Hier liegt noch viel ungenutztes Potenzial“, betonte Norbert Rollinger. „Beispielsweise beim Sozialpartnermodell, für das wir uns eine weitere Senkung der Zutrittshürden für nicht-tarifgebundene Arbeitgeber wünschen.“
















