10. April 2018, 11:15
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Erhebliche Abweichungen innerhalb eines Fonds”

Ein Gutachten zur Darstellung der Kosten von alternativen Investmentfonds (AIFs), das vom “Marktwächter Finanzen” der Verbraucherzentrale Hessen in Auftrag gegeben wurde, kommt zu einem wenig schmeichelhaften Ergebnis. Verfasser des Gutachtens ist ein alter Bekannter der Branche.

Shutterstock 659380306 in Erhebliche Abweichungen innerhalb eines Fonds

Die Verbraucherzentrale hat die Fondskosten genau nachrechnen lassen (Symbolbild).

Verbraucher haben nach einer Mitteilung der Verbraucherzentrale demnach kaum eine Möglichkeit, die Kosten geschlossener Fonds zu erfassen und zu vergleichen. In vielen Fällen seien auch inhaltliche Abweichungen zwischen den verpflichtenden Dokumenten zu ein und demselben Fonds festgestellt worden.

„Einzelne Posten werden bei den verschiedenen Fonds häufig ganz unterschiedlich berechnet. Das erschwert Verbrauchern den Vergleich“, kritisiert Wolf Brandes, Teamleiter des “Marktwächter-Schwerpunkts Grauer Kapitalmarkt” bei der Verbraucherzentrale Hessen. „Wir haben aber auch innerhalb eines Fonds in den verpflichtenden Dokumenten erhebliche Abweichungen für die gleiche Position festgestellt.“

Unterschiedliche Berechnung

So würden zum Beispiel in 18 von 25 untersuchten Fonds die Angaben für die Initialkosten teils mit, teils ohne Ausgabeaufschlag genannt. Auch die Berechnung dieses Aufschlags erfolgte bei den untersuchten Fonds unterschiedlich. Bei den laufenden Kosten fänden sich erhebliche Abweichungen: Die Unterschiede zwischen den dreiseitigen wesentlichen Anlageinformationen (wAI) und dem Verkaufsprospekt betragen der Mitteilung zufolge bis zu 3,85 Prozentpunkte. Auffällig sei auch, dass die erfolgsabhängigen Vergütungen zum Teil hoch ausfallen – bis zu 50 Prozent eines Mehrertrages.

Mit den verfügbaren Dokumenten, so das Gutachten, haben Verbraucher kaum eine Chance, die Kosten komplett zu erfassen und deren Wirkung zu verstehen. Zudem seien die Texte sprachlich schwer verständlich. „Aus unserer Sicht sollte es Verbrauchern anhand von standardisierten Kostendarstellungen möglich sein, Produkte vergleichen und abschätzen zu können, welcher Fonds niedrige Kosten hat“, fordert Brandes.

Neue Vorschriften ab 2018

Die Marktwächter-Experten würden die Kosten geschlossener Fonds sowie deren Darstellung weiter beobachten. Denn seit Anfang 2018 gelten weitergehende Vorschriften zur Kostendarstellung. Zudem müssen nun nicht nur die Anbieter, sondern auch die Vertriebe Verbraucher separat informieren. Grund dafür sind Umsetzungsregeln von MiFID II. Diese neuen Informationsblätter müssen sich auf den Anlagebetrag in Euro und Cent beziehen.

Das Gutachten wurde vom Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Hessen, Schwerpunkt Grauer Kapitalmarkt, in Auftrag gegeben. Untersucht wurden den Angaben zufolge alle 25 inländischen geschlossenen Publikumsfonds, die von Oktober 2016 bis September 2017 aufgelegt und von der Finanzaufsicht BaFin genehmigt wurden. Bewertet wurde dabei die Konsistenz und Vollständigkeit der Kostendarstellungen im Verkaufsprospekt, in den Anlagebedingungen und in den wAI.

Einer Fußnote der Marktwächter-Mitteilung zufolge wurde das Gutachten “erstellt von investmentcheck.de”. Dabei handelt es sich um die Website des Fachjournalisten Stefan Loipfinger, der – mit einer Unterbrechung – seit vielen Jahren in der Sachwertbranche bekannt ist. (sl)

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Munich Re fürchtet starke Hurrikan-Saison im Atlantik

Die bevorstehende Hurrikansaison im Nordatlantik wird in diesem Jahr nach Einschätzung von Geowissenschaftlern vermutlich heftiger als üblich ausfallen. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie wären schwere Sturmtreffer auf Land besonders problematisch, warnte der weltgrößte Rückversicherer Munich Re am Freitag.

mehr ...

Immobilien

Nach Neuregelung der Maklercourtage: Forderung nach Sachkundeprüfung für Makler

Durch die Neuregelung der Maklerprovision ist eine Steigerung der Qualität und Professionalisierung der Maklerbranche zu erwarten. Dazu gehört nach Meinung von Re/Max Germany auch ein Examen noch Meisterbrief die für den Maklerberuf bislang nicht nötig seien.

mehr ...

Investmentfonds

Wie wahrscheinlich sind negative Zinssätze?

Negative Zinssätze sind wieder in den Schlagzeilen. Die Märkte haben begonnen, die Chance einzupreisen, dass sowohl die US-Notenbank als auch die Bank of England gezwungen sein werden, die Zinsen zu senken und die Nullgrenze zu durchbrechen, um ihre Wirtschaft zu stützen und den wachsenden disinflationären Druck auszugleichen. Aber wie wahrscheinlich ist dies und warum wird jetzt darüber gesprochen? Ein Kommentar von Colin Finlayson, Co-Manager des Kames Strategic Global Bond Fund

mehr ...

Berater

Corona: KI als Sofortsicherheit für Soforthilfe

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sorgen dafür, dass die digitale Transformation an Fahrt aufnimmt. Daraus ergeben sich aber auch neuartige Problemstellungen. Die Betrugsversuche bei den online zu beantragenden Corona-Hilfen zeigen in beispielhafter Weise, welche das sind und wie sie zu lösen wären. Gastbeitrag von Frank S. Jorga, WebID Solutions

mehr ...

Sachwertanlagen

Bisher kaum Corona-Prospektnachträge bei Publikums-AIFs

Nur drei Prospekte von geschlossenen alternativen Investmentfonds (AIFs) für Privatanleger, die vor der Corona-Krise aufgelegt wurden und sich noch in der Platzierung befinden, wurden bislang durch spezielle Risikohinweise zu den möglichen Folgen der Pandemie ergänzt.

mehr ...

Recht

BVDW sieht Gefahr eines „Digitalen Lockdown“

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat sein Urteil im Fall Bundesverband der Verbraucherzentralen gegen die Planet49 GmbH gesprochen. Demnach reicht eine bereits vorangekreuzte Checkbox nicht aus, um den Anforderungen an eine Einwilligung beim Setzen von Cookies zu entsprechen. Dies war zu erwarten. Der BGH hat aber nicht eindeutig darüber entschieden, ob prinzipiell eine Einwilligung des Nutzers für den Einsatz von Cookies zur Erstellung von Nutzerprofilen für Zwecke der Werbung oder Marktforschung  erforderlich ist.

mehr ...