Vermögensverwalter Nikolaus Braun: „Das passiert, wenn man Finanzpornografie konsumiert“

Nikolaus Braun
Foto: Neunundvierzig Honorarberatung
Nikolaus Braun

Ein breit gestreutes ETF-Portfolio plus europäische Staatsanleihen: Mehr braucht es aus Sicht von Vermögensverwalter Nikolaus Braun für viele Anleger nicht. Im „Spiegel“ wirbt er für Einfachheit und kritisiert zugleich trendgetriebene Depots.

„Machen Sie es sich so einfach wie möglich“, rät Braun Anlegerinnen und Anlegern im „Spiegel“-Interview. „Um den Aktienmarkt abzudecken, reicht ein breit aufgesteller ETF, der sich am Welt-Aktienindex ‚MSCI All Country World IMI‘ orientiert. Damit deckt man Industrie- und Schwellenländer nach Marktkapitalisierung ab, inklusive kleiner und mittlerer Unternehmen. Wenn man das mit einem Indexfonds für europäische Staatsanleihen kombiniert, ist man gut aufgestellt.“

Dieses Zwei-ETF-Portfolio sei im Prinzip gut genug und allermal besser als das, was viele Selbstentscheider im Depot haben. „Da finden sich alle Modethemen der Finanzbranche: KI, erneuerbare Energien, Cannabis. Und nichts davon liefert wirklich verlässliche Renditen. Das passiert, wenn man Finanzpornografie konsumiert und sich jeweils den neuesten Quatsch von Bank oder Marketing andrehen lässt. Da nehme ich doch lieber das einfache ETF-Portfolio“, so Braun.


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Braun bedauert, dass viele Menschen von der Angst getrieben sind, Geld zu verlieren: „Diese Angst ist omnipräsent, vor allem In Deutschland. Denken Sie nur an die deutsche Obsession für Versicherungen. Viele Leute versichern sogar ihre Handys, obwohl sie sich problemlos ein neues Smartphone leisten können, wenn das alte auf den Boden fällt.“ Verlustaversion werde vielen Menschen auch am Kapitalmarkt zum Verhängnis, betont Braun. „Dabei ist es egal, ob sie die globale Finanzkrise 2008, die Coronapandemie oder die Trump-Zölle nehmen, die Börsen haben sich immer wieder erholt.“

Kritisch blickt Braun auch auf den sogenannten „German Dream“: irgendwie im gelobten Land des Ruhestands anzukommen, mit möglichst viel Geld. „Ein Narrativ, das nur zu gern von der Finanzindustrie bedient wird: ‚Maximiere dein Endvermögen!‘ Konsequent zu Ende gedacht, heißt das aber: Ich bin am reichsten, wenn ich tot bin. Das ist für mich kein kluger Umgang mit Geld.“

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