6. Dezember 2019, 09:56
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Warum Chefs Kritiker schätzen sollten

Mitarbeiter, die ihre Vorgesetzten infrage stellen, gelten schnell als Nörgler und damit als unangenehm. Chefs sollten unbequeme Menschen als potenzielle Verbesserer sehen. Nela Novakovic nennt drei gute Gründe dafür.

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Nela Novakovic

#1: Kritiker sehen das Wohl des Unternehmens
Viele Chefs sehen besonders produktive Mitarbeiter und Ja-Sager als gute und geschätzte Mitarbeiter an. Kritiker erscheinen unbequem und daher unbeliebt. Kritiker ecken an, zweifeln an der Kompetenz ihrer Vorgesetzten und kratzen damit an deren Ego und letztendlich auch am Selbstwert. Vielfach geht es diesen Kritikern gar nicht um ihren eigenen Vorteil, sondern vor allem um das Wohl der Firma. Konstruktive Kritiker – zu unterscheiden von den ewigen Nörglern – erkennen, wo der Schuh im Unternehmen drückt: Sie zeigen Missstände auf, wo andere den Kopf einziehen. Was für Vorgesetzte meist schwer zu ertragen ist, ist das Feedback dieser Mitarbeiter für Unternehmen wertvoll. Wenn Entscheidungsträger in der Lage sind, den Wert dieses Feedbacks zu erkennen, können längst überflüssige Korrekturen und Verbesserungsprozesse in Gang gesetzt werden. Die notorischen Ja-Sager dagegen verfolgen eine eigene Agenda: Sie wollen auf keinen Fall ihr eigenes Fortkommen im Unternehmen gefährden. Aus Angst, den Unmut von Unternehmenslenkern auf sich zu ziehen, schweigen sie selbst bei offensichtlichen Fehlurteilen und sitzen aus, was die Führungsebene ganz offensichtlich verbockt hat.

#2: Kritiker sind offen und ehrlich
Mutige Mitarbeiter bringen Unternehmen voran. Doch in der Realität gilt oft immer noch: Bloß nicht den Chef kritisieren! Schuld daran ist eine nicht vorhandene adäquate Feedbackkultur. Egomanische und kritikunfähige Führungskräfte stehen sich selbst im Weg, weil sie genau genommen kein ehrliches Feedback einfordern, geschweige denn – wenn es denn mal kommt – damit umgehen können. In den Leitlinien von Unternehmen heißt es zwar oft, Vorgesetzte seien offen für Rückmeldungen und kritisches Feedback. Doch legt ein Mitarbeiter tatsächlich einmal den Finger in die Wunde, muss er befürchten, den Unmut seines Chefs auf sich zu ziehen und berufliche Konsequenzen zu erfahren – sprich Karriereknick, genannt auch Abstellgleis. Die gängigen Bewertungsportale im Internet sind voll mit Kommentaren frustrierter Ex-Mitarbeiter, denen ein in seiner Eitelkeit gekränkter Chef der Karriere ein schnelles Ende bereitet hat. Entsprechend hoch sind die Hemmschwellen für Mitarbeiter, als Kritiker im Unternehmen gegen den Strom zu schwimmen. Klarheit und ehrliche Worte sind im Zweifel aber für das Unternehmen wichtiger als vermeintliche Harmonie. Denn Vorgesetzte sollten nicht vergessen: In der Regel wissen ihre Mitarbeiter besser über einzelne Details in den Abteilungen Bescheid. Sie sehen eher, wo der Schuh drückt, was falsch läuft. Warum also nicht die Ideen und Verbesserungsvorschläge der Mitarbeiter nutzen, damit es dem Unternehmen besser geht? Das allerdings würde bedeuten, dass wir weniger egomanische und narzisstische Führungskräfte brauchen.

#3: Kritiker stützen das Unternehmen
Gerät ein Unternehmen in die Krise, wird es für Mitarbeiter meist ungemütlich. Harte Einschnitte stehen an, so manche Karriereoptionen sind dann keine mehr. Konstruktive Mitarbeiter, die eben noch als unbequeme Nörgler galten, könnten sich als die wahren Stützen des Unternehmens erweisen. Denn Kritiker, die Fehlentwicklungen bereits aktiv angesprochen haben, sind in der Regel auch bereit, an Umstrukturierungen aktiv mitzuarbeiten. Sie halten den Betrieb in schwierigen Zeiten aufrecht, sind zu Veränderungen und höheren Anstrengungen bereit und motivieren andere Mitarbeiter, eventuelle Durststrecken ebenfalls durchzuhalten. Sie sehen darin ihre große Chance, ihr Wissen nun endlich einbringen zu können. Die Ja-Sager wiederum suchen meist schnell das Weite, wenn das Unternehmen ihrem Sicherheitsdenken nicht mehr entsprechen kann. Sie bewerben sich auf andere Jobs, um ihre Karriere weiter voranzutreiben. Ja-Sager sind keine Stützen des Unternehmens, sondern sie surfen eher im Windschatten von inkompetenten Führungskräften.

Nela Novakovic trifft als Financial & Operations Director eines japanischen Pharmaunternehmens täglich taktische Entscheidungen. Sie leitet, verwaltet, entwickelt und perfektioniert strategische Maßnahmen im Bereich Finanzen, Operations, HR und IT.

Foto: Nela Novakovic

1 Kommentar

  1. Ich persönlich genieße es wenn ich nicht nur mit Kritikern, sondern auch Leuten, die per se in einem Fachbereich absolute Koryphäen sind, umgeben bin und unter ihnen Entscheidungen treffen kann. Von Dummen gibt es keinen Widerspruch.

    Kommentar von Christian Jäger — 18. Dezember 2019 @ 16:17

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