Zwischen Pflicht und Vorsorge: Wie sich der Versicherungsbedarf in Deutschland verändert

Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV
Foto: GDV
Jörg Asmussen: “Die Menschen in Deutschland legen großen Wert auf Sicherheit, das zeigt sich besonders in der Schaden- und Unfallversicherung."

Die Absicherung privater Haushalte in Deutschland bleibt auf einem hohen Niveau, verschiebt sich jedoch in ihrer Struktur. Das zeigt eine Auswertung des GDV.

Die Absicherung privater Haushalte in Deutschland bleibt auf einem hohen Niveau, verschiebt sich jedoch in ihrer Struktur. Das geht aus einer aktuellen Auswertung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf Basis der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2023 hervor. Die alle fünf Jahre erhobenen Daten zeigen: Kurzfristige und konkrete Risiken rücken stärker in den Fokus.

„Die Menschen in Deutschland legen großen Wert auf Sicherheit, das zeigt sich besonders in der Schaden- und Unfallversicherung. Mit einem Anteil von rund 90 Prozent ist die Verbreitung der privaten Haftpflichtversicherung sehr hoch“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. „Heute schützen sich die Menschen umfassender vor alltäglichen und existenziellen Risiken. Daran sieht man, welchen Stellenwert finanzielle Sicherheit für viele Haushalte hat.“

Die Ergebnisse verdeutlichen eine stabile, insgesamt breite Absicherung, gleichzeitig aber auch eine Verschiebung hin zu Policen, die unmittelbare Risiken abdecken. Besonders im Bereich der Schaden- und Unfallversicherung zeigt sich eine hohe Marktdurchdringung.

Hohe Verbreitung bei Alltagsrisiken

Die private Haftpflichtversicherung bleibt die am weitesten verbreitete freiwillige Absicherung. Auch Kfz-Versicherungen mit 81,2 Prozent sowie Hausratversicherungen mit 78 Prozent erreichen hohe Werte. Auffällig ist die Entwicklung bei jüngeren Haushalten: Hier legt insbesondere die Haftpflichtversicherung spürbar zu und etabliert sich zunehmend früh im Lebensverlauf als grundlegender Schutz.

Auch Rechtsschutzversicherungen gewinnen an Bedeutung. Mittlerweile verfügt nahezu jeder zweite Haushalt über eine entsprechende Police. „Risiken werden zunehmend ernst genommen, eine breitere Basisabsicherung wird zur Selbstverständlichkeit“, sagt Asmussen.

Altersvorsorge verliert an Dynamik

Im Gegensatz dazu zeigt sich bei der privaten Altersvorsorge ein rückläufiger Trend. Kapitalbildende Lebensversicherungen verlieren deutlich an Bedeutung und sinken von rund 32 Prozent auf unter 28 Prozent. Auch staatlich geförderte Produkte wie Riester- und Basis-Rentenversicherungen gehen leicht zurück und liegen bei 27 Prozent. „Die Ergebnisse zeigen: Durch starre Garantien, wenig Flexibilität und ein geändertes Zinsumfeld haben Vorsorgemöglichkeiten wie Riester zunehmend an Attraktivität verloren“, sagt Asmussen.


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Stabil bleibt hingegen die private Rentenversicherung mit etwa 23 Prozent. Leichte Zuwächse verzeichnen biometrische Absicherungen: Die Berufsunfähigkeitsversicherung steigt auf 26,7 Prozent, Risikolebensversicherungen auf 18,7 Prozent.

Reform der Altersvorsorge im Fokus

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung bewertet der Verband das Altersvorsorgereformgesetz als wichtigen Schritt. Ziel sei es, die staatlich geförderte private Vorsorge durch mehr Flexibilität und einfachere, digital zugängliche Produkte attraktiver zu machen.

„Die Reform ist ein überfälliger Modernisierungsschritt. Sie kann die zusätzliche Altersvorsorge attraktiver machen. Entscheidend ist aber, dass für staatliche und private Angebote die gleichen Regeln gelten“, sagt Asmussen. „Kritisch ist, dass der Staat erstmals selbst als Anbieter auftritt. Wenn staatliche Angebote strukturelle Vorteile haben, droht eine Verzerrung des Wettbewerbs.“

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