Produktrating-Flut: Fluch oder Segen?

Produktratings und -rankings können Vermittler bei der Beratung unterstützen, da sie von den Verbrauchern als verlässlichste Informationsquelle bewertet werden. Ratings erleben eine weite Verbreitung. Doch wie vertrauenswürdig sind sie?

Gastbeitrag von Prof. Dr. Rolf Tilmes, EBS Business School

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„Bedenklich ist, dass Verbraucher kaum Kenntnisse über die Bewertungskriterien und die Systematik der einzelnen Gütesiegel, Ratings und Rankings haben, was zu Fehleinschätzungen des Informationsgehaltes führen kann.“

Gütesiegel, Produktratings und -rankings stellen in der Theorie ein geeignetes Mittel dar, um bestehende Informationsasymmetrien zwischen Berater und Kunde zu überbrücken und Qualitätssignale zu senden.

So bestehen zahlreiche Gütesiegel in Form von Ratings, Rankings und Zertifikaten für Finanzprodukte bereits seit vielen Jahren und ebenso sind verschiedene neue Anbieter in den letzten Jahren hinzugekommen, die quantitative, qualitative Kriterien oder auch beides einsetzen. Dabei stellt sich aus wissenschaftlicher Sicht zunächst die Frage, welche Anforderungen Gütesiegel und die sie herausgebenden Institutionen erfüllen sollten.

Anforderungen praktisch nicht erfüllt

Eine am PFI Private Finance Institute der EBS Business School von Alexander Gerth erstellte und auch im Buchhandel erhältliche Arbeit mit dem Titel „Gütesiegel in der Wertpapieranlage: Eine Analyse der Bedeutung von Ratings, Rankings und Zertifikaten für Privatanleger aus theoretischer und empirischer Sicht“ befasst sich mit genau dieser Fragestellung.

Zentrale Erkenntnis hierbei ist, dass kaum ein Anbieter die theoretisch ableitbaren Anforderungen an ein Gütesiegel, wie zum Beispiel die finanzielle Unabhängigkeit des evaluierenden Institutes, ein Verbot widerstreitender Interessen des Prüfinstitutes, die Transparenz bei der Erhebung und den Einflussfaktoren, die Sinnhaftigkeit der gewählten Kriterien, die Objektivität und Standardisierung bei der Analyse, die Verständlichkeit der Ergebnisse, die Kontinuität, Aktualität und ex post-Kontrolle sowie die Repräsentativität, in der Praxis vollumfassend erfüllt.

Grundvertrauen zum Gütesiegel

Es muss auch davon ausgegangen werden, dass ein typischer Verbraucher Gütesiegel ohnehin nicht im Hinblick auf einen derartigen Anforderungskatalog hin überprüft, sondern einem Gütesiegel zunächst ein Grundvertrauen entgegenbringt, sofern ihm dieses Gütesiegel bekannt und reputierlich erscheint.

Seite zwei: Kaum Kenntnisse über Bewertungskriterien

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