10. Februar 2015, 14:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Die Klagen gegen Vermittler nehmen zu”

Wie viele Klagen gegen Vermittler sind Ihnen bekannt?

Ich vertrete mehr als 50 streitige Verfahren in verschiedenen Instanzen. Insgesamt dürfte es jedoch weit mehr Klage geben. Die Zahl nimmt leider weiterhin zu.

Welche Erfolgsaussichten haben Anleger Ihrer Ansicht nach mit Klagen gegen Vermittler?

Meiner Ansicht nach sind die Aussichten für Anleger in Prozessen gegen Vermittler nahe Null. Dies bestätigen auch meine Erfahrungen vor Gericht. Bislang ist es keinem Anleger gelungen einen Anspruch gegen einen von uns vertretenen Vermittler durchzusetzen.

Wir haben ausnahmslos alle Prozesse gewonnen. Vergleiche wurden auch nicht geschlossen. Die Ansprüche der Anleger scheiterten immer schon daran, dass der betreffende Vermittler nicht der richtige Anspruchsgegner war, sondern die Infinus FDI i.L..

Auch ein Prozess, der positiv für den Vermittler entschieden wird nimmt Zeit und Nerven in Anspruch. Durch wie viele Instanzen wird ein Vermittler sich verteidigen müssen?

Die Beantwortung dieser Frage ist naturgemäß ein bisschen der “Blick in die Glaskugel”. Wir haben sowohl Fälle, die mittlerweile in der zweiten Instanz geführt werden, als auch Fälle, bei denen der betreffende klagende Kunde die Sache nach dem Prozessverlust in der ersten Instanz nicht mehr weiter verfolgte. Dies dürfte maßgeblich damit zusammenhängen, ob der Kunde eine Rechtsschutzversicherung hat oder nicht.

Wenn eine Rechtsschutzversicherung die Prozesskosten in der ersten Instanz übernimmt, dann tut sie dies – nicht immer aber doch üblicherweise – auch für die zweite Instanz, also für die Berufung. Ein Kunde, der die Chance hat, nach einem verlorenen Prozess in der ersten Instanz, “sein Glück” ohne Kostenrisiko noch in der zweiten Instanz zu versuchen, der wird das regelmäßig tun. Die Erfolgsaussichten in der Berufung sind aber nicht besser.

Ist mit einer weiteren Klagewelle gegen Vermittler zu rechnen, wenn das staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren beendet ist?

Aus meiner Sicht wird die Beendigung des Ermittlungsverfahrens auf die Anzahl möglicher Klagen gegen Vermittler eher wenig Einfluss haben. Die klagenden Anleger berufen sich mehrheitlich auf Falschberatung. Selbst wenn sich nach Abschluss der Ermittlungen herausstellen sollte, dass gegen verantwortliche Personen öffentliche Anklage erhoben wird, so hätte dies keinen Einfluss auf die Erkennbarkeit der angeblich strafbaren Handlungen für die einzelnen Vermittler zum Zeitpunkt der Vermittlungen der Anlagen.

In haftungsrechtlicher Hinsicht betreffend die gebundenen Vermittler dürfte dieser Punkt also nicht relevant sein, weshalb ich nicht annehme, dass es auf das Klageverhalten der Anleger größeren Einfluss haben wird.

Interview: Julia Böhne

Foto: Peres & Partner

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Fusion der Provinzial-Versicherungen rückt näher

Die Fusion der Versicherer Provinzial Rheinland und Nordwest steht kurz vor dem Abschluss. Die Anteilseigner hätten sich auf eine Bewertung der Unternehmen und ein Fusionskonzept geeinigt, hieß es am Dienstag in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Der Schritt soll rückwirkend zum 1. Januar 2020 umgesetzt werden.

mehr ...

Immobilien

Aareal Bank übertrifft trotz Gewinnrückgang die Prognosen

Der Immobilienfinanzierer Aareal Bank hat 2019 auch wegen der Trennung von faulen Krediten in Italien wie erwartet einen Gewinnrückgang verbucht. Das Betriebsergebnis sank um 22 Prozent auf 248 Millionen Euro, wie das im MDax gelistete Geldhaus am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Damit übertraf das Unternehmen allerdings seine bereits gedämpfte Prognose und die Erwartungen von Analysten.

mehr ...

Investmentfonds

Deutscher wird Mastercard-Chef – Umsatzwarnung wegen Coronavirus

Ein deutscher Top-Manager wird neuer Vorstandschef beim US-Kreditkartenanbieter Mastercard. Der bisherige Produktvorstand Michael Miebach soll ab März zunächst die Bereiche Verkauf, Marketing, Services und Technologie verantworten und dann ab 1. Januar 2021 den Spitzenposten von Ajay Banga übernehmen. Das teilte Mastercard am Dienstag in Purchase im US-Bundesstaat New York mit.

mehr ...

Berater

DSGVO – weitere Bußgelder in Millionenhöhe?

Seit dem Inkrafttreten der DSGVO im Mai 2018 werden Datenschutzverstöße immer häufiger geahndet. Auch von der Verhängung von Bußgeldern berichten die Medien in den letzten Monaten immer wieder. Häufig handelt es sich dabei um Forderungen gegen große Konzerne wie Facebook und Google. Gilt das auch für weniger bekannte und weniger große Firmen?

mehr ...

Sachwertanlagen

RWB: Erneuter Exit-Rekord mit Cloud-Software

Der Private-Equity-Dachfonds RWB International II hat mit der Veräußerung der Anteile an dem US-Software-Unternehmen Anaplan durch einen Zielfonds einen Rückfluss von über 13 Millionen US-Dollar erzielt. Das eingesetzte Kapital wurde dabei mindestens verzehnfacht.

mehr ...

Recht

Berlins Bürgermeister für 75-Prozent-Steuer auf Gewinn bei Bodenspekulation

Bodenspekulanten in Deutschland sollen nach Meinung von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) drei Viertel ihres Gewinns an den Staat abführen müssen. Müller schloss sich am Montag der Forderung von SPD-Chef Norbert Walter-Borjans nach einer sogenannten Bodenwertzuwachssteuer an.

mehr ...