Zukunftsängste: Wie wir sie mit gesundem Egoismus überwinden können

Foto: Verena Reinke
Mareike Fell

Zukunftsängste – klingt da was bei Ihnen an? Dann lesen Sie unbedingt weiter! Die Fürstenberg-Kolumne mit Mareike Fell

Na? Wie geht es Ihnen? Wo erwische ich Sie gerade? Ich möchte Ihnen heute ein Phänomen aus meiner Beratung* vorstellen, wie es mir am Fürstenberg Institut immer wieder begegnet:

Man kommt doch heute wirklich nicht mehr mit – hat man das Eine gelernt, ist bereits das Nächste en Vogue. Alles scheint unsicher. Der Job, die Position, die Aufgabe, das Team, der Chef oder die Chefin, die Strategie, die Zukunft des Unternehmens und damit letztlich die eigene Zukunft. Und ohne dass man es merkt, macht sich ein ungemütlicher Geselle breit: Die existenzielle Zukunftsangst.

In der Zeit des Umbruchs und der Veränderung erscheint die Zukunft vielen manchmal böse und unberechenbar, wie etwas Universelles. Sie ist irgendwo weit vorne und sie rast auf und zu – unaufhaltsam. Das kann schon Angst machen. Frau G., 56 Jahre, aber auch Herr P., 47 Jahre, kamen beide mit einem ähnlichen Problem: Sie hatten Angst vor der Zukunft. So klar haben sie das allerdings nicht benannt. Zukunftsangst kommt diffuser daher. Der digitale Wandel und die Globalisierung sind für die Unternehmen alternativlos und fordern nicht nur von Unternehmensseite, sondern auch von den Mitarbeiter*innen eine stetige Anpassung, das ewige Lernen, das Aushalten von Unsicherheit und Unplanbarkeit.

Für bestimmte Menschen ist es ein Segen: Ständig was Neues! Immer weiter! Viele aber kommen genau damit nicht zurecht, denn der Mensch schafft sich in der Regel Sicherheit durch Strukturen und Routinen. Wenn das private Leben an sich schon aufregend genug ist, sind berufliche Veränderungen oft sehr anstrengend. Solange Energie da ist, wird noch mitgehalten, doch irgendwann zeigt sich diese Angst vor der Zukunft an innerer Unruhe, Herzrasen, Kopfschmerzen, Verspannungen, Minderwertigkeitsgefühlen, Gedankenkreisen, Schlafstörungen, Getriebensein, Unsicherheit und Ohnmacht. Aber auch – wie bei Frau G. – an der Angst, dass das Unwissen über all die neuen technischen und strukturellen Anforderungen auffliegt oder wie bei Herrn P., dass die eigene Leistung vielleicht schon morgen nicht mehr reicht – „man rennt ja nur noch hinterher!“

Aber wann fängt Zukunft denn an? In einem Jahr? In fünf Jahren? In einem Monat? Der Futurologe Max Thinius sagt: Die Zukunft passiert uns nicht – wir gestalten sie heute. Daher ist die Lösung bei Zukunftsängsten im Grunde simpel und doch so kraftvoll: Steigen Sie aus dem ohnmächtigen passiven Hinterherrennen aus und fangen Sie an, Ihre ganz eigene persönliche Zukunft im Heute aktiv selbst zu bestimmen.

Denn mit der Angst ist es eigentlich ganz einfach: Sie ist laut und unruhig, wenn wir in Gefahr zu sein scheinen, den Boden unter den Füßen verlieren, die Sicherheit. Wenn wir aber beginnen, selbst zu gestalten, statt gestaltet zu werden, entsteht die Kraft der Selbstwirksamkeit. Diese Selbstwirksamkeit ist eine kraftvolle Quelle für unser Gefühl der Sicherheit, egal wie unsicher die Situation erscheint.

Bei diesem Trick sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt, jeder kleinste Schritt zählt schon. Das kann die aktive Suche nach dem Gespräch mit dem oder der Vorgesetzten sein oder das Buchen eines Workshops. Viele Führungskräfte haben bereits ein digitales Mindset und sind dankbar, wenn Sie sich mit Ihrer Sorge an sie wenden – denn nur so können Sie Ihnen helfen. Fakt ist: Ihr Unternehmen braucht Sie und Ihre Kollegen für die Transformation.

Was immer die Zukunft heute scheinbar von Ihnen verlangt, fragen Sie sich: Was daran ist meins? Wo sind in diesem Prozess meine Aufgaben und Verantwortlichkeiten? Auch damit kann die Selbstwirksamkeit und damit die Sicherheit wachsen. Wie kann es mir nutzen? Wie kann ich es nutzen? Was brauche ich dafür? Seien Sie hier im besten Sinne egoistisch! Ihre Seele dankt’s.

Hier meine Tipps, um Zukunftsängste zu überwinden und ihre Zukunft selbst zu gestalten:

  • Finden Sie allein oder im Gespräch mit Ihrem/Ihrer Vorgesetzten heraus, an welchem Punkt Sie selbst ansetzen, wo Sie aktiv den Wandel in Ihrem Bereich mitgestalten können.
  • Dafür ist es wichtig, klar zu benennen, was die eigenen Fähigkeiten sind und stehen Sie zu Ihren Grenzen. Vielleicht sind Sie eine Bewahrerin? Neben den Veränder*innen werden auch diese gebraucht. Vielleicht gehören Sie tatsächlich an eine andere Position oder zu einem anderen Aufgaben- oder Projektfeld. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
  • Angst wird leise, wenn wir von passiv auf aktiv schalten: Was können Sie tun? Jede kleine Idee hilft. Jede Tat stärkt die Selbstwirksamkeit, aus der ein neues Gefühl der Sicherheit erwachsen kann.
  • Fragen Sie sich, wie Sie den Wandel für sich selbst nutzen können – ein gesunder Egoismus hilft Ihnen dabei auf die Sprünge.

*Der Fall wurde mit dem Einverständnis der Betroffenen anonymisiert.

Autorin Mareike Fell ist systemischer Coach und Heilpraktikerin für Psychotherapie und ist als Beraterin und Trainerin in der externen Mitarbeiterberatung für das Fürstenberg Institut tätig. Internet: www.fuerstenberg-institut.de

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