26. Juli 2011, 11:30
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Kommen und Gehen: Neugründungen und ihr Ende

Immer wieder verschwinden schon wenige Jahre nach der Gründung Vertriebe, Haftungsdächer und Pools vom Markt – einige mit großem Getöse, andere fast unbemerkt. Cash. nennt die Gründe und stellt einige Fälle vor.

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Text: Katja Schuld

Viele Unternehmen überstehen die ersten Jahre nach ihrer Gründung nicht. Einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) aus dem Jahr 2010 zufolge, haben im Zeitraum 2000 bis 2008 im Durchschnitt jährlich zwischen 60.000 und 75.000 junge Unternehmen, die nicht älter als fünf Jahre sind, den Markt wieder verlassen beziehungsweise verlassen müssen.

Auch die Branche der Finanzdienstleister ist davon nicht ausgenommen. Die Gründe für die Schließung sind indes vielfältig. Bei den einen passt das Geschäftsmodell nicht mehr, über anderen kreist der Pleitegeier, weil sie sich schlichtweg verpokert haben.

Letzteres ist öffentlichkeitswirksam dem Kasseler Spezialvertrieb für private Krankenversicherungen zum Verhängnis geworden. 2003 gründete Mehmet E. Göker mit damals 23 Jahren das Unternehmen MEG. Jahrelang brummte es, 2008 wurde das Geschäftsmodell umgestellt und alle Berater bekamen ein festes Grundgehalt plus Provisionen.

Das Ende der Ära Göker begann im September 2009, als er sich aus dem Geschäft zurückzog und seinen Posten als Vorstandsvorsitzender abgab, aber zunächst Alleinaktionär der Firma blieb. Finanzvorstand Michael Kopeinigg übernahm das Ruder.

Man wolle „mit diesen Maßnahmen an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen, um auch in Zukunft neue Maßstäbe in dieser Branche setzen zu können“, verkündete MEG. Damit war es schon bald vorbei. Der Wiesbadener Finanzkonzern Aragon, zu dem unter anderem der Maklerpool Jung, DMS & Cie. und die Beteiligungsplattform Bit Treuhand gehören, kaufte Ende September den Vertrieb. Das Ziel: im Markt für private Krankenversicherungen angreifen. Bereits einen Monat später war MEG insolvent, Aragon musste feststellen, dass eine Sanierung nicht mehr möglich war – und das lag nicht nur daran, dass Berater festangestellt waren.

Das Unternehmen hatte mehr als 16 Millionen Euro Schulden angehäuft. Die Rettung des Vertriebs scheiterte letztlich daran, dass die Versicherer für neu abgeschlossene Verträge nicht mehr zahlen wollten und stattdessen eine Verrechnung mit ihren Provisionsvorschüssen in Millionenhöhe forderten – die Storno-Quote der verkauften Versicherungen lag bei 70 Prozent.

Seite 2: Zwei auf einen Streich

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2 Kommentare

  1. Der Niedergang der anfangs genannten MEG AG begründete sich vor allem auf das auf Scheinselbständigkeit beruhende sog. “Geschäftsmodell”, was dem Geschäftsführer 720 Tagessätze vor Gericht kostete… U.a. wegen Beitragshinterziehung.

    Der schnelle Aufstieg war also haupsächlich auf wackligen Beinen aufgebaut – Noch heute laufen Verfahren gegen M. Göker, wegen Untreue und Insolvenzverschleppung.

    Kommentar von Marius K. — 16. August 2011 @ 16:33

  2. Das Problem der freien Vertriebe währt viel länger, also zeitlich von ihrem Artikel erfasst. Die Gründe liegen nicht darin, dass im freien Vertrieb zu wenig verdient wird, sondern in der Erkenntnis, dass der freie Vertrieb keine Mehrleistung gegenüber gebundenen Vertrieben garantieren kann. Diese Mehrleistung wird zwar von vielen Vertrieben behauptet, aber offenbar erleben die Kunden dies anders. So wenden sie sich größeren Institutionen zu, von denen sie mehr Sicherheit erwarten. Die Strategie der freien Vertriebe sollte daher nicht auf Größe ausgelegt sein, sondern auf Qualität. Dass es dazu keine Alternative gibt, wird nun immer klarerer, da auch die rechtlichen Bedingungen immer enger gefasst werden. Aber diese Qualität verlangt Anforderungen an das Vertriebspersonal, die weitaus höher sind als heute angeboten. Finanzierbar ist der Wandel nur dann, wenn das Leistungsspektrum der freien Vertriebe ausgebaut wird und auch honorarpflichtige Dienstleistungen angeboten werden, ohne auf provisionsverbundene Dienstleistungen zu verzichten. Die professionellen Makler weisen dazu den Weg. Dazu bedarf es rechtlicher Rahmenbedingungen, die nicht zwischen Berater und Vermittlern trennen, etwa durch ein Berufsbild, das Honorarberater und vermittelnde Berater gegenseitig ausschließt. Honorar und Provision ergänzen sich, je nach Art der erbrachten Dienstleistung.

    Kommentar von Dr. Wolfgang Warth — 16. August 2011 @ 12:29

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