Bedeutung von Finanzierungsalternativen steigt

Finanzierungsalternativen werden für die deutsche Immobilienwirtschaft immer wichtiger. Dies ist das Ergebnis einer Studie des WGF Competence Centre Immobilien und Finanzinnovationen am EBS Real Estate Management Institute.

Pino Sergio, WGF
Pino Sergio, WGF

In zwei Umfragen wurden rund 200 führende Anbieter und Nachfrager alternativer Finanzierungsformen in Deutschland befragt, darunter führende Immobilienunternehmen und -investoren sowie spezialisierte Bankabteilungen, Fonds- und Beteiligungsgesellschaften. In den letzten zwölf Monaten nutzte die Mehrheit demnach bei Neu-Darlehen und Prolongationen keine alternativen Finanzierungsinstrumente. Für die nahe Zukunft prognostizieren jedoch sowohl Nachfrager als auch Anbieter gemäß der Untersuchung wachsenden Bedarf. So gehen immerhin 61 Prozent der Immobilienunternehmen davon aus, dass die Bedeutung von Finanzierungsalternativen bei Großprojekten über 50 Millionen Euro in den kommenden zwölf Monaten steigen wird. 50 Prozent der Anbieter machen dieselbe Prognose. Elf Prozent der Anbieter erwarten sogar einen „deutlichen“ Zuwachs.

Insbesondere Real Estate Private Equity, stille Beteiligungen, Nachrangdarlehen, Immobilien-Verbriefungen sowie Leasing und Factoring würden demnach an Bedeutung gewinnen. Das Kreditvolumen für Immobilienfinanzierungen in Deutschland beträgt etwa 1,35 Billionen Euro. Das entspricht einem Anteil von 58 Prozent aller Kredite an Privatpersonen und Unternehmen. Pino Sergio, Vorstandsvorsitzender des Immobilieninvestmenthauses WGF AG, kommentiert: „Der jetzige Markt in Deutschland zeigt die starke Abhängigkeit der Immobilienwirtschaft von Bankenfinanzierungen. Die Branche hat dringenden Bedarf an Alternativen. Diese sollten verstärkt entwickelt werden, um auch in Zukunft einen funktionierenden Immobilienmarkt zu gewährleisten.“ WGF hatte das Competence Centre 2009 gestiftet, um die Forschung im Bereich Immobilienfinanzierungen zu fördern.

Professor Dr. Nico B. Rottke, Leiter des EBS Real Estate Management Institute zur Aufgabenstellung des Kompetenzzentrums: „Infolge von Basel III könnte die Darlehensvergabe der Banken für gewerbliche Immobilienfinanzierungen abnehmen. Wird zusätzlich der Fokus wieder verstärkt auf risikoreichere Projekte gelegt oder sollte das Transaktionsvolumen weiter zunehmen, steigt die Bedeutung alternativer Finanzierungsformen. Gerade vor dem Hintergrund der drohenden Ablösungsprobleme bei großvolumigen Gewerbeimmobiliendarlehen aus den Vorkrisenjahren wird die herkömmliche Darlehensvergabe mittelfristig in Mitleidenschaft gezogen. Somit ist es sinnvoll, sich mit Ergänzungen zur klassischen Bankenfinanzierung auseinanderzusetzen.“ (te)

Foto: WGF

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