Trumps Eingriffe verändern die Spielregeln für US-Rüstungsunternehmen

US-Präsident Donald Trump
Foto: Picture Alliance
US-Präsident Donald Trump sorgt mit seinen Maßnahmen und Äußerungen für jede Menge Unruhe und neue Spelregeln im Rüstungssektor

US-Präsident Donald Trump greift zunehmend in die Kapitalpolitik der Rüstungsindustrie ein. Dividenden, Aktienrückkäufe und Managergehälter geraten unter politischen Druck, während Investitionen in Kapazitäten Vorrang haben sollen. Das verändert die Perspektiven für US- und europäische Rüstungsunternehmen spürbar.

Präsident Trump ist zuletzt über bloße Rhetorik hinausgegangen und hat Maßnahmen angekündigt, um Dividenden und Rückkäufe für US-Rüstungsunternehmen so lange zu blockieren, bis die Waffenproduktion beschleunigt wird. Gleichzeitig greift er die „exorbitanten” Gehälter von CEOs an und fordert Investitionen in neue Werke. Seine politische Ausrichtung besteht darin, Kapazität, Geschwindigkeit und Output gegenüber den Renditen für Aktionäre zu priorisieren. Dies dürfte Druck auf die Visibilität des freien Cashflows, die Ausschüttungsquoten und die Bewertungsmultiplikatoren für US-Rüstungsunternehmen ausüben. Aneeka Gupta, Makro- und Verteidigungsspezialistin bei WisdomTree, analysiert diese Entwicklungen im Folgenden.


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Laut der Expertin zielen die Äußerungen und Maßnahmen von US-Präsident Trump direkt auf die Kapitalallokation und Margen der führenden US-Rüstungsunternehmen ab. Daher seien die direkten Auswirkungen für US-Rüstungsaktien negativer als für europäische Rüstungsunternehmen. „Bei der relativen Bewertung, dem Governance-Risiko und der Flexibilität der Kapitalrendite verschiebt sich das Blatt zunehmend zugunsten Europas“, so Gupta.

Trump fordert Militärbudget von 1,5 Billionen US-Dollar für 2027

Präsident Donald Trump hat für 2027 ein US-Militärbudget von 1,5 Billionen US-Dollar gefordert. Dies liegt deutlich über den vom Kongress für 2026 bewilligten 901 Milliarden US-Dollar. Dies beflügelt zwar die Aktienkurse von Rüstungsunternehmen, stößt jedoch bei Haushaltsexperten auf Skepsis (Reuters,7. Januar 2026).

Der Vorschlag kommt unmittelbar nach der Operation in Venezuela und geht einher mit Drohungen, die Beschaffung von Lieferanten weg zu verlagern, wenn diese weiterhin Rückkäufe tätigen, anstatt in Anlagen, Ausrüstung und Kapazitäten zu investieren.

Einerseits sei ein deutlich höheres US-Gesamtbudget eindeutig positiv für die weltweite Nachfrage im Verteidigungsbereich, das Volumen der Lieferketten und die wahrgenommene Nachhaltigkeit des Zyklus. Andererseits knüpfe Trump diese Gelder ausdrücklich an Bedingungen: Beschränkungen für Rückkäufe bzw. Dividenden und Druck auf „exorbitante” Managergehälter. „Dies schafft für US-amerikanische Prime-Unternehmen ein ungünstigeres Umfeld bei Governance und Kapitalrendite als für die meisten europäischen Wettbewerber“, meint Gupta. Entscheidend sei, dass europäische Verteidigungsunternehmen mit bedeutender operativer Präsenz in den USA von höheren US-Ausgaben profitieren können, ohne in gleichem Maße politischen Sanktionen ausgesetzt zu sein.

Neue Impulse für den europäischen Verteidigungssektor im Jahr 2026

Laut Gupta hat die europäische Verteidigung nun zusätzlich zu den strukturellen Ausgaben der NATO/EU mehrere neue geopolitische Katalysatoren. Neben dem Druck Trumps auf die US-Prämien gehören dazu:

  1. Gescheiterte Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine

Die Hoffnungen auf einen dauerhaften Waffenstillstand seien erneut geschwunden. Aktuelle Berichte haben auf festgefahrene oder gescheiterte Gespräche und einen düstereren Tonfall von Selenskyj hingewiesen. Gleichzeitig zeigt Russland kaum Anzeichen für eine Beendigung seiner Offensive.

  1. Grönland

Trump erneuerte seine Drohungen in Bezug auf Grönland, darunter auch die Androhung militärischer Gewalt gegen das Territorium eines NATO-Verbündeten. Dies könne, laut Gupta, als potenziell beispiellose Herausforderung für die NATO beschrieben werden und unterstreiche den zunehmenden Investitionsbedarf.

  1. US-Intervention in Venezuela

Die US-Operation zur Absetzung Maduros habe bereits zu einer starken Bewegung bei Verteidigungsaktien geführt. Beobachter bezeichnen den Angriff auf Venezuela ausdrücklich als Signal für eine neue Ära der „Hard Power“, in der regionale Interventionen und Machtproben der Großmächte die weltweite Nachfrage nach Verteidigungsgütern strukturell auf einem hohen Niveau halten.

„Insgesamt bestätigen die ins Stocken geratenen Friedensbemühungen in der Ukraine, die Spannungen in Grönland und die Intervention in Venezuela die Entscheidung Europas, deutlich höhere Ausgaben zu tätigen“, so die Expertin von WisdomTree. Zusammen mit Trumps Restriktionen bei Rückkäufen bzw. Dividenden im US-Verteidigungsbereich verschieben die neuen Katalysatoren laut Gupta das Gleichgewicht weiter zugunsten europäischer Auftragnehmer.

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