Baufinanzierung: Viele Immobilienkäufer gehen Risiken ein

Viele Käufer von Wohneigentum gehen nach Angaben von Immobilienscout24 immer höhere Kreditrisiken ein. Demnach seien viele Finanzierungen „auf Kante gestrickt“, was bei steigenden Kreditzinsen auch für die Banken und Sparkassen gefährlich werden könne.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung von 12.000 Kreditanfragen in München und Berlin von Immobilienscout24. Die Untersuchung zeige demnach, dass das Risiko eines Kreditausfalls für Banken und Kreditnehmer gestiegen ist. So hätten sich Eigentumswohnungen aus dem Bestand in München allein im letzten Jahr um zwölf Prozent verteuert, während der Preisindex in den gesamten vier Jahren zuvor um knapp 20 Prozent stieg. Die Preisdynamik habe sich somit in dieser Region nahezu verdreifacht. Parallel dazu sank die Eigenkapitalquote der Käufer laut Immobilienscout24 von 27 Prozent auf 17 Prozent.

Ein ähnliches Bild ergebe sich auch für Berlin: Der durchschnittliche Preis für Bestandswohnungen habe sich von Juli 2007 bis Juli 2011 um 14 Prozent erhöht, allein im Folgejahr konnten von den Analysten weitere 15 Prozent Anstieg beobachtet werden – was einer Vervierfachung der Teuerungsrate entspreche. Die Eigenkapitalquote sei dagegen von 24 Prozent im dritten Quartal 2011 auf zwölf Prozent im zweiten Quartal 2012 gesunken.

„Die niedrigen Baugeldzinsen verleiten zunehmend auch Haushalte mit geringem Einkommen und wenig Ersparnissen zum Immobilienkauf“, so Ralf Weitz, Geschäftsleiter Baufinanzierung bei Immobilienscout24. „Das birgt hohe Risiken, denn wenn das Zinsniveau wieder ansteigt, gerät die Anschlussfinanzierung für diese Niedrigverdiener in Gefahr und es könnte zu einem Kreditausfall kommen.“

Ein Blick auf das Verhältnis zwischen Nettoeinkommen und angefragtem Darlehensbetrag zeige die zunehmende Risikobereitschaft der Kreditnehmer. Während im ersten Quartal 2010 ein Kreditnehmer in der Region München das 50-fache seines monatlichen Nettoeinkommens als Kredit anfragte, lag im zweiten Quartal 2012 das angefragte Darlehensvolumen schon beim 70-fachen. In Berlin habe die Darlehenssumme im ersten Quartal 2010 im Schnitt das 39-fache des monatlichen Nettoeinkommens erreicht und stieg im zweiten Quartal 2012 auf den 52-fachen Wert an. Vor allem in den letzten zwölf Monaten habe sich dieser Trend verschärft. (bk)

Foto: Shutterstock

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