11. Februar 2020, 12:12
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Von Schweizer Banken Digitalisierung lernen

Deutsche Banken hinken in der Digitalisierung hinterher. Warum der Blick über den Tellerrand hilft. Gastbeitrag von Memo Dener, Axeed AG

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In der Schweiz haben Banken in den vergangenen Jahren gezeigt, wie sich Digitalisierungsprojekte erfolgreich umsetzen lassen.

Die Finanzindustrie in Deutschland steckt viel Geld in die Digitalisierung: Allein bis 2020 wollen die Top-50 deutschen Banken hier bis zu sechs Milliarden Euro investieren. Doch trotz dieser großen Anstrengungen haben sie in dem Bereich an Boden verloren, wie eine aktuelle Auswertung zeigt. Sucht man nach den Gründen, hilft der Blick über den Tellerrand, genauer gesagt in die Schweiz: Dort haben Banken in den vergangenen Jahren gezeigt, wie sich Digitalisierungsprojekte erfolgreich umsetzen lassen.

Im Kern sind es drei Faktoren, die den Unterschied machen. So hat sich in der Schweiz in den vergangenen zwei Jahren ein starker Wandel und ein grundlegendes Umdenken vollzogen, wenn es um digitale Transformation geht. In der Folge wurde die Entscheidungskompetenz von der IT wieder zurück an die Fachabteilungen übertragen. Dadurch steht die Lösung des Use Cases – und damit der Kundennutzen – an erster Stelle. Und nicht wie häufig in Deutschland zu beobachten System- und Strukturfragen und damit verbundene Eigeninteressen: Etwa, wenn es um vorhandenes Technologie-Know-how oder bereits bestehende Kenntnisse bei intern laufenden Systemen geht.

Das ist der Grund, warum sich Schweizer Banken leichter damit tun, neue Technologien in die bestehende Systemlandschaft für Digitalisierungsprojekte zu integrieren. Dies ist unerlässlich, weil diese für Big Data, für performante Abläufe sowie den Umgang mit strukturierten und unstrukturierten Daten gemacht sind. In diesen Bereichen sind sie der herkömmlichen, alten Infrastruktur überlegen, die weder auf die heutigen und künftigen Datenmengen ausgelegt ist, noch für die neuen Anforderungen von Endkunden und Beratertätigkeiten der Banken entwickelt wurde.

Zweitens ist man in der Schweiz ein Stück weit davon weggekommen, ein Digitalisierungsprojekt zwangsläufig direkt mit einem viel größeren und mächtigeren Datawarehouse-System zu verbinden. Denn die neuesten Technologien benötigen nicht zwangsläufig ein Datawarehouse. Sie sind technisch so aufgebaut, dass sie verschiedenste Plattformen lesen und zusammenbringen können. Wird jedoch der Aufbau eines Datawarehouse zur Voraussetzung für den Einsatz von neuen, externen Applikationen, legt die Bank die ganze Entwicklung ein bis zwei Jahre lahm. Damit wiederum verliert das Finanzinstitut gegenüber der Konkurrenz mindestens vier bis fünf Jahre in der Digitalisierung.

Nie endende Großbaustellen  

Schließlich geht es in der Schweiz bei der Digitalisierung zwar immer um das Big Picture, aber man löst die Aufgaben in kleineren, aufeinanderfolgenden Entwicklungsprojekten für die einzelnen Abteilungen bzw. für den Endkunden. Ganz im Gegensatz zu Deutschland, wo Finanzdienstleister ihre Maßnahmen zur digitalen Transformation häufig sehr groß anlegen, um mit einem einzigen Aufschlag alle Bereiche direkt abzudecken. Anstatt nie endender Großbaustellen setzen viele Schweizer Banken so einzelne Abschnitte um und schaffen auf diese Weise am Ende ein erfolgreiches Gesamtbild. Wichtige Treiber dieses Ansatzes sind, die Projekte teilqualifiziert und schnell zu lösen, die Benutzer im frühen Stadium abzuholen und damit Zufriedenheit und neue Werte zu schaffen.

Natürlich gibt es nicht nur richtig und falsch, sondern eine ganze Reihe von Aspekten, die es bei der Umsetzung von Digitalisierungsprojekten mit einzubeziehen und zu berücksichtigen gilt. Dennoch gibt es sicherlich den ein oder anderen Ansatzpunkt für deutsche Banken, von den Erfahrungswerten ihrer Schweizer Pendants zu lernen. Am Ende geht es für alle darum, auf dem Finanzmarkt konkurrenzfähig zu bleiben. Ziel ist es, nicht nur vorliegende Lücken kurzfristig schließen zu wollen, sondern das langfristige Big Picture im Blick zu behalten und damit fünf bis zehn Jahre nach vorne immer mit zu überlegen und weiter zu entwickeln. 

Memo Dener ist CEO der Axeed AG. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Zürich ist Schweizer Marktführer für Banking Business Intelligence und ein international agierender Pionier für digitale Innovationen im Banken- und Versicherungsmarkt.

 

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