Venezuela-Krise rückt Europas Rüstungsaktien und Sicherheitsfragen in den Fokus

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Tom Bailey, HANetf

Die jüngsten Ereignisse in Venezuela sorgen für Bewegung an den europäischen Aktienmärkten, insbesondere bei Rüstungswerten. Aus Sicht von HANetf-Researchchef Tom Bailey ist dies weniger eine kurzfristige Reaktion als Ausdruck tieferliegender geopolitischer Verschiebungen. Für Europa rückt damit eine unbequeme Frage erneut in den Mittelpunkt.

„Europäische Rüstungswerte sind heute zu Handelsbeginn deutlich gestiegen, darunter Titel wie BAE-Systems und Rheinmetall. Zwar dürfte der militärische Einsatz der USA in Venezuela die weltweite Rüstungsnachfrage für sich genommen kaum verändern, doch sie verstärkt mehrere der Trends, die den europäischen Wiederaufrüstungsprozess derzeit prägen.

Die Vorgänge in Venezuela lassen sich mit der jüngst veröffentlichten Nationalen Sicherheitsstrategie der USA verbinden, in der die Trump-Regierung den Anspruch des Landes auf Dominanz in der westlichen Hemisphäre erneut betont. Venezuela wird darin als potenzieller Stützpunkt für chinesische, russische und iranische Interessen dargestellt. Die Kehrseite dieser neuen ‚Neo-Monroe-Doktrin‘ ist jedoch eine relative Herabstufung europäischer Sicherheitsbelange – verbunden mit einem stärkeren Fokus auf ‚diplomatische Stabilität‘ gegenüber Russland.

Für europäische Entscheidungsträger und Investoren unterstreicht dies die Notwendigkeit, Verteidigungsausgaben und industrielle Kapazitäten zu erhöhen. Die Marktreaktion deutet darauf hin, dass Anleger zunehmend ein Szenario einpreisen, in dem Europa einen größeren Teil seiner Sicherheitsverantwortung selbst tragen muss – nicht nur aufgrund von Russland, sondern auch wegen wachsender Zweifel an der Verlässlichkeit amerikanischer Zusagen innerhalb der NATO.

Diese Unsicherheit wird durch Donald Trumps erneutes Interesse an Grönland zusätzlich verstärkt. Auch wenn der weitere Verlauf kaum vorhersehbar ist, schafft allein die Aussicht, dass das mächtigste Mitglied der NATO ein Territorium eines kleineren Verbündeten erwerben möchte, eine neue, beunruhigende Quelle der Instabilität für die europäische Sicherheitsordnung. Vor diesem Hintergrund erscheinen die von den europäischen Regierungen im Jahr 2025 eingegangenen Verpflichtungen zu Verteidigungsausgaben zunehmend struktureller und nicht mehr nur zyklischer Natur – und dürften daher kaum zurückgenommen werden.“

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