Vivida Bkk und BKK Scheufelen stoppen geplante Kassenfusion

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Hände schließen einen Papierordner mit Fusionsunterlagen in einem Büro mit seitlichem Fensterlicht.
KI-generiertes Bild (OpenAI, gpt-image-2.5-sunburst): Der Ordner wird zugeklappt
In der Vorbereitungsphase zeigte sich laut vivida bkk, dass sich die erwarteten Vorteile der Fusion nicht ausreichend einstellten.

Die vivida bkk und die BKK Scheufelen haben ihre für Januar 2027 geplante Fusion abgesagt - knapp drei Monate nach der Ankündigung. Welche Begründung die Kasse nennt, welche Kassenfusionen weiterlaufen und was eine Expertenkommission vom Sparmodell Fusion hält.

Die Vivida BKK und die BKK Scheufelen fusionieren nicht. Beide Kassen haben den für den 1. Januar 2027 geplanten Zusammenschluss endgültig abgesagt. Das teilten sie am 12. Oktober 2026 per Pressemitteilung mit. Damit bleibt die vivida bkk eigenständig, ebenso die BKK Scheufelen.

Zur Begründung verweist die Vivida auf die Erfahrungen aus der Vorbereitungsphase. „Im Verlauf der Vorbereitungen hat sich gezeigt, dass sich die mit der Fusion verbundenen Erwartungen nicht in ausreichendem Maße erfüllen lassen“, heißt es in der Mitteilung der Kasse. Konkretere Gründe nennt sie nicht.

Fusion der vivida bkk war zum 1. Januar 2027 geplant

Die Verwaltungsräte beider Kassen gaben im Juli 2026 den Startschuss für die Vorbereitung der Fusion. Am 24. Juli 2026 machten die Vivida BKK und die BKK Scheufelen ihre Pläne öffentlich. Gemeinsam wären sie auf rund 376.000 Versicherte gekommen. Die Vivida BKK zählte damals etwa 310.000, die BKK Scheufelen rund 66.000 Versicherte.

Einen gemeinsamen Zusatzbeitrag hatten die beiden Kassen nicht festgelegt. Zuletzt erhob die vivida bkk einen Zusatzbeitrag von 3,79 Prozent, die BKK Scheufelen von 3,99 Prozent. Hinzu kommt jeweils der Grundbeitrag von 14,6 Prozent.

Zweite geplatzte Fusion unter Betriebskrankenkassen in diesem Jahr

Schon zuvor war in diesem Jahr ein Zusammenschluss gescheitert: Am 5. Mai 2026 stoppte BIG direkt gesund die geplante Fusion mit der Salus BKK. Verwaltungsratsvorsitzender Helmut Krause erklärte dazu, es sei der Kasse wichtig gewesen, die Situation im Vorfeld realistisch zu bewerten. Zudem habe man eine nachhaltig tragfähige Entscheidung treffen wollen.

Linnemann hält an Plänen für weniger Krankenkassen fest

Beide Absagen ereignen sich zu einem Zeitpunkt, an dem von politischer Seite eine Verringerung der Zahl gesetzlicher Krankenkassen gefordert wird. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) führt das Amt seit dem 29. Juli 2026. Er folgte auf Nina Warken, die ins Bundeskanzleramt wechselte. Im August 2026 bekräftigte er im Interview mit der „Bild am Sonntag“ seine Forderung nach weniger Kassen. Die Zahl soll von 93 auf zehn bis 20 sinken, außerdem fordert er eine Mindestversichertenzahl von einer Million je Kasse. „Ich bleibe bei dem, was ich gesagt habe. Davon nehme ich nichts zurück“, sagt Linnemann.

Nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes gab es zum Stichtag 1. Januar 2026 bundesweit 93 gesetzliche Krankenkassen. 1970 zählte der Verband noch 1.815 Kassen, im Jahr 2000 waren es 420. Die Zahl sinkt damit seit Jahrzehnten.


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Expertenkommission bezweifelt Spareffekt durch weniger Kassen

Die von der Bundesregierung berufene Finanzkommission Gesundheit legte Anfang April 2026 ihren Abschlussbericht vor. Das rund 483 Seiten starke Papier enthält 66 Vorschläge zur Stabilisierung der GKV-Finanzen. Zu einer Einheitskasse oder einer verpflichtenden Verringerung der Kassenzahl riet das Gremium allerdings nicht. Stattdessen verweist die Kommission darauf, dass die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen nur rund vier Prozent der Gesamtausgaben der GKV ausmachen.

Als Beispiel dient der Kommission Österreich. Nachdem die österreichischen Gebietskrankenkassen 2020 zur Österreichischen Gesundheitskasse zusammengelegt wurden, kletterten dort die Verwaltungskosten innerhalb kurzer Zeit erheblich. Laut Kommission lag dieser Zuwachs deutlich über dem Niveau, das die deutsche GKV im gleichen Zeitraum verzeichnete.

Diese Kassenfusionen laufen trotz der Absagen weiter

Andere Zusammenschlüsse gehen unterdessen weiter. Mehrere Zusammenschlüsse von Betriebs- und Innungskrankenkassen stehen bereits fest oder sind schon umgesetzt:

KassenStatusTerminVersicherte danach
BKK firmus und Heimat Krankenkasseangekündigt (21. August 2026)1. Juli 2027rund 1,2 Millionen
BKK Pfalz und mkk - meine krankenkasseangekündigt (10. Juli 2026), BAS-Genehmigung steht noch aus1. Januar 2027rund 660.000
IKK Brandenburg und Berlin / IKK gesund plusvollzogen1. Oktober 2026rund 600.000
Quelle: Heimat Krankenkasse, meine-krankenkasse.de, IKK Brandenburg und Berlin, eigene Zusammenstellung

Bei BKK Firmus und Heimat Krankenkasse bleiben nach Angaben der Kassen alle rund 260 Arbeitsplätze und sämtliche Geschäftsstellen erhalten, einschließlich des Bielefelder Hauptsitzes. Andree Leniger, Vorstand der Heimat Krankenkasse, spricht von einer Vereinigung, die Stabilität und Zukunftsfähigkeit für Versicherte und Mitarbeitende schaffe. Ähnlich argumentiert Andreas Erb von der BKK Pfalz: Krankenkassen schlössen sich dort zusammen, wo das wirtschaftlich und organisatorisch sinnvoll sei.

Welche Krankenkassen fusionieren 2027?

Für 2027 sind bislang zwei Zusammenschlüsse angekündigt. BKK Pfalz und MKK - meine krankenkasse wollen zum 1. Januar 2027 fusionieren, BKK Firmus und Heimat Krankenkasse zum 1. Juli 2027. Die Fusion der Vivida BKK und BKK Scheufelen zum 1. Januar 2027 findet dagegen nicht statt.

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