Generali/Commerzbank-Kooperation: Steinbrück soll vermitteln

Die Generali-Versicherung hat das Bundesfinanzministerium gebeten, sich für eine Verlängerung der auslaufenden Vertriebskooperation mit der Commerzbank einzusetzen.

Beide Unternehmen arbeiten im Rahmen einer auf zehn Jahre angelegten Exklusivpartnerschaft zusammen, die jedoch nach der Übernahme der Dresdner durch die Commerzbank auf eine Belastungsprobe gestellt wurde. Der Grund: Die Dresdner verkauft als ehemalige Allianz-Tochter exklusiv deren Produkte. Ab September 2010 werden auch über die Schalter des fusionierten Geldhauses ausschließlich Allianz-Produkte angeboten, die Generali guckt dann in die Röhre.

Ab 2010 nur noch Allianz-Produkte im Vertrieb

Vor diesem Hintergrund hat sich Generali-Leben-Chef Jörn Stapelfeld in einem Brief an Finanzminister Peer Steinbrück gewendet. Stapelfeld bittet in dem Schreiben um ein Gespräch, in dem eine Lösung eruiert werden soll, nach der beide Versicherer ihre Produkte ab kommendem Jahr parallel über die Commerzbank-Filialen vertreiben könnten.

Der Bund ist aufgrund von Rettungsaktionen im Zuge der Finanzkrise mit rund 25 Prozent an der Commerzbank beteiligt. Mit zwei Vertretern im Aufsichtsrat des Instituts könnte die Regierung durchaus Einfluss nehmen, bislang erklärte sie aber stets, sich aus dem operativen Geschäft heraushalten zu wollen.

Stapelfeld will duale Vertriebslösung durchsetzen

Ein Generali-Sprecher betonte indes gegenüber cash-online, dass es sich bei Stapelfelds Ersuchen keineswegs um eine Aufforderung an Steinbrück handele, Druck auszuüben und in den Wettbewerb einzugreifen. Es ginge lediglich darum, einen Weg zu finden, von dem alle Beteiligten etwas haben. Der Staatseinstieg bei der Commerzbank habe den Versicherungsmarkt zu Ungunsten der Generali beeinflusst und die Wettbewerberin Allianz finanziell gestärkt.

Bei der Commerzbank hält man sich unterdessen bedeckt, zeigt aber wenig Verständnis für Stapelfelds Vorpreschen, zumal der Kooperationsvertrag Ende September 2010 ohnehin regulär auslaufe. Zu eventuellen Klauseln oder Verlängerungsoptionen der ursprünglich längerfristig angelegten Zusammenarbeit wollte sich ein Unternehmenssprecher nicht äußern.

Bilanzkosmetischer Spielraum auf der Kippe…

Abgesehen davon, dass die Commerzbank für die Generali ein wichtiger Vertriebskanal ist, gibt es bei der Kooperation einen weiteren entscheidenden Aspekt, der ausschlaggebend für Stapelfelds Aktion sein könnte: Der Versicherer hält rund 56 Millionen der Commerzbank-Aktien, das entspricht fünf Prozent des Stammkapitals. In ihren Geschäftszahlen für 2008 hat die Generali ihre Commerzbank-Anteile mit einem Kurs von 14 Euro pro Aktie gebucht. Der tatsächliche Wert lag damals aber bei 6,64 Euro.

Wirtschaftsprüfer und die Finanzaufsicht BaFin erlauben der Assekuranz bei der Bilanzierung Abweichungen von bis zu 20 Prozent zwischen Markt- und Buchwert. Damit haben sie ihren Toleranzrahmen, der zuvor bei zehn Prozent lag, bereits ausgeweitet, um der Branche in der aktuellen Krise Luft zu verschaffen.

…ohne Kooperation drohen hohe Abschreibungen

Dennoch liegt die Generali über dem Limit. Das ist solange erlaubt, wie es sich bei Kapitalanlagen um strategische Investments handelt, was bei Beteiligungen im Rahmen von Kooperationsverträgen von Aufsehern und Prüfern als gegeben angenommen wird.

Kommt es zum Ende der Produkt-Partnerschaft, besteht der kosmetische Bilanzierungsspielraum allerdings nicht mehr. Aufgrund der Kursverluste des Commerzbank-Papiers droht der Generali dann hoher Abschreibungsbedarf. (hb)

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