Der Baufinanzierungs-Ratgeber

„Aufgrund des vorherrschenden Zinstiefs empfehlen wir Zinsbindungen zwischen 20 und 30 Jahren. Die meisten Kunden werden hier noch zu einseitig auf die Standardzinsbindung von zehn Jahren beraten“, betont Smolak. Zudem sollte das niedrige Zinsniveau genutzt werden, um eine entsprechend höhere Tilgung zu wählen, beispielsweise zwei oder drei Prozent.

Alexander Christ, CEO bei Creditweb Deutschland, Wiesbaden, weist zudem darauf hin, dass die Kunden auch bei langer Bindung flexibel bleiben. „Der Kunde sichert sich zunächst die Konditionen für die gesamte Laufzeit, hat aber nach Ablauf von zehn Jahren ein gesetzliches Kündigungsrecht. Kosten fallen dabei nicht an.“

„Einhergehend mit dem Trend zu längeren Zinsbindungen ist die Nachfrage nach Volltilgerdarlehen gestiegen“, berichtet Grunwald. Dabei werden Laufzeit und Tilgung des Darlehens so gewählt, dass der Kredit nach Ablauf der Bindung abgezahlt ist. Bei einem Darlehen über 20 Jahre wäre dies mit einer Tilgung von circa 2,8 Prozent möglich, bei 30 Jahren wären ungefähr 1,6 Prozent erforderlich.

Der Vorteil für den Darlehensnehmer liegt darin, dass er bis zum Ende der Finanzierung Zinssicherheit hat. Die Entscheidung für eine bestimmte Laufzeit muss sich letztlich an den finanziellen Möglichkeiten der Käufer orientieren. Wer eine eventuelle Zinserhöhung nur schwer verkraften kann, sollte auf Sicherheit setzen und eine lange Frist wählen.

Banken sind bei Vollfinanzierungen zurückhaltender

Seit dem Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 sind Banken und andere Darlehensanbieter allerdings bei der sogenannten Beleihungsgrenze restriktiver geworden. Zuvor wurden auch gerne Finanzierungen in Höhe von 100 Prozent des Kaufpreises oder sogar darüber hinaus gewährt, um etwa noch die Nebenkosten oder eine neue Einbauküche mit abzudecken.

Manche Anbieter warben offensiv mit diesen Konditionen, um junge gut verdienende Kundenkreise zu erschließen. Mittlerweile sind die meisten Banken wieder zu der Maxime zurückgekehrt, dass Immobilienkäufer ein Eigenkapital in Höhe von 20 bis 30 Prozent des Kaufpreises mitbringen sollten. Vollfinanzierungen werden nur bei besonders guter Bonität des Käufers angeboten.

„Wir finanzieren maximal bis zu 100 Prozent des Kaufpreises, die Nebenkosten müssen Käufer auf jeden Fall selbst schultern“, berichtet Andreas Pflegshoerl, Leiter Sales Management bei ING Diba.
Auch wenn es verführerisch scheint, ohne Ansparen von Eigenkapital direkt ins Eigenheim zu ziehen, sollten Immobilienkäufer bedenken, dass die Banken für eine Vollfinanzierung einen deutlichen Zinsaufschlag verlangen.

Daher sollten die Risiken immer gut abgewogen werden. „Bei eigengenutzten Immobilien können immer noch bis zu 100 Prozent des Kaufpreises finanziert werden. Die Kaufnebenkosten sind aus Eigenkapital zu begleichen. Alternativ akzeptiert ein Teil der Banken die Finanzierung der Nebenkosten über einen Privatkredit“, berichtet Christ.

Seite 3: Baufi-Ratgeber: Zinstief für die Zukunft sichern

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