Die Erdgaspreise in Europa sind in den letzten Tagen stark gestiegen, von unter 30 Euro auf fast 40 Euro. Obwohl der Preisanstieg nichts mit der geopolitischen Lage und den Ereignissen in Venezuela oder im Iran zu tun hat, scheint er auf Sorgen über Versorgungsengpässe hinzuweisen.
Die Erdgasspeicher in Europa und insbesondere die Vorräte im Nordwesten, einschließlich Deutschland, lagen zu Beginn der Heizperiode unter dem Durchschnitt des Vorjahres. Die Kältewelle zu Beginn des Jahres hat das Defizit noch etwas verstärkt und offenbar eine Preisreaktion ausgelöst. Der saisonale Abwärtstrend bei den Speichern bleibt jedoch bislang weitgehend im Rahmen der Norm und spricht nicht für eine deutliche Verknappung. Das Defizit vom Beginn der Heizperiode besteht bis heute weitgehend fort.
Darüber hinaus entspricht das aktuelle und bevorstehende Wetter dem saisonalen Durchschnitt, was zeigt, dass sich die Verknappung der Speicherbestände verlangsamt. Außerhalb des Nordwestens sind die Speicher in Europa insgesamt weiterhin reichlich gefüllt und dürften letztendlich dazu beitragen, das Defizit in Deutschland und Frankreich auszugleichen. Ausfälle an US-Flüssigerdgasterminals (LNG) verstärkten die Sorgen in Europa. Diese Ausfälle sind inzwischen weitgehend behoben.
Grundsätzlich sehen wir kaum nennenswerte Versorgungsrisiken für Europa. Die derzeit hohen Preise beschleunigen den Ausgleich des Marktes, indem sie noch mehr Seetransporte anziehen und teilweise die Stromerzeugung aus Erdgas drosseln, während die Stromerzeugung aus Kohle gesteigert wird. Angesichts des erheblichen Ausbaus der Kapazitäten von Solarkraftwerken in den letzten Jahren beginnt die Erdgasnachfrage von Kraftwerken mit Beginn des Frühlings immer früher zurückzugehen, wodurch sich die Wintersaison, in der die Lagerbestände verbraucht werden, verkürzt. Das Gesamtbild bleibt unverändert. Die Versorgung mit Seetransport-Erdgas ist reichlich, da im Laufe dieses Jahres weitere Exportterminals in Betrieb genommen werden. Dies dürfte die Preise wieder unter 30 Euro drücken.
Natürlich bleibt das Winterwetter vorerst ein Unsicherheitsfaktor, den es zu beobachten gilt. Die Intensität des Preisanstiegs deutet jedoch darauf hin, dass die Lieferströme die Fundamentaldaten dominieren. Die Marktstimmung war außergewöhnlich pessimistisch, und die anfängliche Preisstärke wurde wahrscheinlich durch Deckungskäufe verstärkt, weil Händler ihre Leerverkäufe bedienen mussten (Short-Covering). In den kommenden Monaten dürfte die LNG-Flut die Preise erneut unter Druck setzen. Wir behalten unsere vorsichtige Einschätzung und unsere Short-Position bei.














