Small Caps – das bedeutet starke Schwankungen, breite Streuung und begrenzte Sichtbarkeit. Aber auch: enormes Potenzial. Beispiel Nvidia: In frühen Jahren nahe an der Insolvenz, ging das Unternehmen 1999 an die Börse. Wer damals tausend Dollar investiert hat, kann sich heute über fast 8 Millionen Dollar freuen. Auch Unternehmen wie Monster Beverage, Netflix, Amazon und Intuitive Surgical wurden als Small Caps übersehen, bevor sie sich zu Branchenführern entwickelt und frühen Investoren enorme Renditen beschert haben.
In den vergangenen zehn Jahren stieg der Russell 2000 rund 132 %, der S&P 500 kletterte mehr als doppelt so hoch. Antreiber waren ausgewählte Mega-Caps; viele kleinere Unternehmen erhielten nur begrenzte Aufmerksamkeit von Investoren. Inzwischen aber deuten die Bewertungen, die Ertragsdynamik und die historischen Zyklen auf eine Normalisierung hin. Die Bedingungen sind günstig für eine breitere Erholung der Small Caps.
Zinsen wirken ungleichmäßig
Als die Fed 2023 die Leitzinsen auf über 5 % anhob, waren Small Caps am stärksten betroffen. Viele große Unternehmen hatten ihre Schulden zuvor günstig refinanziert. Kleinere und mittelständische Unternehmen waren stärker auf variabel verzinsliche Kredite oder kurzfristige Refinanzierungen angewiesen; ihre Gewinne sanken. Seitdem sind die Finanzierungskosten gesunken; Refinanzierungsmöglichkeiten tun sich wieder auf. Für manche Unternehmen verbessern schon geringfügig niedrigere Zinsen die Bilanz erheblich.
Zuhause ist es am schönsten
Etwa drei Viertel der Umsätze des Russell 2000 stammen aus den USA; Large-Cap-Firmen erzielen dagegen rund 40 % international. Die US-Politik hat den Fokus auf inländische Unternehmen verstärkt und Steuererleichterungen verlängert oder dauerhaft verankert. Die im Russell 2000 vertretenen Firmen spüren die steuerlichen und fiskalischen Veränderungen in den USA direkter als multinationale Großkonzerne, die ihre Gewinne über verschiedene Länder hinweg verwalten. Vorteile in der überwiegend inländischen Umsatzbasis schlagen sich direkt in Nachsteuergewinnen und freiem Cashflow nieder.
KI-Chancen für US-Small- und Mid Caps
Die KI-Ausgaben der Mega-Cap-Unternehmen sorgen bei vielen Small-Cap-Firmen weiter unten in der Wertschöpfungskette für Rückenwind, der oft unterschätzt wird. Dank des Ausbaus von Rechenzentren, der Kühlung, Elektronik, Stahlkonstruktionen, Netzmodernisierungen, spezialisierte Auftragnehmer und langfristige Wartung erfordert, hat vielen kleineren Unternehmen für mehrere Jahre Rekordaufträge beschert.
Und diese Dynamik hängt nicht von der letztendlichen Rentabilität von KI-Anwendungen für die Mega-Caps ab. Rechenzentren, Netzanschlüsse, Kühlsysteme und Spezialanlagen müssen unabhängig davon entworfen, gebaut und gewartet werden. Wer sich in kleineren Unternehmen engagiert, nimmt direkt am Investitionszyklus teil, ohne eine Richtungsentscheidung darüber zu treffen, ob große Plattformen am Ende nachhaltige Gewinne aus KI erzielen können.
Ein erheblicher Teil der neuen Energiekapazitäten für diese neuen Rechenzentren soll aus emissionsärmeren Quellen stammen. Große Tech-Unternehmen haben sich verpflichtet, ihre CO2-Intensität zu reduzieren. 60 bis 80 % der Investitionen in neue Stromkapazitäten sind mit erneuerbaren Energien, Kernkraft oder anderen CO2-armen Quellen verbunden.
Deutliche Bewertungslücke
Small Caps werden derzeit mit einem deutlichen Abschlag gegenüber Large Caps gehandelt; die Spanne nähert sich dem Niveau früherer zyklischer Tiefpunkte. Wer Unternehmen mit robusten Geschäftsmodellen sorgfältig auswählt, die Auftragsbücher beobachtet und fragilen Bilanzen aus dem Weg geht, kann sich als Anleger für eine mögliche Erholung der US Small Caps positionieren.
Autor Michel Bourgon ist Fondsmanager bei DPAM.












