18. April 2018, 13:42
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Bürgschaften sind keine nachträglichen Anschaffungen

Wird ein Gesellschafter im Insolvenzverfahren als Bürge für Verbindlichkeiten der Gesellschaft in Anspruch genommen, so kann er dies nicht mehr als nachträgliche Anschaffungskosten werten und somit auch nicht mehr steuermindernd geltend machen. Dies entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in einem aktuellen Urteil (Aktenzeichen: IX R 36/15). Gastbeitrag von Holger Witteler, Kanzlei Husemann, Eickhoff, Salmen & Partner

Holger-Witteler in Bürgschaften sind keine nachträglichen Anschaffungen

Holger Witteler: “Der Gedanke ‘Es wird schon alles gut gehen’ kann manch einen teuer zu stehen kommen.”

Die Entscheidung hat große Auswirkungen auf die künftige Finanzierung von Kapitalgesellschaften. Bürgschaften der Gesellschafter sind in GmbHs eine oft genutzte Möglichkeit, notwendige Bankdarlehen abzusichern.

Gerade, wenn für größere Investitionen Darlehen benötigt werden, kommt eine GmbH bei der Absicherung mit dem Stammkapital in Höhe von 25.000 Euro nicht weit. Die Banken verlangen dann zusätzliche Sicherheiten. So lassen sich viele Gesellschafter schnell darauf ein, persönlich für die Rückzahlung des Darlehens zu bürgen, denn eine Bürgschaft tut zunächst nicht weh und kostet – bis auf im Einzelfall erforderliche Notarkosten – erst einmal nichts.

Und man muss nicht die eigene Immobilie, in der die Familie lebt, als Sicherheit anbieten. Die meisten Gesellschafter gehen davon aus, nie als Bürge in Anspruch genommen zu werden. Der Gedanke „Es wird schon alles gut gehen“ kann manch einen jedoch teuer zu stehen kommen.

Bank tritt sofort an Gesellschafter heran

Kommt es nämlich zu einem Insolvenzverfahren, tritt die Bank sofort an den Gesellschafter heran, um ihr Geld einzufordern. Bislang konnte der Gesellschafter diese Inanspruchnahme aus der Bürgschaft mit seinen Einkünften – etwa aus Vermietung/Verpachtung oder aus einem Nebenjob – verrechnen und damit steuermindernd geltend machen. Dies ist nach neuer Rechtsprechung nun nicht mehr möglich.

In dem vom BFH entschiedenen Fall hatte ein Alleingesellschafter einer GmbH Bürgschaften für deren Bankverbindlichkeiten übernommen. Im Insolvenzverfahren der GmbH wurde er dann von der Gläubigerbank in Anspruch genommen, ohne seinerseits sein sogenanntes Rückgriffsrecht auf die GmbH durchsetzen zu können, denn mangels ausreichend Insolvenzmasse konnte er den Betrag nicht von der GmbH zurückfordern.

Daher wollte er seine Ausgabe auf Grundlage der bisherigen Rechtsprechung steuerlich berücksichtigt wissen. Der BFH entschied dagegen. Ein Bürge ist nach dem neuen Urteil nun nicht mehr berechtigt, seinen Rückgriffsausfall steuerlich geltend zu machen. Da hierzu bei Fachleuten unterschiedliche Rechtsauffassungen vorherrschten, ist es ein großer Schritt, dass dieser Sachverhalt erstmals höchstrichterlich entschieden wurde.

Seite zwei: Wahlrecht für bestehende Bürgschaften

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 02/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Denkmalobjekte – Betriebsrente – Digital Day 2019

Ab dem 24. Januar im Handel.

Cash. 01/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fonds Finanz – Robotik – Moderne Klassik – Finanzanalyse

Versicherungen

Neue Kapitalanlagestrategie: SDK setzt auf Immobilien

Die SDK stellt vorläufige Zahlen des Geschäftsjahrs 2018 vor. Mit einem Überschuss von 116 Millionen Euro ist das Ergebnis der Süddeutschen Krankenversicherung erneut sehr gut.

mehr ...

Immobilien

Vorsicht beim Kauf zwangsversteigerter Häuser

Im angespannten Immobilienmarkt bieten Zwangsversteigerungen die Möglichkeit, ein Haus unterhalb des Marktwertes zu erwerben. Die besonderen rechtlichen Rahmenbedingungen bergen jedoch erhebliche Risiken.

mehr ...

Investmentfonds

E-Autos: Neue Hürden verhindern Verbreitung

Die Deutschen sind in Sachen Elektromobilität sehr optimistisch. Warum es nach wie vor ein Nischenthema ist, hängt an vielen Detailfragen. Die oft noch geringe Reichweite ist nur ein Aspekt. Woran es besonders hakt, ist bislang kaum in der öffentlichen Diskussion kaum aufgetaucht.

mehr ...

Berater

Gehalt: So viel verdient Deutschland

Mit welchem Beruf zählen Fach- und Führungskräfte in Deutschland zu den Top-Verdienern und wie groß sind die regionalen Unterschiede beim Lohnniveau? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert der Step Stone Gehaltsreport 2019 mit einem Überblick über die durchschnittlichen Bruttojahresgehälter.

mehr ...

Sachwertanlagen

Lars Schnidrig rückt zum CEO von Corestate auf

Der Aufsichtsrat der Corestate Capital Holding S.A., zu der unter anderem der Asset Manager Hannover Leasing gehört, hat Lars Schnidrig für vier Jahre zum neuen Chief Executive Officer (CEO) und Vorsitzenden des Vorstands berufen. Er hat ein ambitioniertes Ziel.

mehr ...
22.03.2019

RWB Group wird 20

Recht

BFH kippt den Bauherrenerlass

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat eine uralte steuerliche Restriktion für geschlossene Fonds kassiert. Darauf weist die Beratungsgesellschaft Baker Tilly jetzt hin. Es gibt Vorteile für die heutigen Fonds, aber auch eine Fußangel.

mehr ...