Anzeige
Anzeige
25. Oktober 2012, 13:35
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

„Zu viel Transparenz ist kontraproduktiv“

Cash hat mit Norman Wirth, Vorstand des AfW, über die Bestrebungen der EU die Provisionsoffenlegung zu etablieren, gesprochen.

AfW-Wirth in „Zu viel Transparenz ist kontraproduktiv“

Das Interview führte Julia Böhne, Cash.

Cash.: Wie beurteilen Sie den Entwurf zur Überarbeitung der EU-Versicherungsvermittler-Richtlinie?

Wirth: Der Entwurf ist – wie der Name schon sagt – bisher nur ein Entwurf, der zur Diskussion gestellt ist, in 27 EU-Staaten. Zudem ist er in diesem Umfang nicht mehr als Überarbeitung zu bezeichnen. Das ist eine völlig neue Richtlinie.

Viele Punkte sind zu begrüßen, wie beispielsweise die Einbeziehung der Direktversicherer in die Regelungen der bisherigen Richtlinie. Diverse Punkte sind jedoch äußerst problematisch und diskutabel, wie die Weiterbildungspflicht und die Provisionsoffenlegung in Euro und Cent.

Cash.: In den Niederlanden und Großbritannien gelten ab 2013 Provisionsverbote. Wäre eine solche Regelung auch in Deutschland denkbar?

Wirth: Denkbar ist alles. Wünschenswert kann eine daraus entstehende Honorarberatungspflicht-Regelung jedoch nicht sein. Einkommensschwächere Bevölkerungsschichten, welche am meisten auf private Altersvorsorge angewiesen sind, werden keine Honorarberatung abrufen.

In den europäischen Ländern herrschen unterschiedliche Beratungsbedingungen. Gleichmacherei sollte auch seine Grenzen haben – in diesem Falle Ländergrenzen. Verbraucherschutz erreicht man nicht mit einer vom Gesetzgeber oktroyierten Änderung des Vergütungssystems, sondern durch angemessene Transparenz, Finanzbildung der Bevölkerung und Qualifikation der Berater und Vermittler.

Cash.: Viele Versicherer weisen mittlerweile die Gesamtkostenquote aus. Inwieweit ist Ihrer Meinung nach die zusätzliche Offenlegung von Provisionen erforderlich?

Wirth: Die Provisionsoffenlegung ist nicht erforderlich. Es nutzt dem Kunden nichts, wenn er erfährt, wie viel oder wenig der Vermittler vor ihm am Tisch erhält, wenn er nicht weiß, wie viel bei gegebenenfalls vorhandenen Strukturen darüber verbleibt. Und dann stellt sich die Frage, was der Kunden mit der Informationsüberflutung anstellen kann.

Zu viel Transparenz ist kontraproduktiv. Kein Mensch liest doch die vielen, inzwischen verpflichtenden Verbraucherinformationen mehr durch.

Foto: Christof Rieken

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 6/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Berufsunfähigkeitsversicherung –Investitionen am Zweitmarkt –Personalplanung – Zweitmarkt

+ Heft im Heft: Cash.Special Investmentfonds

Ab dem 26. Mai im Handel erhältlich.

Cash.Special 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Best Ager – Rentenversicherungen – Riester-Rente – betriebliche Krankenversicherung


Ab dem 18. Mai im Handel erhältlich.

Versicherungen

Verdi will Warnstreiks

Vor der dritten Tarifrunde für die private Versicherungsbranche hat die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten auch in Niedersachsen und Bremen zu Warnstreiks aufgerufen. Damit will die Gewerkschaft am Dienstag den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen.

mehr ...

Immobilien

Risikomanagement bei Immobilienprojekten: Verband fordert einheitliche Standards

Der Bau-Monitoring-Verband (BMeV) fordert einheitliche nationale Standards beim Risikomanagement in der Projektfinanzierung. Dies könne einem deutlichen Anstieg der Kosten für Immobilienprojekte entgegen wirken.

mehr ...

Investmentfonds

Weitere Kürzung der Ölfördermengen spielt Putin in die Karten

Die Opec hat entschieden, ihre Kürzungen bei den Ölförderungen auszuweiten. David Donora, Leiter des Rohstoffbereiches bei Columbia Threadneedle Investments, sieht darin unter anderem einen Vorteil für das Nicht-Mitglied Russland.

mehr ...

Berater

Mehr Durchblick bei vermögensverwaltenden Fonds

Die MMD Multi Manager GmbH hat sich seit Jahren den Themen Transparenz und Vergleichbarkeit für Vermögensverwaltende (VV) Produkte verschrieben. Die MMD-Indexfamilie wird mit Hilfe des IT-Dienstleisters Cleversoft erweitert und vertieft.

mehr ...

Sachwertanlagen

Qatar und Saudi Arabien gehen bei Hapag-Lloyd an Bord

Die Reederei Hapag-Lloyd meldet den Vollzug der im Juli 2016 vereinbarten Fusion mit der arabischen Reederei UASC. Damit ändert sich auch die Aktionärsstruktur des Hamburger Traditionsunternehmens signifikant.

mehr ...

Recht

Kfz-Schadenregulierung: Vorsicht bei Verjährung

Wer Leistungen gegen einen Kfz-Haftpflichtversicherer geltend macht, sollte berücksichtigen, dass eine Verjährungsfrist von drei Jahren gilt. In einem aktuellen Urteil verlor ein Kläger vor dem Bundesgerichtshof, der sich mit der Verjährung verkalkuliert hatte.

mehr ...