Der Kryptoausverkauf nach der Nominierung von Kevin Warsh als nächster Fed-Vorsitzender trifft auf eine ohnehin schon unter Druck stehende Assetklasse. Eine Erholung ist alles andere aus ausgemacht, analysiert Manuel Villegas Franceschi, Next Generation Research bei Julius Bär:
Das Jahr beginnt schlecht für Krypto-Händler: mit zweistelligen Verlusten bei allen relevanten Vermögenswerten. Überall wurden gehebelte Long-Positionen liquidiert – am Samstag war die größte Anzahl an Liquidationen seit dem Debakel im Oktober zu verzeichnen, mit mehr als 300.000 Positionen. Dabei ist auffällig, dass dies in einem Monat geschah, der durch die niedrigsten Volumina bei Bitcoin- und Ethereum-Futures seit weit über einem Jahr gekennzeichnet war.
Die Fundamentaldaten der Kryptowährungen sind nicht gerade glänzend. Die Marktstruktur hat sich seit Oktober bereits stark abgeschwächt, und zum Auslöser für den Kryptoabsturz wurde die Nominierung von Kevin Warsh zum Vorsitzenden der Federal Reserve. Der Markt sieht in ihm einen Falken, und seine berüchtigten Gastkommentare in diversen Medien, in denen er Maßnahmen zur quantitativen Lockerung öffentlich kritisiert, widerlegen diese Hypothese nicht. Eine verkleinerte Fed-Bilanz wird weder für Kryptowährungen noch für Risikoanlagen Rückenwind bieten, und ein teilweiser Shutdown der Regierung dürfte weitere Liquidität aus dem System abziehen. Bitcoin reagierte wie ein Mr. Hyde mit hohem Aktien-Beta, nicht wie ein bequem gepolsterter Dr. Jekyll.
Die sinkende Nachfrage nach Kryptowährungen Ende letzter Woche führte zu Nettoabflüssen von fast zwei Milliarden US-Dollar aus US-Spot-Bitcoin-ETFs. Das Tüpfelchen auf dem i waren die Rücknahmen von Stablecoins, die wir auf über vier Milliarden US-Dollar für die wichtigsten Stablecoins beziffern. Politische Schlagzeilen und eine Neubewertung einer Vielzahl von Tail-Risiken auf den Prognosemärkten belasten weiterhin die Risikobereitschaft.
Wir gehen davon aus, dass Kryptowährungen weiterhin sehr empfindlich auf die Top-down-Faktoren reagieren werden, die derzeit die Finanzmärkte dominieren. Rückgänge bei US-Aktien dürften kurzfristig ein ähnliches Schicksal für die Kryptopreise bedeuten. Insgesamt raten wir zur Vorsicht bei der Jagd nach einer Rückkehr zum Mittelwert bei Altcoins, da sich die Fundamentaldaten weitgehend verschlechtert haben und das Top-down-Umfeld nach wie vor komplex ist.










