Trends in der Altersvorsorge: Viele Riester-Sparer erwägen Wechsel in neues Fördersystem

Hans-Joachim Schütt (li.) und Dr. Patrick Dahmen, Valytics
Foto: Valytics
Hans-Joachim Schütt und Patrick Dahmen (r.), Valytics.

Der Markt für private Altersvorsorge steht vor einem Wandel. Banken gewinnen als Anbieter an Bedeutung, während viele Riester-Sparer einen Wechsel in ein neues Fördersystem erwägen. Gleichzeitig etabliert sich digitale Beratung zunehmend. Eine neue Studie zeigt, welche Erwartungen Verbraucher an Vorsorge und Beratung haben.

Für viele Verbraucher zählt die Altersvorsorge zu den wichtigsten finanziellen Zielen. Gleichzeitig wächst die Unsicherheit über die eigene Absicherung im Alter. Das zeigt die Studie „Digitale Altersvorsorge 2026“ von Valytics und Nordlight Research auf Basis einer repräsentativen Onlinebefragung von 2.001 Finanzentscheidern im Alter von 18 bis 60 Jahren.

Rund 80 Prozent der Befragten bezeichnen das Sparen für die Altersvorsorge als sehr wichtiges Sparziel. Gleichzeitig äußern etwa 50 Prozent konkrete Sorgen, im Alter von Armut betroffen zu sein. Weniger als die Hälfte fühlt sich zudem gut über Möglichkeiten der Altersvorsorge informiert. Besonders ausgeprägt sind diese Informationsdefizite bei Frauen sowie bei Haushalten mit geringerem Einkommen.

Bei der Auswahl von Vorsorgeprodukten stehen Sicherheitsaspekte im Vordergrund. Garantien und niedrige Kosten werden deutlich wichtiger bewertet als hohe Renditechancen. Auch flexible Ein- und Auszahlungen gewinnen aus Sicht der Verbraucher an Bedeutung.

Banken gewinnen als Anbieter an Bedeutung

Beim Abschluss staatlich geförderter Altersvorsorgeprodukte wenden sich Verbraucher in erster Linie an Banken und Sparkassen. Rund 60 Prozent nennen diese Institute als bevorzugte Anbieter. Versicherer folgen mit Abstand. Bei renditeorientierten Lösungen spielen neben Banken vor allem Investmentfondsgesellschaften eine wichtige Rolle.

Die Ergebnisse deuten laut Hans-Joachim Schütt, Managing Partner Valytics, damit auf einen strukturellen Wandel im Markt hin und auf steigenden Wettbewerbsdruck für Lebensversicherer. „Die Altersvorsorgereform bietet hohes Marktpotenzial. Entscheidend wird sein, wie verständlich Produkte kommuniziert und wie niedrig die Hürden im Abschluss gestaltet werden“, so Schütt.

Hohe Wechselbereitschaft bei Riester-Verträgen

Auch im bestehenden Riester-Bestand zeichnet sich Bewegung ab. 40 Prozent der heutigen Riester-Kunden ziehen einen Wechsel in das neue Fördersystem ernsthaft in Betracht. Weitere 40 Prozent sind noch unentschlossen. Die geplante Reform selbst ist bislang allerdings wenig präsent. Nur sechs Prozent der Befragten geben an, sich aktiv über die vorgesehenen Änderungen informiert zu haben.

Unter den diskutierten Produktvarianten stoßen klassische Garantieprodukte auf die größte Zustimmung. Rund 41 Prozent zeigen hier eine hohe Abschlussbereitschaft. Renditeorientierte Produkte sowie ein kostengünstiges Standarddepot erreichen jeweils etwa 30 Prozent Zustimmung, insbesondere bei jüngeren und einkommensstärkeren Haushalten.

Digitale Beratung wird zunehmend akzeptiert

Auch bei der Beratung zeigt sich laut der Studie ein deutlicher Wandelen. So stehen rund 80 Prozent der Befragten einer digitalen Altersvorsorgeberatung grundsätzlich offen gegenüber, etwa bei der Bestandsaufnahme oder der regelmäßigen Überprüfung der Vermögenssituation. Insgesamt bevorzugen 40 Prozent eine digitale Beratung. In der Altersgruppe zwischen 18 und 40 Jahren liegt dieser Anteil mit rund 45 Prozent noch etwas höher.

Der Einsatz künstlicher Intelligenz in der Altersvorsorgeberatung stößt ebenfalls auf eine pragmatische Offenheit. Zwischen 15 und 19 Prozent der Befragten bevorzugen KI-gestützte Beratung, weitere 60 bis 70 Prozent akzeptieren sie zumindest – abhängig vom jeweiligen Beratungsschritt. „Digitale Vorsorgeangebote müssen Benutzerfreundlichkeit und Transparenz mit der Möglichkeit persönlicher Unterstützung verbinden – das erwarten Verbraucher heute“, resümiert Patrick Dahmen, Managing Partner Valytics:

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