Studie: Bürokratie und Regulierung bremsen FinTechs in Deutschland

Foto: Smartpix/denisismagilov
Im Würgegriff einer überbordenden Verwaltung: Regulierung und Bürokratie gelten in Deutschland als zentrale Wachstumshemmnisse.

FinTechs treiben Innovationen im Finanzsektor voran, sehen sich in Deutschland jedoch mit erheblichen Hürden konfrontiert. Eine aktuelle Bitkom-Studie zeigt, dass Bürokratie, Regulierung und schwieriger Kapitalzugang das Wachstum bremsen. Die Ergebnisse werfen Fragen zur Wettbewerbsfähigkeit des Standorts auf.

FinTechs verändern Finanzdienstleistungen grundlegend, etwa beim mobilen Bezahlen, bei digitalen Versicherungsprozessen oder beim Zugang zu Kapitalmärkten. Trotz ihrer Bedeutung als Innovationstreiber sehen viele Unternehmen in Deutschland jedoch ungünstige Rahmenbedingungen. Vor allem Regulierung und Bürokratie gelten als zentrale Wachstumshemmnisse.

Deutschland verwaltet sich zu Tode

Rund 73 Prozent der befragten FinTechs nennen den hohen Verwaltungsaufwand als größtes Hindernis. Ebenso viele berichten von regulatorischen Hürden, 68 Prozent von hohen Compliance-Anforderungen. Mehr als die Hälfte sieht zudem Unsicherheiten beim Einsatz neuer Technologien. Gleichzeitig erwarten 96 Prozent, dass Künstliche Intelligenz den Markt künftig prägen wird.

Diese Ergebnisse stammen aus der Studie „FinTechs in Deutschland“, für die der Digitalverband Bitkom 40 in Deutschland aktive FinTechs befragt hat. Sie verdeutlichen, dass die Innovationsbereitschaft hoch ist, die regulatorischen Rahmenbedingungen jedoch vielfach als bremsend wahrgenommen werden.

Kapitalzugang und Standortwahl unter Druck

Neben Bürokratie erschwert auch der Zugang zu Kapital die Entwicklung vieler FinTechs. 55 Prozent sind auf ausländische Investoren angewiesen, 70 Prozent wünschen sich mehr heimisches Venture Capital. Mehr als die Hälfte schätzt Finanzierungen im Ausland als einfacher ein als in Deutschland.

Die Konsequenzen spiegeln sich in der Standortbewertung wider. Nur 28 Prozent der FinTechs würden sich bei einer Neugründung erneut für Deutschland entscheiden. „Mit rund 700 FinTechs zählt Deutschland pro Kopf bereits jetzt deutlich weniger FinTechs als viele andere europäische Länder. Das zeigt: Der Standort Deutschland hat Aufholbedarf, bietet aber auch großes Wachstumspotenzial“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst.


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Als besonderer Standortnachteil gilt die Dauer von Lizenzierungsverfahren. Diese dauern in Deutschland im Durchschnitt mehr als zwei Jahre und sind damit im europäischen Vergleich besonders lang. Entsprechend kritisch fällt die Bewertung des aufsichtsrechtlichen Umfelds aus.

Aufsicht als Innovationshemmnis

Nur 35 Prozent der befragten FinTechs bewerten das deutsche Aufsichtsumfeld positiv. 78 Prozent empfinden es als innovationshemmend. Die lange Dauer von Genehmigungsprozessen und fehlende Planungssicherheit gelten dabei als zentrale Probleme.

Wintergerst betont: „Um den FinTech-Standort nachhaltig zu stärken, braucht es neben gesetzgeberischen Reformen auch spürbare Verbesserungen in der praktischen Ausgestaltung der Aufsicht. Planbarkeit und Transparenz müssen erhöht, der administrative Aufwand reduziert werden.“

Auf Basis der Studienergebnisse formuliert der Bitkom konkrete Forderungen. Dazu zählen frühzeitige informelle Vorgespräche zur Einschätzung von Lizenzanträgen, verbindliche Fristen und mehr Transparenz in Aufsichtsverfahren, feste Ansprechpartner sowie vollständig digitale Prozesse. Zudem plädiert der Verband für einen behördenübergreifenden Datenaustausch und einen intensiveren, strukturierten Dialog zwischen Aufsicht, Wirtschaft und Politik.

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