Investoren haben weiterhin großes Interesse an der Nachhaltigkeits-Prüfung von Unternehmen – zumindest, wenn diese auf ihrer Einkaufsliste stehen. Denn laut Kunden und Prospects erhöht die Berücksichtigung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsfragen im detaillierten Analyseprozess des Zielunternehmens (Due Diligence) den langfristigen Erfolg von Unternehmenstransaktionen.
Reges Interesse an Green Energy Deals
Die Nachhaltigkeits-Prüfung findet bei Investitionen im Infrastrukturbereich daher in der Zwischenzeit immer mehr Beachtung – allen anders lautenden Behauptungen zum Trotz: Finanzparameter allein reichen zur Beurteilung heute bei Weitem nicht mehr aus. Aus zahlreichen Gesprächen mit Investoren, Fonds und Investmentbanken wissen wir: Selbst, wenn es auf der politischen Ebene zu einer Abschwächung des Drucks auf die Wirtschaft kommt, bleiben CO2-Neutralität und erneuerbare Energien für diese Akteure ein großes Thema.
Vor allem im Bereich grüne Energie und regenerative Stromerzeugung sehen wir einen ungebrochenen Deal Flow und Investitionsbedarf – seit dem Konflikt in der Ukraine ist dies das treibende Thema. Und auch hier entscheidet unter anderem eine positive Climate Due Diligence mit darüber, ob ein M&A-Deal zustande kommt oder nicht: Wer heute einen Windpark kauft, möchte wissen, welche klimatischen Auswirkungen am Standort in den nächsten Jahrzehnten zu erwarten sind.
So müssen Investoren heute etwa berücksichtigen, ob zunehmende Sturmstärken die Lebensdauer von Windturbinen verkürzen, ob vermehrte Hagelereignisse die Unversehrtheit von Solarparks beeinflussen oder ob Überflutungsrisiken kritische Netzinfrastruktur gefährden. Solche physischen Klimarisiken beeinflussen zunehmend die Wirtschaftlichkeit, Versicherbarkeit und das Ertragsprofil eines Projekts.
Aufwändige Prognosen zur Risikobewertung
Die wachsende Bedeutung des Themas geht mit aufwändigen Analysen und Modellrechnungen über Zeiträume von Jahrzehnten einher.Insbesondere während der typischen Haltedauer der meisten Vermögenswerte von 5 bis 10 Jahren stellt sich die Frage, wie hoch die Wahrscheinlichkeiten für gravierende Schadensereignisse im kommenden Jahrzehnt sind. Denn Käufer handeln vorausschauend und berücksichtigen, dass auch der nächste Käufer beim Exit eine klare Einschätzung der langfristigen ‚climate resilience‘ einfordert.
Ein Climate Risk Assessment untersucht etwa auf Basis wissenschaftlicher Klimaprognosen, wie sich die Umwelt in einer bestimmten Region in den nächsten 50 Jahren verändern wird, welche Wahrscheinlichkeiten es in der nächsten Dekade für große Schadensereignisse gibt – und welche Risiken sinnvollerweise versichert werden sollten. Investoren erwarten zudem zunehmend eine detaillierte Quantifizierung dieser physischen Risiken – etwa möglicher Schadenskosten oder Ertragsausfälle, Cashflow oder Capex Auswirkungen – um deren finanzielle Relevanz im Deal besser beurteilen zu können. Die Ergebnisse fließen heute direkt in Bewertungsmodelle und Kaufpreisverhandlungen ein. Gleichzeitig rückt die Versicherbarkeit in den Fokus: In Regionen mit hohem Überflutungs‑, Hagel‑ oder Starkwindrisiko kann die Nicht-Versicherbarkeit des Assets oder ein unzureichender Versicherungsschutz den Deal unter Umständen verzögern.
Aber auch die Emissionen des Projekts selbst und seine Einflüsse auf die Umwelt sind Gegenstand der Bewertung. Das gilt umso mehr für Konzerne und Investoren, deren Geschäftsmodell noch fossile Energieträger einschließt. Die Unternehmen haben sich Ziele gesetzt, auf deren Einhaltung Aktionäre, Investmentbanken und andere Akteure nun zunehmend schauen. Wer das ignoriert, könnte in den nächsten Jahren negative Auswirkungen auf die getätigten Investitionen erfahren. Denn auch Geldgeber – von Private Equities bis Banken – müssen Richtlinien und gegebene Zusagen gegenüber ihren Anlegern einhalten.
Due Diligence für Klimarisiko bei landwirtschaftlichen Assets
Kürzlich beriet Aon einen Finanzinvestor im deutschsprachigen Raum, der vor einer Übernahme eines landwirtschaftlichen Vermögenswertes eine Bewertung akuter und permanenter Klimarisiken benötigte. Für den Investor war diese Quantifizierung essenziell, um ein valides Angebot abgeben zu können. Zur Gefahrenbewertung haben wir interne und externe Klimamodelle sowie Daten aus der Forschung eingesetzt. Unser Bericht identifizierte Dürre, Feuer und Hitze als Hauptrisiken in einem Szenario für 2040 und prognostizierte sinkende Erträge bis 2070. Diese Ergebnisse wurden in das Finanzbewertungsmodell des Käufers integriert, insbesondere um Anpassungen an künftige Erträge und Betriebskosten vorzunehmen. Zudem haben wir eine parametrische Versicherung zur Risikoabsicherung empfohlen.
Klimabedingte Wertminderungsrisiken
Einen ähnlichen Prozess haben wir jüngst mit einem britischen Alternative Investment Manager aus dem Infrastrukturbereich durchgeführt. Zur fundierten Bewertung physischer Klima- und Übergangsrisiken sowie zur Identifikation potenzieller Chancen haben wir sein Portfolio umfassend analysiert. Die Untersuchung umfasste mehr als 350 Standorte mit einem Gesamtwert von mehreren Milliarden US-Dollar.
Die Ergebnisse bis zum Jahr 2050 zeigten, dass etwa ein Prozent des gesamten Vermögenswerts durch physische Klimarisiken gefährdet ist. Als wesentliche Faktoren stellten sich hierbei Wasserstress und Temperaturextreme heraus. Das dominierende Übergangsrisiko im gesamten Portfolio bildete die CO2-Bepreisung. Demgegenüber standen durch den Klimawandel induzierte Chancen in einem äußerst niedrigen Gesamtwert. Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse wurde diese Analyse in einer zweiten Projektphase auf den gesamten Private-Equity-Bereich des Unternehmens ausgeweitet.
Investoren brauchen „Deal-Enabler“
Dass Nachhaltigkeits- und Klimaschutz-Anforderungen mittelfristig zurückgenommen und das Tempo in der EU verlangsamt wird, ist zwar möglich, aber: Regulierung funktioniert nur dort, wo sie im Einklang mit der Wirtschaftsleistung steht. In Zeiten der Rezession werden Prioritäten oft neu definiert, es werden vielleicht das eine oder andere Ziel in die Zukunft verlagert. Am Ausbau erneuerbarer Energien geht aber kein Weg vorbei. Wir sehen im Moment das mit Abstand größte Investitionsaufkommen im Bereich von Infrastrukturprojekten: Von Stromnetzen und Windparks über Batterie- und Speichersysteme bis hin zu Wasserstoff und LNG.
Damit sich dieser Trend fortsetzt, brauche es neben günstigen Rahmenbedingungen vor allem viel Fachkenntnis und das notwendige Bewertungs- und Prognosewissen, um Investitionen und Transaktionen abzusichern: Dieses Wissen ist für Unternehmen intern in aller Regel nicht darstellbar. Wir sehen uns daher in der Rolle des Deal-Enablers. Unsere Erfahrung, etwa im Climate Risk Assessment, in dem Aon seit Jahrzehnten mit einem Multi-Modell-Ansatz arbeitet, der Dutzende branchenführender Modelle umfasst, um die Auswirkungen von Klimarisiken auf Vermögenswerte zu quantifizieren, hat sich als wichtiger Beitrag zur Transformation im Energie-Sektor erwiesen.
Von Ana Serdarevic, Head of M&A Transaction Advisory Services Central Europe bei Aon und Ulf Cramer, Head of M&A and Transaction Solutions Central Europe bei Aon













