Schwellenländeranleihen vor Neubewertung: Warum 2026 zum Wendepunkt werden könnte

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Wie werde nsich Anleihen aus Emerging Markets in 2026 schlagen?

Schwellenländeranleihen galten lange als volatil und schwer kalkulierbar. Doch verbesserte Fundamentaldaten, stabilere Marktstrukturen und attraktive Renditen verändern das Bild. Warum 2026 eine Neubewertung der Anlageklasse anstehen könnte, zeigt ein aktueller Marktkommentar.

Die Fundamentaldaten der Schwellenländer haben sich in den vergangenen Jahren spürbar verbessert. Während viele entwickelte Volkswirtschaften mit steigenden Finanzierungskosten und einer Verschlechterung ihrer fiskalischen Position konfrontiert sind, zeigen zahlreiche Schwellenländer robuste Haushalte und solide Wachstumsdynamiken. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Kreditratings wider: 2025 lag das Verhältnis von Rating‑Upgrades zu Downgrades bei rund 2:1 – ein klares Signal für eine strukturelle Verbesserung innerhalb der Anlageklasse.

Parallel dazu hat sich die Marktstruktur verändert. Ein steigender Anteil lokaler Investoren reduziert die Abhängigkeit von internationalen Kapitalflüssen und erhöht die Widerstandsfähigkeit über den gesamten Marktzyklus hinweg. Auch die Unternehmensseite steht solide da: Die durchschnittliche Nettoverschuldung liegt bei lediglich etwa 1,2x, was nicht nur unter dem Niveau der entwickelten Märkte liegt, sondern auch eine deutliche Verbesserung gegenüber der Situation vor zehn Jahren darstellt. Diese konservative Bilanzqualität trägt wesentlich zu stabileren Erträgen und attraktiverer Spread‑Vergütung bei.


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Trotz einer über die vergangenen Jahre erfolgten Spread‑Einengung bestehen weiterhin Renditechancen. Kapitalflüsse haben sich 2025 klar gedreht und sind wieder positiv. Und doch bleibt die Anlageklasse global untergewichtet. Dieses strukturelle Unterinvestment schafft zusätzlichen Spielraum für weitere Zuflüsse, sobald Investoren die verbesserten Fundamentaldaten stärker in ihre Allokationsentscheidungen einbeziehen.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen Lokalwährungsanleihen. Sie profitieren derzeit von hohen realen Zinsen, einem attraktiven Verhältnis von Carry zu Volatilität sowie der Erwartung eines moderat schwächeren US‑Dollars. Letzteres entlastet nicht nur Emittenten mit Dollarverbindlichkeiten, sondern erhöht zugleich das Renditepotenzial lokaler Währungen. Frontier Markets rücken in diesem Umfeld besonders in den Fokus: Sie bleiben zwar ein Nischenmarkt, bieten aber gerade für selektive Investoren überdurchschnittliche Chancen bei weiterhin robuster Wachstumsbasis.

Für 2026 zeichnet sich also ein klar positives Umfeld ab: Schwellenländeranleihen vereinen attraktive Ertragschancen, eine weiter verbesserte Kreditqualität und einen hohen Diversifikationseffekt. Geopolitische Risiken und ein möglicher Dollar‑Gegenwind bleiben zwar Themen, dominieren das Marktbild derzeit jedoch nicht. Angesichts der robusten Fundamentaldaten, der nach wie vor geringen Allokationen und der zunehmenden Stabilität der Anlageklasse spricht vieles dafür, dass EM‑Anleihen im kommenden Jahr überdurchschnittlich abschneiden dürften.

Autor Thomas Christiansen ist Head of Emerging Markets Fixed Income bei der UBP.

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