US-Dollar macht Gold zu schaffen

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Gold steht zwischen Krisennachfrage, starkem US-Dollar und höheren Zinserwartungen derzeit unter hohem Druck.

Gold gilt als sicherer Hafen in Krisenzeiten. Doch trotz des Iran-Konflikts bleibt der Preis des Edelmetalls vergleichsweise verhalten. Dahinter stehen vor allem Dollarstärke und veränderte Zinserwartungen, sagt der Edelmetallhändler Ophirum.

Das mag den einen oder anderen Anleger überraschen: Der Goldpreis pendelt um die Marke von 5.000 Dollar je Feinunze – und notiert damit deutlich niedriger als vor dem Beginn des Irankrieges. Ein zeitnahes Ende des Konflikts ist zwar möglich, allzu wahrscheinlich erscheint dieses Szenario aber derzeit nicht. 

In der Vergangenheit reagierte Gold in einem solchen Umfeld häufig mit einem Kursanstieg. Denn Fakt ist: Das Edelmetall hat sich über Jahrzehnte als Krisenwährung bewährt: Schwächephasen an den Aktienmärkten führten zumeist zu verstärkten Käufen von Gold als sicherem Anlagehafen. Historische Daten bestätigen dies: So stieg der Goldpreis während des Irakkrieges 2003 innerhalb weniger Monate um mehr als 15 Prozent, während er im Jahr 2008, zu Beginn der Finanzkrise, als werterhaltende Asset-Klasse gegen Aktienverluste und Liquiditätsrisiken ebenfalls deutlich zulegte.

Aktuell jedoch wird die Entwicklung des Goldpreises wohl weniger von geopolitischen Spannungen beeinflusst als von der Stärke des Dollars. In den vergangenen Wochen legte der Greenback deutlich zu, wodurch in Dollar gehandelte Goldbestände für Investoren außerhalb der USA teurer wurden. Dies erklärt den scheinbaren Widerspruch: Trotz der überaus herausfordernden Gemengelage weist Gold aktuell eine vergleichsweise verhaltene Performance auf.

Zinserhöhungssorgen belasten

Zusätzlich treibt die Sorge vor einem Energiepreisschock die Zinserwartungen. Die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran – eine Schlüsselroute, über die normalerweise rund 20 Prozent des weltweiten Erdöls und Flüssigerdgases transportiert werden – verstärkt Befürchtungen einer zunehmenden Inflation. Vor diesem Hintergrund stieg der Preis für Brent Öl teils deutlich über die Marke von 100 Dollar je Barrel. Nicht von ungefähr halten die Märkte daher eine restriktivere Geldpolitik der Zentralbanken für möglich – und das dürfte zusätzlichen Druck auf Gold ausüben.

In den USA wird bis Ende des Jahres mittlerweile nicht einmal mehr eine Zinssenkung der Fed um 25 Basispunkte eingepreist; Ende Februar hatte der Markt noch mit zweieinhalb Schritten gerechnet. Im Euroraum sind zwischenzeitlich sogar Stimmen lauter geworden, die Zinserhöhungen durch die EZB für möglich halten. Und: Da Gold anders als Anleihen keine laufenden Erträge bietet, verleiht eine restriktivere Geldpolitik dem Edelmetall nicht gerade Rückenwind. 

Herausforderndes Umfeld für Investoren

Auch wenn der Goldkurs derzeit zu kämpfen hat; sollte der Irankrieg noch länger anhalten, könnte die Goldnachfrage durchaus wieder anziehen. Grund: Der Konflikt droht, das ohnehin schon angekratzte Vertrauen in die USA sowohl bei geopolitischen Rivalen als auch zunehmend bei Verbündeten zu erschüttern – und das könnte den Dollar wieder unter Druck setzen. 

Unter dem Strich bewegt sich der Goldpreis derzeit in einem Spannungsfeld zwischen klassischer Krisennachfrage und gegenläufigen makroökonomischen Kräften. Einerseits stützen die geopolitische Unsicherheit rund um den Iran-Konflikt sowie die steigenden Energiepreise grundsätzlich die Attraktivität des Edelmetalls; andererseits erhöhen ein erstarkender Dollar und steigende Zinserwartungen den kurzfristigen Verkaufsdruck. Ein Goldkurs, der – zumindest kurzfristig – an Volatilität gewinnt, sollten Anleger daher zumindest nicht ausschließen. 


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