30. Dezember 2019, 14:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Burn-out: Den Kulturwandel leben

Die Zahl der Menschen mit Burn-out steigt stetig. Gerade in der Finanzbranche sind viele Arbeitnehmer betroffen. Welcher Auftrag sich daraus für Arbeitnehmer und Arbeitgeber ableiten lässt, erklärt Mareike Fell, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Trainerin und Beraterin, im letzten Teil der dreiteiligen Serie auf Cash.Online.

XO7A0084-Kopie in Burn-out: Den Kulturwandel leben

Mareike Fell

Psychische Gesundheit liegt nicht allein beim Arbeitnehmer und auch nicht allein beim Arbeitgeber – es ist vielmehr ein Hand-in-Hand, bei dem im Idealfall beide Seiten profitieren. Parallel zum Anstieg an Ausfällen durch Burn-out haben Unternehmen heute vermehrt mit zwei Phänomenen zu tun: Zum einen mit Absentismus (umgangssprachlich auch krankfeiern), der unter anderem als Indikator für die Qualität der Arbeitsbedingungen, fehlende Arbeitszufriedenheit und Arbeitsmotivation gilt. Zum anderen ist das Phänomen des Präsentismus zu beobachten, also das Erscheinen am Arbeitsplatz trotz Krankheit.

Während Personen bei Absentismus weniger häufig von einem Burn-out bedroht sind, da sie sich – meist unbewusst – auf diese dysfunktionale Weise um sich selbst kümmern, sind Menschen bei Präsentismus deutlich mehr Burn-out-gefährdet, denn laut Elke Ahlers vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung sind die Ursachen des Präsentismus nicht nur auf die Angst vor einer möglichen Entlassung, sondern auch auf eine höhere Eigenverantwortlichkeit der Arbeitnehmer zurückzuführen. Auf den Auftrag, der sich aus dieser Eigenverantwortlichkeit für Arbeitnehmer ableiten lässt, komme ich später zu sprechen.

Ein hochwirksames Tool 

Das Phänomen des Absentismus und Präsentismus kostet ein Unternehmen weit mehr, als wenn es präventiv für ein gesundes Arbeitsklima sorgt. Der Anstieg an Menschen mit einem Burn-out gibt Unternehmen damit zum einen den Auftrag, dem Thema der psychischen Gesundheit mit einem Kulturwandel zu begegnen, der eine offene, wertschätzende Kommunikation ermöglicht. Ein Klima, in dem über Erschöpfung, Grenzen und Burn-out geredet werden kann, ohne stigmatisiert zu werden. Zum anderen stellt Burn-out den Auftrag, sowohl präventiv als auch mit gezielten wirksamen Interventionen und passenden Maßnahmen zu reagieren.

Was kann ich nun einem Unternehmen empfehlen, das die Fehlzeiten aufgrund psychischer Belastungen wie Burn-out reduzieren möchte? Neben begleiteten Kulturwandelprozessen, Informations- und Kommunikationstrainings ist zum Beispiel das EAP (Employee Assistance Program) ein hochwirksames Tool zur Stabilisierung und Sicherstellung der psychischen Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter. Dabei werden aber auch ihre Angehörigen in einem anonymisierten Verfahren durch externe Beratung zu beruflichen wie auch privaten Problemen qualifiziert beraten – sei es zu psychischen Belastungen, Stressmanagement, Schuldnerberatung, Konflikt- und Rechtsberatungen oder auch persönliche Entwicklungen. In Amerika seit den 1930er-Jahren üblich, entwickelt sich das EAP in Deutschland erst in den letzten Jahren im Zusammenhang mit der Globalisierung, Digitalisierung und den nötigen Umstrukturierungen rasant.

Seite zwei: Schwächen und Stolperfallen erkennen 

Weiter lesen: 1 2 3

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Versicherer europaweit unter Druck

Der Stoxx Europe 600 Insurance mit den Versicherungswerten ist am Freitag mit einem Abschlag von drei Prozent mit weitem Abstand schwächster Sektor in Europa gewesen. Auch im Dax lagen Allianz und Munich Re mit minus 1,5 Prozent am Ende.

mehr ...

Immobilien

Wohnungspolitik in Zeiten der Corona-Krise weltweit: Herausforderungen und Lösungen

Die Corona-Pandemie, die im Dezember 2019 ihren Anfang nahm und sich derzeit weltweit rasch ausbreitet, wirkt sich auf die Wirtschaft und damit auch auf den Immobilienmarkt spürbar aus. Private MieterInnen sind betroffen, wenn sie wegen der Eindämmungsbestimmungen kein oder deutlich weniger Einkommen beziehen. Erste Vorschläge und staatliche Maßnahmen zielen darauf ab, den gewerblichen und privaten MieterInnen und WohnimmobilienbesitzerInnen in diesen schwierigen Zeiten möglichst unbürokratisch zu helfen. Welche Regierung was beschlossen hat oder plant, stellt das DIW Berlin vor.

mehr ...

Investmentfonds

Coronakrise: “Gesundheit und stabile Wirtschaft schließen sich nicht aus”

Die geltenden Beschränkungen in Gesellschaft und Wirtschaft allmählich zu lockern und dabei die medizinische Versorgung der gesamten Bevölkerung zu sichern – dafür plädiert jetzt eine interdisziplinäre Gruppe renommierter Wissenschaftler. In ihrem Positionspapier zeigen die Forscher um ifo-Präsident Clemens Fuest und Martin Lohse, Präsident der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, Wege zu diesem Ziel auf.

mehr ...

Berater

DIN-Norm 77230: Prüfungen jetzt online möglich

Wegen der Coronakrise bietet das Defino Institut für Finanznorm Prüfungen für die Zertifizierung zum “Spezialisten für die private Finanzanalyse – DIN 77230” ab sofort auch im Online-Verfahren an.

mehr ...

Sachwertanlagen

BVT schließt institutionellen US-Fonds und investiert erneut in Boston

Die BVT Unternehmensgruppe, München, hat über ihre Kapitalverwaltungsgesellschaft Derigo für den von ihr verwalteten geschlossenen Spezialfonds BVT Residential USA 12 die dritte Investition vorgenommen. Ein Nachfolge-Spezialfonds ist geplant.

mehr ...

Recht

Neuer Mieterschutz in Kraft: Wie Sie durch die Krise kommen

Ab heute gilt für Mieterinnen und Mieter, die durch finanzielle Einschnitte in besonderem Maße von der Corona-Krise betroffen sind, ein erweiterter Kündigungsschutz. Es ist aber für Betroffene laut GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen weitere Unterstützung nötig.

mehr ...