Marktreport Sachwertanlagen 2021: Viel besser als erwartet

Den weitaus größten Teil der Emissionen der One Group machen aber weiterhin Vermögensanlagen in Form von Namensschuldverschreibungen aus. Bis Mitte Juni 2022 kann sie noch die Vermögensanlage ProReal Europa 10, die vor dem Stichtag von der BaFin gebilligt wurde, nach altem Recht platzieren. Eine Nachfolge-Emission, die das Blindpool-Verbot und die weiteren Änderungen im Vermögensanlagengesetz berücksichtigt, ist in Vorbereitung (siehe Cash. 1/2022). Mit Blick auf die 2021er-Ergebnisse sagt Thies: „2022 planen wir ähnliche Platzierungserfolge. Darüber hinaus werden wir zielgerichtet den strategischen Ausbau unserer Produktpalette vorantreiben.“

Ebenfalls fast eine Verdreifachung der Platzierung erreichte der Venture-Capital-Spezialist HMW (MIG Fonds). Er dürfte dabei auch von dem Erfolg des Corona-Impfstoff-Herstellers Biontech profitieren, an dem sich drei vorherige MIG Fonds für insgesamt 13,5 Millionen Euro weit vor der Pandemie beteiligt hatten. 2020/2021 verkauften die Fonds den größten Teil der Biontech-Aktien, was nach Angaben von MIG/HMW zu Ausschüttungen an die Anleger von bisher insgesamt 700 Millionen Euro geführt hat. Eine solche Relation beflügelt sicherlich auch die Phantasie neuer Investoren.

Den größten prozentualen Zuwachs des Platzierungsvolumens gegenüber dem Vorjahr legte indes Verifort Capital hin, wenn auch auf deutlich geringerer Basis. Das Unternehmen war Ende 2020 nach einem Gesellschafter- und Namenswechsel mit den ersten Vertriebsschritten des ersten Fonds in der neuen Konstellation gestartet. Entsprechend gering war die Vergleichszahl aus 2020 und mit über 500 Prozent entsprechend groß der Zuwachs.

„Pflegeimmobilien mit deutlicher Nachfragesteigerung“

2021 brachte Verifort Capital es auf einen zweistelligen Millionenbetrag im Neugeschäft, was sicherlich keine Selbstverständlichkeit für einen Quasi-Newcomer ist. „Immobilieninvestitionen waren in 2021 im aktuellen Marktumfeld eine sehr gute Investionsalternative für Privatanleger insbesondere im regulierten Mantel eines AIF. Dabei haben Pflegeimmobilien eine deutliche Nachfragesteigerung erfahren, weil der demografische Wandel in Deutschland langfristig eine hohe Nachfrage schafft und diese Assetklasse auch in Zeiten von Corona einen stabilen Cash Flow bietet“, kommentiert CSO Rauno Gierig. „Dies spiegelt sich auch im positiven Platzierungsergebnis der Verifort Capital zum Jahresende wider“, so Gierig.

Mark Münzing, DFI: „Mit dem erreichten Ergebnis vorerst zufrieden.“

Fast exakt das gleiche Ergebnis wie Verifort Capital hat die 2021 neu gegründete DFI Deutsche Fondsimmobilien Holding mit ihrem ersten Publikums-AIF zu verzeichnen. Vorstand und Gründer Mark Münzing sagt: „Wir haben den Vertrieb im August 2021 gestartet und sind mit dem erreichten Ergebnis vorerst zufrieden.“ Erklärtes Ziel sei die Vollplatzierung des Fonds bis zum 31. Dezember 2022. „Gegenwärtig haben wir bereits für circa 23 Millionen Euro Bestands-Wohnimmobilien erworben“, so Münzing, der zuvor in der Chefetage bei ZBI saß und nun mit DFI ein sehr ähnliches Geschäftsmodell verfolgt.

Gut zehn Millionen Euro Neugeschäft scheint eine gängige Größe für erfolgreiche Newcomer oder Rückkehrer zu sein. Darauf jedenfalls lassen die Ergebnisse von D.i.i. und US Treuhand schließen, die im Retailgeschäft in gleicher Größenordnung erfolgreich waren.

Exporo wieder mit Abstand Marktführer unter den Plattformen

Als etabliertes Unternehmen kann hingegen mittlerweile Exporo angesehen werden. Mit 152 Millionen Euro vermitteltem Kapital in Retailgeschäft einschließlich der neuen Marke Propvest ist das Unternehmen wieder mit Abstand Marktführer unter den Crowdinvesting-Plattformen. Dieses Segment ist nach wie vor ziemlich schwer zu erfassen. Viele der Plattformen sind nicht besonders auskunftsfreudig, sie ändern außerdem pausenlos ihre Namen oder fusionieren, andauernd ploppen neue Anbieter auf und manche Unternehmen betreiben gleich mehrere Plattformen mit unterschiedlichen Bezeichnungen. Das macht die Sache nicht eben übersichtlicher.

So reagierte die Plattform Bergfürst, die im vorletzten Jahr für 2019 immerhin noch 43 Millionen Euro vermitteltes Volumen gemeldet hatte, erneut nicht auf die Cash.-Anfrage. Keine Zahlen lieferten neben EV Digital Invest unter anderem auch die mittlerweile fusionierte und in Invesdor umbenannte ehemalige Kapilendo sowie Portagon, besser bekannt unter dem früheren Namen Crowddesk. Letzteres Unternehmen ist der führende Dienstleister in diesem Segment, liefert die Technik für mehrere selbständige Plattformen und stellt auch Software für sieben der Unternehmen aus dem klassischen Sachwertemarkt.

Portagon betreibt über Tochtergesellschaften aber auch mehrere eigene Plattformen, darunter „Geno-Crowd“ und „VR-Crowd“ in Kooperation mit Volks- und Raiffeisenbanken sowie „DKB-Crowd“ in Kooperation mit der DKB Deutsche Kreditbank, die jeweils auch ihr Logo zur Verfügung stellen. Auf den Websites der Plattformen wird jedoch betont, dass die Betreiber-GmbH unabhängig von dem jeweiligen Namensgeber sei und Portagon alleiniger Gesellschafter ist. Anscheinend sieht sich Portagon – ähnlich wie eine Service-KVG bei einem Fonds – trotzdem nicht verantwortlich für den geschäftlichen Erfolg der Plattformen. Jedenfalls lässt das Unternehmen ausrichten, nicht an dem Marktreport teilzunehmen, da seine Plattformen „dafür nicht geeignet“ seien.

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